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Unerwarteter Boost dank Playoffs

In den Playoffs wachsen Jahr für Jahr Spieler über sich hinaus und zeigen unerwartete Meisterleistungen

von Alexander Gammel / NHL.com/de Autor

Jedes Jahr wieder fiebern Eishockeyfans auf der ganzen Welt dem Frühling entgegen, den Playoffs, der Zeit in der es wirklich ernst wird, in der das härteste, schnellste Eishockey gespielt wird und die Entscheidung um den Titel fällt. Aller Augen sind auf die großen Stars gerichtet. Man erwartet mit Spannung, was Sidney Crosby, Alex Ovechkin, Vladimir Tarasenko, Connor McDavid und so viele andere Führungsspieler und Topscorer für atemberaubende Aktionen und phänomenale Leistungen zeigen. Doch gerade in den Playoffs lohnt es sich, auch auf andere Spieler zu achten.

Die Playoffs sind eine magische Zeit, deren besondere Atmosphäre manch einen Spieler weit über seine Grenzen hinaus treibt und ihn Leistungen vollbringen lässt, die wohl kaum jemand von ihm erwartet hätte. Es kommt zu erstaunlichen Leistungen in einzelnen Spielen, Rekorde und Meilensteine werden erreicht und übertroffen. Hier werden Helden und Legenden geboren.

Immer wieder überraschen einzelne Spieler mit Leistungssteigerungen in der Endrunde, die ihre Bemühungen in der regulären Saison weit in den Schatten stellen und manche Akteure haben sich gerade zu einen Ruf als Playoffmonster, als Spezialisten für die wichtigste Phase der Saison erarbeitet.

Eine solche Leistungsexplosion zeigte beispielsweise Pekka Rinne, der Torwart der Nashville Predators. In der regulären Saison erreichte er eher durchschnittliche Werte. Nach Gegentorschnitt (2,42) war er auf Rang 15 der Liga, nach Fangquote (91,8%) auf Rang 14 und kam auf drei Shutouts. Doch dann kamen die Playoffs und damit die Zeit des 34-jährigen Finnen. Vom ersten Spiel an brachte er seine Gegner zur Verzweiflung. In Runde eins verhalf er seinem Team zum Sweep, dem Sieg in vier Spielen ohne Niederlage, gegen die Chicago Blackhawks, immerhin das beste Team der Western Conference nach der regulären Saison. Besonders beeindruckend dabei waren die zwei Shutouts und nur drei Gegentore in der gesamten Serie. Nach insgesamt sieben Spielen steht er nun bei einem Gegentorschnitt von 1,38 und 95,0% Fangquote und führt damit alle Torhüter der Playoffs in sämtlichen wichtigen Statistiken an.

Video: STL@WSH, Sp3: Rinne wehrt Tarasenko im Powerplay ab

"Rinne war in der ganzen Serie unglaublich", lobte auch sein Schweizer Verteidiger Roman Josi. "Er war definitiv einer derjenigen, die den Unterschied gemacht haben."

Im Team seiner Gegner, der St. Louis Blues, gibt es gleich mehrere Kandidaten, die ganz neue Seiten zeigen. Vor allem Torwart Jake Allen und Verteidiger Joel Edmundson, die zu den Hauptgründen für den Erfolg in der ersten Runde zählen, hatte wohl kaum jemand als die großen Helden der Blues auf dem Zettel, doch sie waren es, die den Fans Grund zum Staunen gaben.

Eine weitere beeindruckende Steigerung zeigte bisher Pittsburgh Penguins Rookie Jake Guentzel. Ja, Guentzel hatte mit 16 Toren und 33 Punkten in 40 Spielen eine starke erste Saison, doch in den Playoffs konnte er nun noch eine Schippe drauf legen. Er erzielte in den ersten sieben Spielen der Playoffs sieben Tore, darunter ein Hattrick in Spiel drei gegen die Columbus Blue Jackets. Das war als Rookie zuvor nur dem legendären Maurice Richard und Dino Ciccarelli gelungen.

"Er kreiert Spielzüge, hat Haltung, gibt den Puck nicht leichtfertig her und will mit dem Puck spielen und das passt denke ich zu Sid [Crosby], weil Sid auch so ist", erklärte Penguins Trainer Mike Sullivan.

Auch in anderen Teams gibt es die Helden, die sich in den diesjährigen Playoffs bereits in die Geschichtsbücher eintragen konnten. Jean-Gabriel Pageau zum Beispiel, der eigentlich eher als Arbeiter gilt, erzielte gegen die New York Rangers vier Tore in einem Spiel, darunter der Ausgleich zum 5-5 und der Siegtreffer in der Verlängerung. Das gelang zuvor noch nie einem Senator.

Auch der Kölner Leon Draisaitl hat einen Abend erlebt, an den er sich wohl immer erinnern wird. Draisaitl spielte eine überragende Saison, aber Spiel eins gegen die Anaheim Ducks war selbst für ihn etwas besonderes. Er erzielte vier Punkte in einer Partie, was seit 11 Jahren keinem Spieler der Edmonton Oilers mehr gelang und mit Jochen Hecht im Jahr 2000 bisher nur einem deutschen Spieler.

Video: EDM@SJS, Gm6: Draisaitl trifft nach Konter

Man könnte noch weitere nennen, doch das würde hier den Rahmen sprengen.

Jedes Jahr sind in den Playoffs solche Meisterwerke der Eishockeykunst zu bestaunen, oft von Spielern, von denen man es nicht unbedingt erwartet. Mancher wächst an dem Druck, der in den Playoffs noch schwerer auf den Spielern lastet, als während der regulären Saison. Andere lassen sich von der Stimmung in der Halle, in der die Fans noch lauter sind als sonst, anpeitschen. Woran auch immer es liegt, eines der schönsten Dinge an den Playoffs ist sicherlich, das jeder zum Helden werden kann und die Fans Jahr für Jahr, Abend für Abend Eishockeygeschichte miterleben können.

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