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Die Penguins sind in der Defensive viel zu anfällig

Pittsburgh ist inzwischen das abwehrschwächste Team der Liga, hat in Tampa erneut zu viele Treffer kassiert

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

Nanu? Was ist denn derzeit bei den Pittsburgh Penguins los? Eigentlich sollte die Defensive eines Teams der Garant für den Erfolg einer Mannschaft im Titelkampf sein. Doch in der Abwehr des Stanley Cup-Siegers der Jahre 2016 und 2017 hapert es aktuell gewaltig. Am Samstag setzte es beim überraschend klaren 1:7 gegen die Tampa Bay Lightning einmal mehr zu viele Gegentreffer. Insgesamt 39 sind es aktuell schon. Kein anderes Team der NHL verbuchte bisher mehr.

Die 'Pens' kassierten im Westen Floridas zudem erneut einen ungewohnten 'Blowout', haben derzeit tatsächlich eine klar negative Tordifferenz. Wollen sie im Frühjahr jedoch ernsthaft einen weiteren Titelanlauf in Richtung Stanley Cup nehmen, dann sind in diesem Bereich bis dahin massive Verbesserungen erforderlich.

Bereits vor dem Spiel am Samstag hatte Trainer Mike Sullivan öffentlich sehr deutlich betont, dass es der schwerste Teil seiner Tätigkeit bei einem amtierenden Champion sei, die Truppe bereits im Oktober wieder vollkonzentriert und motiviert auf das Eis zu schicken.

Naturgemäß lässt die Spannung eines Sportlers nach einem großen Titel erst einmal ein paar Prozente nach, gibt sich ein Team leicht dem angenehmen Gefühl der Erleichterung und Selbstzufriedenheit hin. Und sei es eben auch nur geringfügig. Diese paar Prozentpunkte sind in einer so ausgeglichenen Liga wie der NHL jedoch häufig spielentscheidend. Diese Erkenntnis müssen die Penguins aktuell am eigenen Leibe erfahren.

Am gestrigen Abend waren es vor allem Nikita Kucherov mit zwei Treffern und auch Stürmer Steven Stamkos mit insgesamt vier Punkten, die die Gäste an diese Tatsachen erinnerten. Am Ende stand ein überraschend klares 7:1 für Tampa Bay, welche damit die kleine Siegesserie der Penguins von drei Spielen abrupt beendeten.

Video: PIT@TBL: Kucherov erzielt sein zweites Tor des Spiels

So stehen für die Titelverteidiger nach den ersten neun Auftritten zwar fünf Siege, aber eben auch schon vier Niederlagen, eine davon wurde zumindest noch mit einem Zähler für Sidney Crosby & Co. etwas versüßt.

"Wir sind derzeit zu fehleranfällig", monierte Sullivan nach der Begegnung. "Es sind gleich einige Bereiche, in denen wir uns wieder deutlich steigern müssen. Mit dem Spielplan und den vielen Back-to-Back-Spielen innerhalb von nur 24 Stunden hat das aus meiner Sicht aber nichts zu tun. Es liegt an der grundsätzlichen Einstellung und an der Bereitschaft."

Klingt schon sehr hart, wenn der Meistertrainer so ein Zwischenfazit zieht.

Und auch wenn der Coach es nicht ausdrücklich erwähnte, es dürfte ein Stück weit an der Tatsache liegen, dass die Penguins im Tor nicht zwei gleichwertige Torhüter zu haben scheinen, nachdem Marc-Andre Fleury im Sommer bekanntlich zu den Vegas Golden Knights abgegeben wurde.

Antti Niemi, als dessen Nachfolger in der Backup-Rolle des Teams, konnte einmal mehr die Kritiker nicht überzeugen. Am Samstag stoppte er lediglich 25 von 32 Torschüssen des Gegners. Seine persönliche Bilanz steht nun bei 0:3, seine Fangquote beträgt magere 79,7 %. Über sieben Gegentore kassierte dieser im Schnitt. Diese Zahlen alleine zeigen ein größeres Problem auf.

Es gilt allerdings zu berücksichtigen, dass alle drei Starts von Niemi die zweiten Spiele einer Back-to Back-Serie waren, alles waren Auswärtsspiele, alle drei gegen ambitionierte Teams der Liga. Die Chicago Blackhawks in der ersten Woche der Saison und die Tampa Bay Lightning, sogar gleich doppelt, wussten daraus jeweils maximalen Profit zu schlagen.

Video: PIT@CHI: Saad eröffnet Saison mit Hattrick

Die Torbilanz in diesen drei Auftritten liegt bei erstaunlichen 22:6 Treffern zu Gunsten der jeweiligen Gegner. In den anderen Spielen des bisherigen Saisonverlaufs beträgt das Torverhältnis aktuell hingegen 24:17 zu Gunsten der Penguins.

"Die Teams gegen die wir klar unterlegen waren haben uns quasi überrannt. Das geht so nicht. Wir müssen das schleunigst korrigieren", meint auch Crosby durchaus kritisch.

Selbst Disziplinfragen wurden zum Faktor für Pittsburgh. So war eine Zeitstrafe gegen den Teamkapitän in der ersten Spielminute sicherlich nicht gerade hilfreich, wenn sie gut in ein schweres Spiel starten wollen. Crosby wurde direkt für einen Cross-Check bestraft, was zwar für seinen Einsatzwillen und seine Entschlossenheit spricht, jedoch nicht gerade für Cleverness.

Da Crosby mit der Entscheidung zu seinen Ungunsten unzufrieden war und er sich deswegen mit dem Unparteiischen verbal über Gebühr anlegte, kassierte er noch eine 10-Minuten-Strafe zusätzlich. Der dadurch direkt zum Start begünstigte Gegentreffer von Kucherov leitete den ungünstigen Verlauf für die Gäste ein.
"So will man natürlich nicht in ein Spiel starten", gab auch Crosby hinterher zu. "Es ist schwer zu verdauen, wenn es so losgeht."

Wer schon nach dem ersten Drittel mit 0:3 im Hintertreffen liegt, der hat es naturgemäß schwer an einem Abend noch etwas mitzunehmen.

"Ich habe mich aber auch zu diesem Zeitpunkt noch gut gefühlt", beteuerte Niemi nach der Pleite. "Es waren einige wirklich gute Paraden dabei. So weit bin ich leistungstechnisch nicht weg, trotz allem."

Zumindest das Selbstvertrauen scheint beim Backup von Matt Murray noch vorhanden zu sein und auch sein Trainer hielt unverändert an seinem Schützling fest.
"Ich gebe hier keinem einzelnen Spieler die Schuld. Unser Einsatz war heute einfach nicht groß genug. Die Abwehr vor ihm muss sich mehr reinhängen. Wir gewinnen als Team, wir verlieren als Team."

Zumindest nach außen sind die Solidarität und das Selbstvertrauen beim Team aus Pittsburgh derzeit noch vorhanden. Trotz der zuletzt ungewohnt vielen Gegentore. Unbestritten ist jedoch auch, dass die Pinguine sich auf Sicht wieder deutlich straffen müssen, wenn sie möglichst rasch wieder die defensive Stabilität aufweisen möchten, welche ein Meisterschaftsteam fast zwangsläufig auszeichnen muss.

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