061623 vegas golden knights celebrate

Nach nur sechs Saisons in der NHL konnten die Vegas Golden Knights diese Woche ihren ersten Stanley Cup feiern. Im Finale setzten sie sich in fünf Spielen gegen die Florida Panthers durch. Es war der krönende Abschluss einer souveränen Saison, die nicht ohne Herausforderungen war. NHL.com/de fasst Vegas' Saison im Zeitraffer zusammen.

Neuer Trainer nach großer Enttäuschung

In der vorherigen Saison hatten die Golden Knights das schlechteste Abschneiden ihrer jungen Geschichte erlebt und zum ersten Mal die Stanley Cup Playoffs verpasst. Trotzdem vertraute das Management auf einen weitgehend unveränderten Kader. Stattdessen holte General Manager Kelly McCrimmon einen neuen Trainer ins Boot.

Bruce Cassidy hatte die Boston Bruins sechs Mal in Folge in die Playoffs geführt. Der ganz große Wurf sollte ihm mit dem Traditionsteam aber verwehrt bleiben. Deshalb entließen die Bruins ihn im Sommer. Vegas engagierte ihn nur sechs Tage später als Ersatz für Peter DeBoer, der aufgrund der verpassten Playoffs gehen musste.

Ansonsten blieb fast alles beim Alten. Die größte Verpflichtung im Sommer war wohl Veteran Phil Kessel. Die Verletzungssorgen begannen aber schon vor der Saison. Torhüter Robin Lehner, der als Nummer eins im Tor eingeplant war, musste sich einer Hüftoperation unterziehen, die ihn für die gesamte Saison außer Gefecht setzen würde. Um sich abzusichern, holte McCrimmon Adin Hill als dritten Torwart hinter Laurent Brossoit und Logan Thompson. Eine Entscheidung, die sich später als extrem wichtig herausstellen sollte.

Es gab aber auch Grund zum Optimismus, immerhin sollte Starstürmer Jack Eichel seine erste volle Saison für Vegas bestreiten. Er kam im November 2021 von den Buffalo Sabres und musste sich zunächst einer Operation an der Halswirbelsäule unterziehen. Nun sollte er das Team zum Erfolg führen.

Souveräne Vorstellung von Anfang bis Ende

Die Golden Knights erwischten im Oktober mit acht Siegen aus zehn Spielen einen starken Start in die Saison. Dadurch standen sie früh auf dem ersten Platz der Pacific Division, eine Position, die sie über weite Strecken der Saison halten sollten.

Eine positive Überraschung war Rookie Thompson im Tor. Er lieferte in der regulären Saison eine Bilanz von 21-13-3 bei 91,5 Prozent Fangquote, 2,65 Gegentoren pro Spiel und zwei Shutouts. Dank dieser Leistungen wurde er als Mitfavorit auf die Calder Trophy für den besten Rookie gehandelt. Allerdings wurde er, wie die gesamte Mannschaft, nicht vom Verletzungspech verschont. Thompson und weitere Schlüsselspieler wie Eichel, Kapitän Mark Stone, Abwehrchef Alex Pietrangelo und Verteidiger Zach Whitecloud verpassten aufgrund von Verletzungen bzw. im Fall von Pietrangelo auch privaten Angelegenheiten viele Einsätze. Besonders auffällig waren die Probleme im Tor, wo Vegas gleich fünf verschiedene Spieler einsetzen musste.

Trotzdem hielten sich die Golden Knights stets an der Spitze der Division. Der Januar war der einzige Monat, den sie nicht auf Platz eins abschlossen. Die Qualität des Teams zeigte sich auch gegen den Ligaprimus, Cassidys ehemaligen Arbeitgeber Boston. Die Bruins spielten die beste reguläre Saison der NHL-Geschichte. Vegas gelang es aber, ihnen im Dezember eine von nur sieben Heimniederlagen beizubringen.

Insgesamt überzeugte Vegas mit einer starken Teamleistung und viel Tiefe im Kader. Eichel war mit 66 Punkten (27 Tore, 39 Assists) der Topscorer der Mannschaft, gefolgt von Chandler Stephenson mit 65 Punkten (16 Tore, 49 Assists). Jonathan Marchessault war mit 28 Treffern der beste Torjäger und mit 57 Zählern der drittbeste Scorer.

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Am 31. März feierten die Golden Knights die Rückkehr in die Playoffs. Durch einen Punkt bei einer 3:4-Niederlage gegen die San Jose Sharks qualifizierten sie sich als erstes Team der Western Conference für die Postseason. Am Ende waren sie mit 111 Punkten (51-22-9) das beste Team der Conference.

Eichel überzeugt in ersten Playoffs, Hill überrascht

Mit der klaren Favoritenrolle gingen die Golden Knights in ihre Best-of-7-Serie der ersten Runde der Playoffs gegen die Winnipeg Jets, mussten jedoch zunächst einen Dämpfer hinnehmen. Das erste Spiel verloren sie zu Hause klar mit 1:5. Das schien jedoch der nötige Weckruf zu sein, denn danach schossen sie 18 Tore in vier Spielen und warfen die Jets in fünf Spielen aus dem Rennen.

In der zweiten Runde trafen sie auf die Edmonton Oilers mit ihren Superstars Leon Draisaitl und Connor McDavid. In den ersten vier Spielen tauschten beide Mannschaften noch Siege aus, wobei Vegas zwei Mal in Führung ging. Außerdem kam es zu einem vielleicht entscheidenden Moment, denn in Spiel drei der Serie verletzte sich Torwart Brossoit. Hill musste einspringen und startete seinen Triumphzug. In Spiel fünf und sechs führte er die Golden Knights zum Einzug ins Western Conference Finale.

Dort wartete mit den Dallas Stars mit Ex-Trainer DeBoer hinter der Bande die nächste Herausforderung, doch Vegas ließ sich nicht beeindrucken. Die ersten drei Spiele gingen alle an das Team aus Nevada. Dallas machte die Serie mit zwei Siegen nochmal spannend. Cassidy verstand es aber im entscheidenden Moment, das Maximum aus seinem Team zu holen. In Spiel sechs ließ Vegas den Stars in deren Arena mit einem klaren 6:0 keine Chance.

Golden Knights ziehen ins Stanley Cup Finale ein

Das Finale fand gegen die Panthers statt, die immerhin drei favorisierte Mannschaften in Folge eliminiert hatten und im Eastern Conference Finale gegen die Carolina Hurricanes einen Sweep geliefert hatten. In der eigenen T-Mobile Arena ließ Vegas aber nichts anbrennen und gewann die ersten beiden Partien mit 5:2 und 7:2. Im ersten Auswärtsspiel gab es zwar eine 2:3-Niederlage nach Verlängerung, mit einem 3:2-Sieg in Spiel vier erspielten sich die Golden Knights aber den Matchball. Die entscheidende Begegnung hätte kaum klarer laufen können, nach einem 9:3 durfte Stone den Stanley Cup von NHL Commissioner Gary Bettman entgegennehmen.

Eichel war mit 26 Punkten (6 Tore, 20 Assists) der Topscorer der Playoffs und Marchessault gewann mit 25 Punkten (13 Tore, 12 Assists) und als Top-Torjäger der Playoffs (gleichauf mit Draisaitl) die Conn Smythe Trophy als wertvollster Spieler. Hill schloss die Playoffs mit elf Siegen aus 15 Spielen, 93,2 Prozent Fangquote, 2,17 Gegentoren pro Spiel und zwei Shutouts ab. Kein Expansion Team zuvor schaffte es innerhalb von nur sechs Saisons den Titel zu holen.