Über ein Jahrzehnt ist mittlerweile vergangen, seit der letzte deutsche Torhüter bei einem NHL Draft ausgewählt wurde. 2010 hatten sich die Washington Capitals in der vierten Runde (Gesamtposition 112) die Rechte an Philipp Grubauer gesichert. Acht Jahre später holte der Rosenheimer mit dem Team aus der US-Hauptstadt den Stanley Cup. Insgesamt elf deutsche Goalies sind bislang gedrafted worden. Den Durchbruch in der NHL schafften neben Grubauer jedoch nur Olaf Kölzig und Thomas Greiss. Mit Nikita Quapp und Florian Bugl haben es in diesem Jahr zwei Nachwuchstorleute aus Deutschland ins finale Ranking des NHL Scouting Bureau geschafft. Zudem ist mit Noah Patenaude ein junger Goalies aus der Schweiz vertreten. NHL.com/de hat sich die jüngsten Leistungsnachweise der drei Talente näher angesehen.
Nikita Quapp, Krefeld Pinguine
Der 18-jährige gebürtige Ravensburger wird für den NHL Draft 2021 auf der Liste der europäischen Torhüter an zwölfter Stelle geführt. In der Saison 2020/21 feierte Quapp sein Debüt in der DEL. Für die Krefeld Pinguine absolvierte er elf Partien in der Hauptrunde. Sein Gegentorschnitt beim mit Abstand schwächsten Team der Liga in der abgelaufenen Spielzeit belief sich auf 4,71 pro Match, die Fangquote betrug 88,8 Prozent.
Dass er ins Blickfeld der NHL-Scouts geriet, liegt in erster Linie am guten Eindruck, den Quapp im Trikot der deutschen Nationalmannschaft bei der U18-Weltmeisterschaft 2021 in den USA hinterlassen hat. Er parierte 71 der 80 Schüsse, die während seiner zwei Einsätze auf sein Gehäuse kamen. Zusammen mit den Feldspielern Bennet Roßmy und Nikolaus Heigl wurde der Schlussmann zum besten deutschen Spieler bei der U18-WM gekürt.
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Den Feinschliff im Juniorenbereich erhielt Quapp in der Red Bull Hockey Academy, zu der er 2016/17 gewechselt war. Zuvor spielte er für den EV Ravensburg.
Trotz der Möglichkeit, beim NHL Draft gezogen zu werden, bleibt der junge Keeper gelassen. Er sei da ganz entspannt, ließ er in einem Gespräch mit der Westdeutschen Zeitung wissen. Sollte es nicht klappen, gehe sein Leben normal weiter. Quapps Vertrag in Krefeld läuft noch bis Ende 2021/22.
Florian Bugl, Red Bull Hockey Juniors
Der 19 Jahre alte Landshuter hat es im Draft-Ranking bei den europäischen Torhütern auf Position 13 geschafft. Bugl, der aus dem Nachwuchs des EV Landshut kommt, verbrachte die vergangenen Jahre in der Red Bull Hockey Academy und hütete in der abgelaufenen Saison das Tor der Red Bull Hockey Juniors in der Alps Hockey League.
Mit einer Matchbilanz von 12-12-0, einer Fangquote von 90,2 Prozent und einem Gegentorschnitt von 2,87 trug er dazu bei, dass sich sein Team für die Playoffs qualifizierte. In der Endrunde stand er zweimal zwischen den Pfosten. Beide Male setzte es eine Niederlage. Entsprechend fielen der Gegentorschnitt mit 3,45 und die Fangquote mit 87,3 Prozent schwächer aus als in der Hauptrunde.
Bleibende Eindrücke hinterließ Bugl bei der U20-Weltmeisterschaft 2021 in Kanada. Dabei begann das Turnier für ihn denkbar ungünstig. Weil er positiv auf das Coronavirus getestet worden war, verpasste er die ersten zwei Partien des deutschen Nationalteams. Prompt gingen beide verloren. Deutschland drohte das Aus nach der Vorrunde.
Doch Bugl sicherte der DEB-Auswahl im Anschluss zwei Siege gegen die Slowakei und die Schweiz. Damit war der erstmalige Einzug der deutschen U20 ins WM-Viertelfinale perfekt. Dort hielt der Goalie das Duell gegen Russland bis zum Ende spannend. Am Ende schied Deutschland erhobenen Hauptes mit einer 1:2-Niederlage gegen den Eishockey-Goliath aus. Bugl kam bei seinen drei Auftritten auf eine Fangquote von 89,7 Prozent. Der Gegentorschnitt pro Spiel belief sich auf 2,95.
Dass die Talentspäher der NHL ein Auge auf ihn geworfen haben, sei für ihn eine große Ehre, sagte er in einem Interview für die Webseite der Alps Hockey League.