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Alles kann, nichts muss zur Trade Deadline

NHL-Pulse: In diesem Jahr kämpfen ungewöhnlich viele Teams noch um einen Playoff-Platz

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

In der Rubrik "NHL Pulse" beleuchtet NHL.com/de an jedem Montag aktuelle Themen, Diskussionen und Entwicklungen der Saison 2018/19, die im Hintergrund des Spielgeschehens liegen.

Heute geht es um die nahende NHL Trade Deadline.

Die Tage unmittelbar vor der NHL Trade Deadline in der kommenden Woche am 25. Februar sind besonders aufregend. Alle 31 Mannschaften der Liga versuchen durch Spielerwechsel kurz vor dem Ende der laufenden Transferfrist ihren Kadern noch den letzten Feinschliff zu geben, bevor in Sachen Wechsel für diese Spielzeit nichts mehr geht.

In diesem Jahr scheint der Liga eine besonders pikante Phase ins Haus zu stehen. Sicher scheint bislang nur zu sein, dass nichts wirklich sicher ist.

Ob ein Team seinen Kader aufrüstet, um für den Kampf um den Stanley Cup bestens präpariert zu sein, oder aber frühzeitig die Segel streicht und die Planungen auf die kommende Saison ausrichtet, das ist gerade in der engen Western Conference derzeit nur sehr schwer zu prognostizieren. 

 

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Gerade einmal acht Punkte liegen zwischen den letztplatzierten Los Angeles Kings und den Minnesota Wild, die aktuell den zweiten Wildcard-Platz innehaben. Wer will da schon zu früh aufstecken und bei über 20 verbleibenden Hauptrundenspielen vorzeitig die weiße Fahne hissen? 

"Üblicher Weise kämpfen ein paar wenige Teams um die verbleibenden Endrundenplätze, doch in diesem Jahr sind es quasi alle", bestätigte Kings-Trainer Willie Desjardins kürzlich die durchaus noch immer vorhandenen Ambitionen seines Klubs. Und die Kings sind, wie erwähnt, Tabellenletzter im Westen. 

Einfach wird es für Los Angeles nicht sein, die in der Tabelle gerissene Lücke zu den Playoff-Plätzen wieder zu schließen, und insgeheim haben sie bereits angefangen, einzelne Kräfte an die Konkurrenz abzugeben. 

So wurde unter anderem Verteidiger Jake Muzzin im Vormonat an die Toronto Maple Leafgs transferiert, doch offiziell wollen sie in Los Angeles den Kampf nicht aufgeben. Warum auch, bei acht Zählern Rückstand? Zum Vergleich, in der Tabelle der Eastern Conference liegen zwischen dem zweiten Wildcard-Platz, der von den Montreal Canadiens gehalten wird, und dem Letzten, den Ottawa Senators, 20 Zähler.

Gerade im Westen herrscht eine große Verunsicherung, welche Spieler denn tatsächlich für einen Titelanwärter zu haben wären, was die Einigung auf den einen oder anderen Trade verkompliziert.

"Die Teams versuchen vielfach erst einmal vorsichtig vorzufühlen, was denn überhaupt gehen könnte", beklagte Washington Capitals General Manager Brian MacLellan vor wenigen Tagen die ungewöhnliche Situation im Jahre 2019.

"Einige Vereine versuchen aktuell noch potenzielle Unrestrichted Free Agents unter Vertrag zu bekommen. Erst wenn klar ist, ob ihnen das gelingt oder nicht, dann sieht man klarer in Bezug auf ihre Verfügbarkeit. Diese Gespräche haben einen großen Einfluss auf die Marktlage."

Die St. Louis Blues beispielsweise starteten dermaßen bescheiden in die Saison 2018/19, dass sie im November einen Trainerwechsel vorgenommen haben. Zu dieser Zeit gingen Gerüchte herum, dass ein massiver Kaderumbau in St. Louis angedacht wäre. Doch eine sportliche Trendwende mit einer Siegesserie von zehn Spielen in den letzten Wochen hat aus den Blues einen ernsthaften Playoff-Kandidaten gemacht, der womöglich sogar weitere Zugänge zur Trade Deadline anstreben könnte.

 

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Ähnlich stellt sich die Situation rund um die Chicago Blackhawks dar. Nach einem Start von 9-18-5 trennte sich Chicago von seinem langjährigen Erfolgstrainer Joel Quenneville. Nach vielen Siegen zuletzt hält das Team plötzlich Kurs auf die KO-Runde, hat seine so katastrophal begonnene Saison längst nicht abgehakt. Auch Chicago könnte in diesen Stunden nach potenziellen Verstärkungen Ausschau halten, statt den Kader einmal gründlicher durchzulüften.

Kompliziert stellt sich die Situation ebenfalls für die Edmonton Oilers von Leon Draisaitl dar. Ob die Oilers es in die Endrunde schaffen, ist aufgrund der jüngsten Formdelle zwar eher unwahrscheinlich, trotzdem ist das Team noch nicht so weit weg von den angestrebten Tabellenregionen, dass es den Kampf um die Playoffs für beendet erklären musste. 

Draisaitl gab sich in einem Gespräch mit NHL.com/de in der Vorwoche durchaus kämpferisch, betonte seinen unverminderten Glauben an ein glückliches Saisonende für seine Mannschaft. Am Wochenende tauschten die Oilers mit den Philadelphia Flyers zwei Torhüter. Cam Talbot, der im Sommer zum Unrestricted Free Agent werden könnte, zog an die Ostküste. Im Gegenzug kam Anthony Stolarz zu den Kanadiern in den Westen. 

Wie unsicher die Situation im Westen ist, das verdeutlichen zudem die Aussagen von Drew Doughty von den Kings. "Normalerweise war zum Beispiel Arizona in den Vorjahren häufig sehr früh abgeschlagen. Dieses Jahr ist alles anders. Eigentlich sind alle Mannschaften im Westen noch im Rennen", bestätigte der Verteidiger.

Die Liga läuft so ungewöhnlich, dass sogar die Colorado Avalanche, die kürzlich eine Niederlagenserie von acht Spielen verkraften mussten, unverändert gute Chancen auf eine Endrunden-Qualifikation haben. Sehr zur Freude von Nathan MacKinnon, der kürzlich über das Glück seines Teams in diesem Februar etwas überspitzt sagte: "Wir haben Glück, dass der Westen in diesem Jahr so schlecht ist..."

Doch auch die Teams in der Eastern Conference kämpfen mit der unsicheren Marktlage. Trotz seiner rund 30 Jahre Erfahrung mit NHL Trade Deadline bestätigte General Manager Lou Lamoriello von den New York Islanders die besondere Herausforderung in diesem Jahr: "Es sind dieses Mal ungewöhnlich komplizierte Tage und Wochen für alle Beteiligten. Man muss sehr vorsichtig sein. Es ist eine fragile Situation, geht immer um die Chemie in einer Mannschaft. Da will man nicht leichtfertig etwas aufs Spiel setzen. Zumal, wenn es grundsätzlich gut läuft, wie bei uns gerade." 

Lamoriello betonte, dass er nicht um jeden Preis etwas machen würde, schloss es aber auch nicht aus. "Ich fühle mich wohl mit dem Kader, den wir aktuell haben." 

So wie ihm wird es offiziell vielen General Managern in der Liga gehen. Die nächsten Tage werden auf jeden Fall spannend.

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