Dallas G6 Practice

In den Augen vieler war die Entscheidung im Stanley Cup Finale 2020 zu Ungunsten der Dallas Stars in Spiel 4 am Freitag schon so gut wie gefallen. Nach Verlängerung unterlagen die Texaner den Tampa Bay Lightning hier unglücklich mit 4:5, gerieten dadurch in der Best-of-7-Serie mit 1:3 bedrohlich in Rückstand.
Dementsprechend zerknirscht wirkten die Protagonisten nach der dritten Niederlage in Folge damals im Mediengespräch im Rogers Place von Edmonton. Trotz aller Enttäuschung kündigten sie jedoch unisono an, im kommenden Duell mit aller Entschlossenheit zurückschlagen zu wollen.

Und sie hielten Wort! In Spiel 5 am Samstag drehten sie den Spieß mit einem Kraftakt erfolgreich um, setzten sich ihrerseits durch ein Tor in der zweiten Extraschicht des Abends glücklich, aber nicht unverdient mit 3:2 gegen die Lightning durch und verkürzten den Serienrückstand damit auf 2:3.
Jamie Oleksiak resümierte: "Spiel 5 war natürlich ein großer Erfolg für uns. Das war ganz wichtig. So langsam kommen bei uns auch die Emotionen hoch. Wenn du mit dem Rücken zur Wand stehst und das Spiel dann so endet, dann gibt dir das natürlich noch einmal einen großen Schub." Angesprochen auf die Tatsache, dass erst zum zweiten Mal zwei Finalserienspiele innerhalb von 24 Stunden ausgetragen wurden, ergänzte er: "Die zwei Spiele innerhalb so kurzer Zeit waren eine ungewöhnliche Erfahrung. Aber in den Finalspielen darf das keine Ausrede sein. Da musst du immer alles geben, darfst nie nachlassen. Mir macht so etwas keine großen Sorgen."

DAL@TBL, Sp5: Perry trifft in 2OT mit zweitem Tor

Corey Perry war diesmal der Held des Abends, legte mit seinen zwei Treffern, darunter der späte Siegtreffer in der 90. Minute, den Grundstein für das dringend erforderliche Erfolgserlebnis der Texaner.
Ein Extralob für ihn gab es daher von Oleksiak: "Perry profitiert in solchen Spielen von seiner großen Erfahrung. Das hat man Gestern gesehen. Er ist einer dieser Spieler, gegen die man grundsätzlich nicht gerne spielt. Er bringt so viel Energie auf das Eis. Für uns ist er extrem wichtig. Man kann ihn gar nicht genug loben. Er ist immer so einsatzbereit und voller Ehrgeiz. Er ist ein Vorbild für die anderen Spieler im Team."
Nun also erhält die Mannschaft von Trainer Rick Bowness am Montag (8 p.m. ET; Di. 2 Uhr MESZ; NHL.tv, Sport 1+, DAZN, teleclub Sport) die Chance die Serie zum 3:3 auszugleichen und dann ein alles entscheidendes siebtes Spiel zwei Tage später zu erzwingen.
Logisch, dass Spieler und Trainer der Stars sich am Sonntagnachmittag (Ortszeit) in einer extra angesetzten virtuellen Pressekonferenz ausgesprochen zuversichtlich und sehr entschlossen präsentierten, nun als komplette Einheit wieder optimistisch sind, sich am Ende der diesjährigen Postseason ihren Traum vom Gewinn des Stanley Cups trotz aller Widrigkeiten des Serienverlaufs nach dem Auftaktsieg noch wahr werden zu lassen.

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Grund für den neuen Optimismus ist weniger eine glanzvolle spielerische Leistung des Western Conference Champions. Das war in dieser Saison ohnehin nicht die Stärke der Mannschaft aus Dallas. Die Texaner bestachen stets durch ihre große Disziplin, ihre Einsatzfreudigkeit und ihre konzentrierten Defensivleistungen. Alles Eigenschaften, die sie auch in Spiel 5 am Samstag wieder in die Waagschale einbrachten.
Ein Grund für die Energieleistung, lag nach Ansicht von Juston Dowling auch in der Tatsache begründet, dass das Training in diesen Tagen nicht immer nur im Mittelpunkt steht. "Wir trainieren aktuell ja gar nicht so viel. Die Spiele sind so eng beieinander, da versuchen die Gruppe zwischen den Spielen auch menschlich bestmöglich zusammenzuhalten, die Kameradschaft zu pflegen, spielen Karten, oder versuchen uns sonst wie zu beschäftigen. Das gelingt uns derzeit ganz gut, denke ich. Alle gehören zusammen und bilden einen verschworenen Haufen, egal ob sie häufig spielen, oder eher selten zum Einsatz kommen."
Spät im ersten Drittel sorgte Veteran Perry (18.) am Samstag für die Führung der Stars. Das Franchise ließ sich in der Folgezeit auch nicht von der Tatsache von seinem Weg abbringen, dass Tampa Bay die Begegnung bis zur 44. Minute auf 2:1 zu seinen Gunsten drehen konnte.

DAL@TBL, Sp5: Pavelski gleicht mit Rekord aus

Die einmal mehr sehr unbequem zu bespielenden Schützlinge von Bowness sicherten sich durch den dreizehnten Postseason-Treffer von Joe Pavelski (54.) zunächst einmal die Overtime. In den Minuten darauf warfen sie sich dann gekonnt und mit dem notwendigen Glück im Bunde in alle Torschüsse der stets torgefährlichen Lightning, um dann in der zweiten Verlängerung selber zuzuschlagen. Die Entscheidung in der Partie fiel durch das zweite Tor des Tages von Perry, der damit den zweiten Sieg seiner Farben im Finale sicherstellte.
Eine, in Anbetracht der Tatsache, dass Tampa Bay deutlich mehr Spielanteile hatte, glückliche Fügung, die diesmal auf Seiten des Klubs aus Dallas einen großen Schub von Glücksgefühlen auslöste und frische Energien und neue Zuversicht für die kommenden Tage zur Folge hatte.
Im Mediengespräch vom Sonntag klangen die Aussagen der Beteiligten dementsprechend nicht mehr so sehr nach Zweckoptimismus, wie es noch nach der unglücklichen Niederlage in Spiel 4 der Fall war.
"Wir haben die Jungs heute in Ruhe gelassen. Nach den beiden Spielen werden wir nicht groß etwas ändern. Es gibt ein paar Besprechungen, aber mehr auch nicht. Denn es gilt sich dann ja schon wieder auf die kommende Aufgabe vorzubereiten", erklärte Coach Bowness den Tagesablauf.
Auf die Stimmung in der 'Blase' in Edmonton angesprochen ergänzte der Trainer: "Die Kameradschaft im Team ist toll, darüber wurde ja schon gesprochen. Aber auch im Trainerteam verstehen wir uns alle toll. Wir halten zusammen und stehen uns menschlich nahe. Jeder hat eine Meinung, aber am Ende ziehen wir alle an einem Strang. Es ist eine Gruppe, mit der man gerne zusammen ist, auch wenn wir jetzt schon etliche Wochen jeden Tag miteinander verbringen."
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"Die Stimmung in der Umkleide war nach dem Sieg natürlich toll. Wir sind aber auch schon die gesamte Saison über aus komplizierten Situationen immer wieder erfolgreich zurückgekommen. Das wirft uns daher alles nicht um. Es geht für uns nicht darum nicht zu verlieren, es geht darum ein Spiel zu gewinnen. Diese Einstellung gibt uns die beste Chance auf einen Sieg. Wir denken an unsere Chancen, nicht die Risiken", sagte Bowness.
Der Trainer ergänzte im Hinblick auf das nächste Duell vielsagend: "Unser Kader ist insgesamt sehr ausgeglichen. Nur so kommst du überhaupt in ein Stanley Cup Finale. Wenn der eine unserer Spieler einmal nicht trifft, dann macht eben ein anderer ein Tor. Ich mache mir da grundsätzlich keine Sorgen. Wer weiß schon, wer Morgen für uns trifft…"
Diese Stars glauben also an sich und werden alles in die Waagschale werfen, um die von einigen Fans und Journalisten womöglich schon verlorengeglaubte Serie komplett zu drehen um am Ende, nach einem angestrebten Spiel 7 am Mittwoch, mit dem riesigen, silbernen Pokal auf ein paar Ehrenrunden im Rogers Place gehen zu können. Der große Traum der Stars, er lebt!