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Auch wenn wir derzeit bekanntlich noch immer ganz am Anfang der neuen Spielzeit in der NHL stehen, der Auftakt der Toronto Maple Leafs darf durchaus schon als gelungen bezeichnet werden.
Der zuletzt runderneuerte Kader, inzwischen gespickt mit schier unzähligen jungen Talenten, funktioniert offenbar in der aktuellen Mischung, in Kombination mit einigen erfahrenen, älteren Spielern sehr gut.

Am vergangenen Abend bezwangen sie, im Traditionsduell mit den Detroit Red Wings, den alten Rivalen aus der Autostadt mit 6:3 Toren, feierten damit den zweiten Sieg innerhalb von nur 24 Stunden, den dritten insgesamt in Folge, und setzten sich mit aktuell schon 12 Zählern für den Moment an die Spitze der gesamten Liga.
Selbst wenn bisher erst sieben Begegnungen von den Ahornblättern aus der inoffiziellen Eishockey-Hauptstadt absolviert wurden, die Statistik von 6-1-0 übertrifft tatsächlich alle Erwartungen, die an das Team rund um Nummer-eins-Pick Auston Matthews und Co. gestellt wurden. Das ausgerechnet in Toronto zu erreichen, wo die Erwartungshaltung traditionell gigantisch ist, muss schon als echte Kunst angesehen werden.
Die Tabellenspitze für ein Team, welches vor rund 18 Monaten noch ganz am Tabellenende der Liga zu finden war. Kaum zu glauben!
"Das ist natürlich wirklich toll zu sehen, aber es ist eben auch erst Oktober. Wir dürfen noch nicht zu sehr träumen", versuchte Nazem Kadri nach dem Spiel die Euphorie direkt wieder etwas zu bremsen. "Es kommen noch viele schwere Aufgaben auf uns zu. Wir sollten das noch nicht überinterpretieren."

Kadri_celebrates

Es läuft für die Leafs aktuell vor allem in der Offensive. So markierte das Team am Abend zu Beginn vier Treffer aus nur fünf Schüssen. Übrigens gelang dies so erstmals seit dem April 2013, damals gegen die Montreal Canadiens.
Doch sogar in der Defensive ist das Team zuletzt deutlich stabiler geworden. Detroit hatte beim jüngsten Vergleich deutlich mehr Torschüsse als Toronto zu verzeichnen. 11:4 lautete diesbezüglich die Bilanz im ersten Spieldrittel. Curtis McElhinney im Kasten hielt dem Druck der heranstürmenden Red Wings jedoch gut stand.
"Wir können damit so gar nicht zufrieden sein", monierte Verteidiger Morgan Rielly. "Sie kontrollierten den Beginn des Spiels klar. Schön für uns, wenn unsere Jungs aktuell das Tor gut treffen, das gibt einem einiges an Sicherheit und eine Reserve im Spiel. Aber in diesem Bereich haben wir noch viel Verbesserungspotenzial, keine Frage."
Zum bereits dritten Mal in den ersten sieben Saisonspielen schaffte es Toronto den Starttorhüter des jeweiligen Gegners vorzeitig von seiner Aufgabe zu entbinden. Jimmy Howard musste den Kasten der 'Wings' am Mittwoch ebenfalls vorzeitig verlassen, nachdem er von den ersten drei Torschüssen bereits zwei passieren lassen musste.
Im Mitteldrittel gab es weiterhin einiges zu kritisieren. Der Abschnitt ist schon die gesamte Saison hinweg der schwächste der Leafs. Am Mittwoch blieben sie hier fast zehn Minuten lang ohne eigenen Torschuss. Trotz der Offensivqualitäten im Kader.
"Wir haben da zwischenzeitlich komplett den Faden verloren", kritisierte auch Matthews. "Sie haben uns da ganz schön hinten rein gedrängt. Erst als wir wieder einfacher gespielt haben lief es wieder etwas besser."
Gerade in diesen Phasen profitierte das Team von seinen erfahrenen Kräften. McElhinney kam beispielsweise auf 30 Saves. In sechs der sieben Spiele musste der jeweilige Keeper der Leafs übrigens mindestens 30 Versuche des Gegners entschärfen. Das ist aktuell der sechstschwächste Wert der Liga. Das verdeutlicht, dass das Team derzeit von der erfolgreichen Offensive lebt.
"Die Tabellenführung fühlt sich gut an", strahlte auch der Goalie gegenüber den Medienvertretern im Nachgang. "Es ist noch früh im Jahr, aber wir schießen derzeit wirklich viele Tore. Im Laufe der Saison möchte ich uns aber auch noch in der Defensive stärker sehen. Wir sammeln da alle aktuell noch wertvolle Erfahrungen."
Mut macht den Anhängern der Traditions-Franchise auch, dass man inzwischen offenbar in der Lage ist, die sogenannten 'Back to back'-Spiele zu gewinnen. Im Vorjahr war das noch eine der Schwächen der Leafs.
Matthews zeigte sich am Mittwoch, nach einer punktlosen Nacht am Dienstag, ebenfalls erfreulich gut erholt und einmal mehr seine große Klasse. Er steht aktuell bei sechs Toren in sieben Spielen. Keine schlechte Ausbeute für den Jungstar.

Durch seinen zusätzlichen Assist verbuchte er schon vier Spiele mit mehr als einem Zähler. Seine Mitspieler in der Reihe Zach Hyman und William Nylander waren erneut unter den Torschützen.
Auf der anderen Seite überzeugen aktuell eben auch die Veteranen im Kader. So feierte beispielsweise mit Patrick Marleau zum erst 18. Mal in der Ligageschichte einer seinen 1.500. Einsatz in der Top-Liga des Eishockeys. Obwohl er nicht unter den Punktelieferanten an diesem Abend war, seine Erfahrung und Präsenz verhalf den jungen Wilden zu Ruhe und Ordnung.
Sein Trainer Mike Babcock zeigte sich jedenfalls nach dem Spiel auch und gerade mit der Reihe rund um den erfahrenen Marleau, zusammen mit Kadri und Leo Komarov, sehr zufrieden.
Die derzeitige Mischung passt bei den Leafs. Und das auch wenn noch immer viel Eishockey zu spielen ist, bis es dann wirklich ernst wird im kommenden Frühjahr.