Christian Rupp:Die Rückkehr von Patrick Marleau zeigte, dass nicht nur Fans einen Spieler verehren, sondern sich auch Spieler in einen Klub und eine Gemeinschaft verlieben können. Schon als Marleau erstmals im Trikot der Toronto Maple Leafs nach San Jose zurückkehrte, wurde er minutenlang lautstark und mit stehenden Ovationen gefeiert. Die Zuschauer erwiesen einem langjährigen und verdienten Profi die Ehre, auch wenn dieser nun in einem fremden Trikot übers Eis flitzte. Marleau wirkte genauso ergriffen und emotional mitgenommen wie in der vergangenen Woche, als er in Teal vor "sein" Publikum trat. Damals wie heute rollten ihm sogar Tränen über die Wangen. Alleine wegen dieser starken Verbindung und vollen Identifikation dürfte die Rückholaktion für Klub, Verein und Spieler eine Win-Win-Win-Situation sein. Wenn am Ende gar der Gewinn des Stanley Cups dabei herausspringen würde, wäre die Cinderella-Story perfekt: In 19 Jahren bei den Sharks gelang dieses Kunststück nicht. Böse Zungen behaupteten sogar, Marleau sei wie sein Mitspieler und Freund Joe Thornton das Gesicht des Scheiterns in der Bay Area. Eine emotionale Rückkehr, gefolgt von der 20. Saison in Nord-Kalifornien sowie der Stanley Cup im wohl allerletzten Anlauf wäre ein hollywoodreifes Happy End.
Robin Patzwaldt: Solche Geschichten mit großen Emotionen braucht der Sport einfach. Es ist immer wieder ergreifend, wenn sich besondere Fanlieblinge in einer Stadt, bei einem Team herauskristallisieren. Mich erinnerte die Geschichte von Patrick Marleau vor wenigen Tagen ganz spontan an die große Karriere von Mark Messier bei den New York Rangers. Unglaublich, wie die Fans Messier dort seinerzeit verehrt haben. Das konnte man auch bei seinem offiziellen Abschied im Madison Square Garden, als im Januar 2006 seine Trikotnummer feierlich 'retired' wurde, hautnah miterleben. Zu der Zeit war ich zufällig vor Ort mit dabei. Das Ganze ist eine Erinnerung, die mir damals erstmals so richtig gezeigt hat, dass auch die Fans in der NHL längst nicht so emotionslos und passiv sind, wie ihnen hier bei uns in Europa häufig nachgesagt wird. Ich wünsche auch Marleau, dass er in San Jose eine ähnlich prägende Rolle für den Klub einnehmen wird, wenn er eines Tages auf seine Karriere dort zurückblicken kann. Die Erlebnisse der vergangenen Tage haben gezeigt, dass er die Chance dazu hat, wenn er die nächsten Monate über auch nur halbwegs an die von ihm erwarteten Leistungen anknüpfen kann. Der Start war vielversprechend. Wir dürfen uns darauf freuen mitzuerleben, wie die Geschichte weiter geht.