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Es gibt die 3-gegen-3 OT-Spezialisten

Vor der Saison 2015/16 wurde in der NHL die 3-gegen-3 Overtime eingeführt. Wer profitiert davon?

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

Am 24. Juni 2015 genehmigte das NHL Board of Governors die Einführung der 3-gegen-3 Overtime zur NHL-Saison 2015/16. Es sollten dadurch mehr Spiele bereits in der Verlängerung, als erst im Shootout entschieden werden. Bei 3-gegen-3 haben die Spieler, im Gegensatz zum zuvor praktizierten 4-gegen-4, mehr Platz auf dem Eis, was wiederum dazu führt, dass Puckverluste in der gegnerischen Hälfte häufiger Konsequenzen haben, sprich zu Gegentreffern führen, da die Trainer in der Verlängerung ihre talentiertesten und torgefährlichsten Akteure aufs Eis schicken.

Hat sich diese Maßnahme tatsächlich ausgezeichnet und welche Teams konnten von ihr besonders profitieren?

In der Spielzeit 2014/15, als noch das 4-gegen-4 Overtimeformat galt, fiel in 170 von 306 Partien, bei denen es nach der regulären Spielzeit Unentschieden stand, die Entscheidung im Penaltyschießen (55,55%). In der drauffolgenden Saison 2015/16 gingen 223 Partien in die Verlängerung, von diesen wurden 107 erst im Shootout entschieden (47,98%). Und wie sieht es in der laufenden Saison aus? Es gab bisher 530 Aufeinandertreffen, wovon 138 Spiele nach 60 Minuten noch Remis standen. Bei 83 davon stand bereits nach der 5-minütigen 3-gegen-3 Verlängerung der Sieger fest. Nur noch bei einem guten Drittel (39,85%) der unentschiedenen Spiele musste das Penaltyschießen herhalten. Interessanterweise ergibt sich hier eine Diskrepanz von gut 16 Prozentpunkten zwischen den Mannschaften aus der Eastern (37 von 79; 46,83%) gegenüber denen aus der Western Conference (18 von 59; 30,51%).

Verfügen also die Teams im Westen über die besseren 3-gegen-3 Overtime-Spieler?

Es schaut fast so aus. Von den sieben Akteuren, die in den vergangenen zwei Jahren saisonübergreifend die meisten Overtimetreffer erzielt haben, stehen nur zwei, Jakub Voracek und Shayne Gostisbehere von den Philadelphia Flyers mit jeweils vier Toren, im Kader eines Ostteams. Angeführt wird die Liste von Los Angeles Kings Center Jeff Carter und Chicago Blackhawks Kapitän Jonathan Toews, die jeweils fünf Entscheidungen in der Verlängerung herbeiführen konnten. Gefolgt von Carters Teamkollegen Anze Kopitar, Blackhawks Flügelstürmer Marian Hossa und St. Louis Blues Rechtsaußen Vladimir Tarasenko mit jeweils vier Gamewinnern in der Overtime. Betrachtet man die Zahlen dieser beiden Spielzeiten getrennt voneinander ergibt sich noch ein weiteres Bild. Toews hat in der laufenden Saison noch keinen Overtimetreffer erzielt und Hossa dafür drei. Auch Kings Kapitän Kopitar hatte 2016/17 noch kein persönliches Erfolgserlebnis in der Verlängerung, für ihn sprang Verteidiger Alec Martinez in die Bresche und traf zweimal.

Video: FLA@PHI: Voracek aus dem Handgelenk zum OT Sieg

Spielt eventuell auch das System des Trainers eine Rolle?

Bei den Kings (18), Blackhawks (15) und auch bei den St. Louis Blues, der Mannschaft mit den viertmeisten Overtime-Gamewinnern (12) in den vergangenen zwei Jahren im Westen, verstärkt sich dieser Eindruck. Beim Team von Ken Hitchcock ist Tarasenko der einzige von insgesamt neun Spielern, der mehrmals in der Verlängerung treffen konnte. Ein weiteres Beispiel sind die Calgary Flames, die unter Ex-Coach Bob Hartley in der vergangenen Saison zehn Overtimesiege einfahren konnten und nun unter Glen Gulutzan, der das Amt des Cheftrainers im Sommer übernommen hat, nur noch dreimal in der Verlängerung gewannen obwohl der Großteil ihrer OT-Siegtorschützen noch immer dem Kader angehören.

Wer sind saison- und modusübergreifend die Overtimespezialisten?

Unter den 25 besten Overtimespezialisten in der Geschichte der NHL sind noch zwölf aktiv. Florida Panthers Rechtsaußen Jaromir Jagr führt das All-time Ranking mit 19 Overtime-Treffern an, gefolgt von Washington Capitals Alex Ovechkin (18 OTG) und Patrik Elias (16 OTG). Zweitbester Verteidiger hinter Scott Niedermayer (13 OTG), der 2010 seine aktive Karriere beendete, ist San Jose Sharks Brent Burns (10 OTG). Er konnte auch schon in der laufenden Saison zweimal seinem Team einen Zusatzpunkt sichern.

Zähler, die man in der Overtime gewinnt, nimmt man gerne mit. Wie stark eine Mannschaft insgesamt ist, lässt sich daraus aber nicht ablesen. Mit den Montreal Canadiens, bisher ein Overtimesieg, und den Pittsburgh Penguins, zwei Overtimesiege, zählen die aktuellen Divisionsersten in der Eastern Conference in dieser Saisonstatistik hinten. Sie gewinnen ihre Spiele halt schon häufig in der regulären Spielzeit - ist auch nervenschonender!

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