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NHL.com/de diskutiert über Heimkehrer

Immer wieder kehren Spieler zu ihrem alten Klub zurück. Unsere Autoren haben sich im Writer's Room damit beschäftigt

von NHL.com/de @NHLde

Marleaus 2. Treffer beim Debüt

SJS@CHI: Marleau gelingt mit 2. Tor der Ausgleich

Patrick Marleau taucht vor dem Tor auf und markiert per Rebound das 4:4 im zweiten Drittel

  • 00:55 •

Während der Saison 2019/20 wird das Team von NHL.com/de jeden Samstag in der Rubrik "Writer's Room" wichtige Themen der Liga diskutieren und analysieren. In dieser Ausgabe: Prominente Heimkehrer zu früheren Teams.

Vor wenigen Tagen war es Patrick Marleau, der mit seiner emotionalen Rückkehr zu den San Jose Sharks, dem Team für das er 19 Jahre lang gespielt hatte, bevor es ihn für zwei Spielzeiten zu den Toronto Maple Leafs zog, für Schlagzeilen sorgte. 

Seine von den Fans gefeierte Heimkehr setzte bei den Teamkameraden und ihm selber Energien frei. Die zuvor mit vier Niederlagen in die Saison gestarteten Sharks erhielten durch sein Mitwirken spürbar frischen Wind. In seinem ersten Einsatz gegen die Chicago Blackhawks gelangen Marleau zwei Treffer und seinem neuen Team das erste Erfolgserlebnis der Saison. Mittlerweile wurden drei Siege in Serie daraus.

Marleau ist in der NHL-Geschichte mit einem derartigen Karriereverlauf längst nicht alleine. Immer wieder kehrten prominente Größen der Liga nach einigen Jahren zu ihrem emotionalen Zuhause zurück.

 

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Erinnert sei in diesem Zusammenhang an Mark Messier der nach erfolgreichen Jahren bei den Edmonton Oilers zur Saison 1991/92 zu den New York Rangers wechselte, mit denen er 1994 den Stanley Cup gewann. 

Nach einem Aufenthalt bei den Vancouver Canucks von 1997 bis 2000 kehrte er als Free Agent zu 'seinen' Rangers zurück, wurde direkt wieder Kapitän und beendete seine große Karriere in New York im Jahr 2004. 

Der Finne Teemu Selanne gehörte ebenso in diese Kategorie von Spielern. Nach seinem blitzartigen Karrierebeginn in Reihen der Winnipeg Jets wechselte er in der Saison 1995/96 zu den Mighty Ducks of Anaheim und begeisterte zusammen mit seinem 'Partner' Paul Kariya die Fans. Nach Aufenthalten bei den Sharks und den Colorado Avalanche, ging es für ihn 2005 erneut nach Anaheim und er gewann schließlich zwei Jahre später mit den Ducks sogar den Stanley Cup, ehe er bis zum Sommer 2014 aktiv blieb und seine Laufbahn in Kalifornien beendete.

Luc Robitaille wird als ein herausragender Spieler der Los Angeles Kings in Erinnerung bleiben. Zwischenzeitlich spielte er jedoch zeitweise in den Reihen der Pittsburgh Penguins und Detroit Red Wings. Seine eigentliche sportliche Heimat blieb allerdings Los Angeles. Insgesamt drei Mal stieß er im Karriereverlauf zu den Kings, jedes Mal sorgte er für viel Aufsehen und beendete seine aktive Laufbahn im Jahr 2006 bei den Kings.

Bei den Chicago Blackhawks betrat Denis Savard 1980 die NHL-Bühne. Sein spektakulärer Wechsel zu den Montreal Canadiens im Jahre 1990 faszinierte die Eishockeywelt. Ein weiterer Abschnitt bei den Tampa Bay Lightning folgte in seiner herausragenden Karriere, bevor er das Ende seiner aktiven Zeit von 1995 bis 1997 wieder zurück in Chicago erleben durfte.

All diese Karrieren großer, verdienter NHL-Spieler sorgten zum Zeitpunkt der Rückkehr an die alte Wirkungsstätte für große Emotionen, vergleichbar mit denen, die Marleau in San Jose nun zu Teil wurden. 

Wir haben die Meinungen der Redakteure von NHL.com/de dazu zusammengetragen:

Christian Treptow: Ein paar Jahre, nachdem ich begonnen hatte, mich für die NHL zu interessieren, kam Patrick Marleau in die Liga. Und heute spielt er immer noch. Zum Glück. Er gehört einfach dazu. Auch wer nicht sein Herz an die San Jose Sharks verloren hat, dürfte sich im kommenden Sommer trotzdem freuen, sollten die Sharks den Cup gewinnen. Marleau und auch Joe Thornton könnten auf dem Höhepunkt ihre Karrieren beenden. Dass sie zu den Besten gehören, haben sie ohnehin schon reichlich unter Beweis gestellt. Es ist wohl Marleaus letzter Anlauf auf den Cup. Da oute ich mich gerne als altmodisch: Aber bestimmte Spieler gehören zu bestimmten Teams. Marleau zu den Sharks, Selanne zu den Ducks … Man verfolgt ihre Karrieren, auch wenn man es nicht mit ihrer Mannschaft hält. Und man hofft, dass sie ihre Karrieren vollenden, also mit dem Gewinn des Stanley Cups beenden. Egal, mit welchem Team sie den gewinnen. Danach gehört ihre Nummer bei ihrem Stammteam unters Hallendach. Schaffen sie noch die Rückkehr zu "ihrem" Team, kann das der Mannschaft einen Schub verleihen. Das sieht man bei den Sharks. Was daraus am Ende wird? Ob es für die Kalifornier bis zum Titelgewinn reicht? Ich würde es Marleau gönnen.

Video: SJS@CHI: Marleau trifft im PP bei Rückkehr zu Sharks

Christian Rupp: Die Rückkehr von Patrick Marleau zeigte, dass nicht nur Fans einen Spieler verehren, sondern sich auch Spieler in einen Klub und eine Gemeinschaft verlieben können. Schon als Marleau erstmals im Trikot der Toronto Maple Leafs nach San Jose zurückkehrte, wurde er minutenlang lautstark und mit stehenden Ovationen gefeiert. Die Zuschauer erwiesen einem langjährigen und verdienten Profi die Ehre, auch wenn dieser nun in einem fremden Trikot übers Eis flitzte. Marleau wirkte genauso ergriffen und emotional mitgenommen wie in der vergangenen Woche, als er in Teal vor "sein" Publikum trat. Damals wie heute rollten ihm sogar Tränen über die Wangen. Alleine wegen dieser starken Verbindung und vollen Identifikation dürfte die Rückholaktion für Klub, Verein und Spieler eine Win-Win-Win-Situation sein. Wenn am Ende gar der Gewinn des Stanley Cups dabei herausspringen würde, wäre die Cinderella-Story perfekt: In 19 Jahren bei den Sharks gelang dieses Kunststück nicht. Böse Zungen behaupteten sogar, Marleau sei wie sein Mitspieler und Freund Joe Thornton das Gesicht des Scheiterns in der Bay Area. Eine emotionale Rückkehr, gefolgt von der 20. Saison in Nord-Kalifornien sowie der Stanley Cup im wohl allerletzten Anlauf wäre ein hollywoodreifes Happy End.

Robin Patzwaldt: Solche Geschichten mit großen Emotionen braucht der Sport einfach. Es ist immer wieder ergreifend, wenn sich besondere Fanlieblinge in einer Stadt, bei einem Team herauskristallisieren. Mich erinnerte die Geschichte von Patrick Marleau vor wenigen Tagen ganz spontan an die große Karriere von Mark Messier bei den New York Rangers. Unglaublich, wie die Fans Messier dort seinerzeit verehrt haben. Das konnte man auch bei seinem offiziellen Abschied im Madison Square Garden, als im Januar 2006 seine Trikotnummer feierlich 'retired' wurde, hautnah miterleben. Zu der Zeit war ich zufällig vor Ort mit dabei. Das Ganze ist eine Erinnerung, die mir damals erstmals so richtig gezeigt hat, dass auch die Fans in der NHL längst nicht so emotionslos und passiv sind, wie ihnen hier bei uns in Europa häufig nachgesagt wird. Ich wünsche auch Marleau, dass er in San Jose eine ähnlich prägende Rolle für den Klub einnehmen wird, wenn er eines Tages auf seine Karriere dort zurückblicken kann. Die Erlebnisse der vergangenen Tage haben gezeigt, dass er die Chance dazu hat, wenn er die nächsten Monate über auch nur halbwegs an die von ihm erwarteten Leistungen anknüpfen kann. Der Start war vielversprechend. Wir dürfen uns darauf freuen mitzuerleben, wie die Geschichte weiter geht. 

Axel Jeroma: Oft erinnert man sich an die glanzvollen Comebacks von Spielern, die es bei einem ihrer früheren Klubs noch einmal wissen wollen. Aber es gibt auch andere Fälle. Als großer Fan des schwedischen Eishockeys und seiner NHL-Vertreter fällt mir da spontan Peter Forsberg ein. Nach seinen zwei Triumphen mit den Colorado Avalanche im Stanley Cup 1996 und 2001 hatte er mit großen Verletzungsproblemen zu kämpfen. Nach dem Lockout 2004/05 schloss er sich als Free Agent den Philadelphia Flyers an. In seiner ersten Saison verbuchte er dort 75 Punkte.

Doch dann spielte ihm sein Körper erneut einen Streich. Fortan kam er nie wieder richtig auf die Beine. Nach einem wenig erfolgreichen Gastspiel bei den Nashville Predators versuchte er sein Glück erneut in Denver. Das Ergebnis war ernüchternd. Er konnte wegen seiner angeschlagenen Gesundheit nur neun Einsätze absolvieren und kehrte nach Schweden zurück. 2011 scheiterte er mit einem weiteren Comeback-Versuch in Colorado. Man sieht, dass Heimkehrer nicht automatisch Glanz und Gloria versprühen, nicht einmal Top-Stars vom Schlage eines Forsberg.

Stefan Herget: Die einzige Rückkehr, die mir in Erinnerung blieb und sich richtig ausgezahlt hat, war die von Teemu Selanne zu den Anaheim Ducks, weil er danach seinen Traum von Stanley Cup 2007 tatsächlich an dieser Stätte verwirklichen konnte. Ich glaube nicht, dass es für Marleau ein Happy End dieser Art geben wird, auch wenn es ihm und natürlich Joe Thornton vielleicht zu gönnen wäre, denn die Sharks haben meiner Meinung nach zu viel Substanz im Sommer verloren.

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