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Lightning suchen noch nach dem Playoff-Schalter

Tampa will sich in Spiel 2 gegen die Blue Jackets für die Auftaktniederlage rehabilitieren

von NHL.com/de Autor @nhlde / Axel Jeroma

Bei der Pressekonferenz nach dem Match gegen die Columbus Blue Jackets erweckte Tampas Trainer Jon Cooper zeitweise den Eindruck, als würde er auf einer Zitrone kauen. Seine Mimik war dem Umstand geschuldet, dass die Lightning zuvor Spiel 1 der Erstrundenserie in den Stanley Cup Playoffs der Eastern Conference auf spektakuläre Weise in den Sand gesetzt hatten. Trotz einer klaren 3:0-Führung zogen sie gegen den Kontrahenten aus Ohio am Ende noch mit 3:4 den Kürzeren. Dem Coach fiel die undankbare Aufgabe zu, den Medienvertretern plausible Gründe für die unerwartete Pleite vor heimischem Publikum in der zum 200. Mal nacheinander ausverkauften Amalie Arena zu liefern.

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Nach den Toren von Alex Killorn, Anthony Cirelli und Yanni Gourde habe sich eine allgemeine Hurra-Stimmung breit gemacht, in deren Folge seine Mannschaft die nötige Sachlichkeit vermissen ließ, bemängelte Cooper. "Nach unserem starken Beginn standen die Fans in der Halle regelrecht Kopf. Nachdem wir uns wie gewünscht einen klaren Vorsprung erarbeitet hatten, wäre es unsere Aufgabe gewesen, die Emotionen im Zaum zu halten und den Sack überlegt zuzubinden. Stattdessen wollten wir den Gegner aus der Halle schießen. Das war überhaupt nicht notwendig", sagte er.

Die Blue Jackets leiteten nach der missglückten Anfangsperiode wirksame Gegenmaßnahmen ein und zeigten, dass sie nicht zufällig in der Endrunde stehen. Nick Foligno und David Savard brachten die Gäste bis auf ein Tor heran. Nach dem Ausgleich von Josh Anderson in Unterzahl war es endgültig um die Selbstsicherheit der Lightning geschehen. Columbus nutzte die Gunst der Stunde und versetzte dem taumelnden Favoriten sechs Minuten vor Schluss durch einen Powerplay-Treffer von Seth Jones den Knockout.

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Die beiden letzten Gegentore offenbarten eine Schwäche der Gastgeber an diesem Abend, die bis zur zweiten Begegnung am Freitag dringend einer Korrektur bedarf: Die Special-Teams der Lightning erreichten zu keinem Zeitpunkt ihre Normalform. Drei Überzahlspiele verstrichen ungenutzt. Hinzu kamen der ärgerliche Shorthander der Blue Jackets und der Nackenschlag während Tampas zweitem Penalty-Killing. "Es ist wirklich eine Ironie der Geschichte, dass die Special-Teams, die im Verlauf der Saison so gut waren, heute wesentlich zur Niederlage beigetragen haben", klagte Cooper.

Verteidiger Ryan McDonagh führte den Misserfolg wie sein Trainer auf die laxe Einstellung im zweiten und dritten Abschnitt zurück. "Gegen eine Mannschaft von diesem Kaliber ist es nötig, die gesamten 60 Minuten konzentriert zu Werke zu gehen. Wir können es uns nicht leisten, zwischendurch die Zügel schleifen zu lassen", mahnte er. Zugleich ordnete er die Partie in die Kategorie Betriebsunfall ein. "Ich denke, das Ganze wäre dann besorgniserregend, wenn wir nicht wüssten, was wir falsch gemacht haben. Aber wir sind uns darüber im Klaren, was wir tun müssen und was uns erfolgreich macht", betonte der Defensivspieler und richtete den Blick nach vorne.

Ähnlich äußerte sich Kapitän Steven Stamkos. "Wir haben eine bittere Lektion erteilt bekommen. Es gilt jetzt, die richtigen Lehren daraus zu ziehen und sich auf das nächste Spiel zu fokussieren. Uns allen ist bewusst, wie wichtig das kommende Duell vor unseren Fans ist. Wir standen als Mannschaft schon oft vor ähnlichen Herausforderungen und werden alles dafür tun, um den Job diesmal erfolgreich zu erledigen", sagte er. Stamkos war wie Topscorer Nikita Kucherov gegen die Blue Jackets ohne Scorerpunkt geblieben.

Nicht zufrieden mit seiner Darbietung zeigte sich Lightning-Verteidiger Victor Hedman. Er war rechtzeitig zum Playoff-Start wieder fit geworden, nachdem er die letzten vier Hauptrundenspielen wegen einer Oberkörperverletzung verpasst hatte. "Ich bin ehrlich gesagt enttäuscht. Vor allem beim zweiten Gegentor habe ich nicht gut ausgesehen", räumte er freimütig ein. Lange hielt er sich jedoch nicht damit auf, Trübsal zu blasen. "Ich erwarte von mir am Freitag eine wesentlich bessere Leistung. Das Gute ist, dass wir eine Best-of-Seven-Serie spielen. Wir werden auf jeden Fall die passende Antwort geben", kündigte er an.

Nach Einschätzung von Tampas Linksaußen Killorn ist es nach dem verpatzten Auftakt hilfreich, sich auf eine Tugend zu besinnen, die das Team während der regulären Saison mehrfach auszeichnete. "In etlichen Partien, in denen wir nicht durchweg überzeugen konnten, haben wir dennoch einen Weg gefunden, den Gegner dank unserer Qualität niederzuringen. In den Playoffs ist dies sicherlich schwieriger. Aber dieser Realität müssen wir uns stellen", sagte er.

Die Lightning machten gegen die Blue Jackets die gleiche ernüchternde Erfahrung wie im Vorjahr die Washington Capitals. Der spätere Stanley-Cup-Champion war sich seiner Sache gegen den vermeintlichen Außenseiter aus Columbus ebenfalls zu sicher gewesen und verlor sogar beide Heimspiele am Anfang der ersten Runde. Um es nicht so weit kommen zulassen, muss die Belegschaft aus Tampa dringend in den Playoff-Modus umschalten. Das bedeutet in erster Linie: Weg von der Schönspielerei mit inkludiertem Offensivspektakel, hin zu mehr ergebnisorientiertem Eishockey. Gelingt dieser Mentalitätswechsel nicht, dürfte Coach Cooper bald die nächste Pressekonferenz mit angesäuertem Gesichtsausdruck abhalten.

Spiel 2 in der ersten Playoff-Runde der Eastern Conference zwischen den Lightning und den Blue Jackets findet am Freitag um 19 Uhr Ortszeit (Eastern Time) in der Amalie Arena von Tampa statt (CNBC, SN360, TVAS, SUN, FS-O, NHL-TV).

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