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Die NHL-Saison 1992/93 liegt 30 Jahre zurück. NHL.com/de nimmt dies zum Anlass, in einer Serie an eine denkwürdige Spielzeit in der langen Ligageschichte zu erinnern.

In dieser Ausgabe: Ein historisches Offensivspektakel
Wie besonders die NHL-Spielzeit 1992/93 wirklich war, das verdeutlichte in der Vorwoche noch einmal ein Artikel in der New York Post. Das Printmedium beschäftigte sich mit dem torreichen Start der NHL-Saison 2022/23. In dem Beitrag wurde hervorgehoben, dass die Offensivausbeute bisher ungewöhnlich hoch war. Dies wurde mit einem historischen Vergleich untermauert.
"Obwohl die Stichprobe mit 70 Spielen noch sehr klein ist, erzielen die NHL-Klubs im Durchschnitt 3,3 Tore pro Spiel. Das ist der höchste Wert seit 30 Jahren, seit die Teams in der Spielzeit 1992/93 durchschnittlich 3,63 Tore pro Spiel erzielt haben. In den ersten zehn Tagen des Jahres wurden in 39 der ersten 70 Spiele insgesamt sieben oder mehr Tore erzielt. Dabei sind die zwei Penaltyschießen noch gar nicht mitgerechnet."
Die Ursachen, warum vor 30 Jahren in der NHL so viele Tore fielen, werden durchaus unterschiedlich eingeschätzt. "Ich sage es mal so: Das Torwartspiel war nicht so gut", lautet die Erklärung von Brendan Shanahan, legendärer Spieler der Detroit Red Wings, gegenüber NHL.com. "Und das Coaching war auch nicht so intensiv wie heute."

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Natürlich hat sich aber auch die Ausrüstung in den vergangenen Jahren weiterentwickelt. Dies könnte einer der Faktoren sein. "Damals spielten die Teams nicht unbedingt mit einem Trap-System, und heute wird in der NHL viel mehr Wert auf die Verteidigung und ein defensives Spiel auf dem gesamten Eis gelegt", erklärt der Hall of Fame-Center Steve Yzerman, der 1992/93 mit 137 Punkten viertbester Punktesammler war. "Und die Torhüter sind im Vergleich zu damals auch einfach viel stärker geworden. Die Ausrüstung, die Athletik, die Größe - sie sind in vielen Bereichen besser geworden."
Ein paar Zahlen im Detail: In der NHL-Saison 1992/93 erzielten 21 Spieler eine Punktausbeute von mindestens 100 Zählern. Zum Vergleich: In der Spielzeit 2021/22 waren dies gerade einmal acht. Die Pittsburgh Penguins stellten seinerzeit gleich vier von ihnen, darunter Mario Lemieux, dem alleine 160 Punkte gelangen. Hinter Lemieux landeten Pat Lafontaine (148) und Adam Oates (142) auf den Plätzen. Wayne Gretzky gehörte zum ersten Mal in seiner Karriere übrigens nicht in diesen elitären Kreis. In der Vorsaison reichten Connor McDavid von den Edmonton Oilers 123 Punkte zum Ligabestwert.

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"Diese Saison war vielleicht im Rückblick das Jahr, in dem es die meisten Schiedsrichterentscheidungen in Bezug auf Halten und Greifen gab, und ich denke, es gab daher auch etwas mehr Powerplays", versucht LaFontaine eine Erklärung. "In diesem Jahr waren wir im Powerplay sehr erfolgreich. Es war ein offensives Jahr, und man konnte viele Gegenspieler einfach nicht bremsen, denn wenn man es versuchte, wurde man im Regelfall direkt auf die Strafbank geschickt."
Eine Folge: Ein Rekord von 14 Spielern erzielte 1992/93 mindestens 50 Tore, darunter sieben, die diesen Meilenstein nie wieder erreichten, so wie Pierre Turgeon und Mark Recchi. Shanahan schaffte es mit 51 Toren nicht einmal in die Top 10. Zuletzt erreichten mit Auston Matthews (60), Leon Draisaitl (55), Chris Kreider (52) und Alex Ovechkin (50) lediglich vier Aktive diese Marke.
In der Saison 1992/93 wurden durchschnittlich 7,25 Tore pro Spiel markiert, ein Wert, der seither nicht mehr erreicht wurde. Ebenfalls historisch stark: Elf Teams hatten ein Powerplay, das eine Erfolgsquote von mindestens 20 Prozent vorzuweisen hatte.
Damals führten die Red Wings die 24 Teams der NHL mit 369 Saisontoren an, und die Hartford Whalers, ein Team, das nur 26 Spiele gewann, erzielten immerhin noch 284. Fünfzehn Mannschaften verbuchten in 84 Spielen 300 oder mehr Tore, während es in der vergangenen Saison in 82 Spielen lediglich fünf von 32 Klubs gelang. Ligaprimus waren zuletzt die Florida Panthers, die 340 Mal einnetzten.
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Statt von den immensen Offensivwerten von einst zu schwärmen, kann man die Entwicklung in den Jahren danach, als die Bestwerte fast durchweg wesentlich niedriger lagen, aber auch positiv sehen. "Das zeigt aus meiner Sicht, wie viel besser die Liga jetzt ist und sich weiterentwickelt hat", sagt zum Beispiel Oates, der seinerzeit bei den Boston Bruins aktiv und mit 142 Punkten Dritter in der Scorerwertung war. Dennoch sieht auch er das Außergewöhnliche an dieser legendären NHL-Saison. "Ich wollte 100 Assists, aber am Ende waren es nur 97. Es war ein ziemlich magisches Jahr." In 2021/22 war Jonathan Huberdeau von den Panthers mit 85 Assists der beste Vorlagengeber der Liga.
Durch eine Besonderheit konnte die Spielzeit 2005/06 einigermaßen mit den Zahlen der Saison 1992/93 mithalten. In der Saison 1992/93 wurden in 1.008 Spielen 7.311 Tore (7,25) erzielt, während es in der Saison 2005/06 7.443 Tore in 1.230 Spielen (6,05) waren. Der Effekt entstand durch die Tatsache, dass die NHL damals nach einem Lockout mit deutlich strengeren Regeln für die Behinderung von Spielern zurückkehrte, was zu durchschnittlich 480 Powerplay-Möglichkeiten pro Team führte, 37 mehr als in der Saison 1992/93. Weiterhin wurde nach den torarmen Spielzeiten davor, die Größe der Torhüterausrüstung um insgesamt elf Prozent reduziert. Das machte sich natürlich auch in den Statistiken der Liga entsprechend bemerkbar.