Marco Kasper

Auch wenn der einzige Test vor der IIHF Juniorenweltmeisterschaft in Kanada für die Vertretung Österreichs am Donnerstag gegen Schweden glatt mit 0:7 verlorenging, änderte sich grundsätzlich nichts an der erwartungsfrohen Stimmung im Lager des Außenseiters. Nachdem die Auswahl Österreichs in der Turnierauflage des Vorjahres am Ende alle vier Begegnungen verloren hatte, entging sie trotzdem dem Abstieg höchsten Spielklasse, da seinerzeit aufgrund der Corona-Situation kein Team ermittelt wurde, dass der Auswahl der weltstärksten Junioren-Mannschaften zukünftig verlustig gehen würde. Somit können die Österreicher in diesem Jahr bei der Neuauflage sportlich eigentlich nur positiv überraschen.

Besonders im Blickpunkt steht im Kader der Vertretung der Alpenrepublik in diesem Jahr der im April 2004 geborene Marco Kasper. Er ist einer von insgesamt elf Spielern, der auch bei der vorherigen Auflage der World Juniors schon für die Vertretung seines Heimatlandes aktiv war. "Wir haben zwar 0:7 verloren, aber es waren auch gute Sachen dabei. Wir können natürlich noch viele Dinge am Eis besser machen, mehr Zweikämpfe gewinnen, genauere Pässe spielen", wurde Kasper nach der Testspielpleite gegen Schweden zitiert.
Für Kasper soll die Station bei den Juniorenweltmeisterschaften 2022 in Edmonton und Red Deer, unabhängig vom sportlichen Ausgang, nur ein Zwischenschritt auf dem Weg in eine NHL-Karriere sein, gilt der junge Stürmer doch als einer der hoffnungsvollen Kandidaten für eine Auswahl in der ersten Runde des kommenden NHL Draft 2022 Angang Juli in Montreal.
Aktuell ist Kasper in Schweden für Rögle BK aktiv, hat dort inzwischen nicht nur erste Erfahrungen in der ersten Eishockeyliga des Landes, sondern auch in Einsätzen im Rahmen der Champions Hockey League (CHL) gesammelt. "Es war wirklich cool, in der CHL zu spielen und sich mit den besten Teams in ganz Europa zu messen", sagte Kasper kürzlich in einem Interview, welches auf der Homepage der IIHF erschienen ist.

Marco Kasper

Kasper stammt ursprünglich aus Klagenfurt im Bundesland Kärnten im Süden Österreichs und ist der Sohn von Peter Kasper, einem ehemaligen Eishockey-Profi, der die meiste Zeit seiner Karriere in Österreich verbrachte, aber auch die Saison 1999/2000 bei den Florida Everblades in der ECHL spielte. Vater Peter vertrat sein Heimatland Österreich bei fünf IIHF-Weltmeisterschaften und bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City.
Logisch, dass Marco ihn bis heute auch als eines seiner großen sportlichen Vorbilder betrachtet, und viele lobende Worte für seinen Vater übrig hat. "Er kennt sich aus und hat mir mein ganzes Leben lang im Eishockey sehr geholfen, und er hilft mir immer noch. Ich versuche immer, auf ihn zu hören, wenn er mir sagt, was ich besser machen kann, sei es beim Schlittschuhlaufen oder was auch immer."
Dass sich der sportliche Werdegang des Juniors in diesen Tagen so richtig beschleunigt hat, und es hoffentlich auch in den kommenden Tagen bei den World Juniors in Kanada noch weiter tun wird, hat Marco mit seinem Umfeld ganz bewusst so geplant.
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"Ich war schon in mehreren Camps in Schweden, und es hat mir dort sehr gut gefallen, weil man seine Fähigkeiten, das Skaten und alles andere wirklich weiterentwickeln kann", erklärt Kasper seinen zunächst ungewöhnlich anmutenden Schritt vor einer Karriere in Nordamerika den Schritt nach Skandinavien zu gehen. "Ich denke, diese Organisation leistet gute Arbeit bei der Entwicklung von Spielern und es ist ein gutes Team, also denke ich, dass es eine gute Entscheidung war, hierher zu kommen."
Gestützt wird der Gedanke seiner Karriereplanung dazu von der Tatsache, dass zuletzt schon mehrere NHL-Spieler den Weg über das schwedische Rögle nahmen. So gehören unter anderem Verteidiger Timothy Liljegren von den Toronto Maple Leafs und auch der Deutsche Moritz Seider von den Detroit Red Wings inzwischen zu den etablierten Kräften ihrer Teams in der besten Eishockeyliga der Welt.
Der 185 cm große und 83 kg schwere Kasper erklärte, dass er bei seinem aktuellen Verein in diesem Jahr endgültig den Sprung ins Profilager geschafft hat, habe mit der vielen harten Arbeit zu tun, die er in den vergangenen Monaten in seinen Lieblingssport investiert habe: "Ich habe einfach versucht, im Sommer wirklich hart zu arbeiten, um stärker und vor allem schneller zu werden. Jetzt, wo ich die Chance bekommen habe regelmäßig in der ersten Mannschaft zu spielen, denke ich, dass ich einen guten Job mache, und es ist immer toll, die Möglichkeit zu bekommen, auf Top-Niveau zu spielen."

Dass er auch menschlich schon sehr reif und weit in seiner Entwicklung zu sein scheint, unterstreicht die Tatsache, dass der 17-Jährige in Angelholm nicht nur Eishockey spielt, sondern auch am regulären Schulbetrieb teilnimmt, sich dazu überraschend schnell und gut die schwedische Sprache angeeignet hat. Doch leicht fällt ihm das Alles nicht, wie er betont. "Es ist schwierig, weil wir normalerweise vormittags trainieren und ich deshalb den Unterricht verpassen muss, aber ich versuche einfach, wann immer ich Zeit habe, dorthin zu gehen und auch dort gute Arbeit zu leisten. Die Jungs im Team haben mir geholfen, ziemlich schnell Schwedisch zu lernen, indem sie außerhalb des Eises mit mir gesprochen und mir auf dem Eis Dinge gezeigt haben."
Die nahe Zukunft Kaspers liegt erst einmal in Kanada, wo Kasper in den kommenden Tagen mit der U20-Nationalmannschaft seines Heimatlandes für Aufsehen sorgen will, auch wenn es schwer werden dürfte, sich gegen die Favoriten zu behaupten. "Ich hoffe immer, dass wir besser abschneiden werden, und ich glaube, dass wir das auch können", sagte er gegenüber den Kollegen der IIHF. "Letztes Jahr war es schwierig für uns, weil einige Spieler vor dem Turnier krank wurden, aber ich denke, dass wir es dieses Jahr besser machen können und ich glaube, dass wir als Team dazu in der Lage sind."
Den Abstieg zu vermeiden wird die Herausforderung werden, denen sich die Österreicher in der Gruppe A mit Kanada, Finnland, der Tschechischen Republik und Deutschland stellen müssen. In der Rolle des Außenseiters scheint sich Kasper aber recht wohl zu fühlen, wie seine Aussagen vor dem Abflug nach Kanada vermuten ließen: "Es ist eigentlich egal, gegen wen wir spielen. Wir müssen einfach in jedem Spiel unser Bestes geben. Wir wissen, dass es sehr schwer sein wird, gegen diese Teams zu bestehen, aber wenn wir jedes Spiel hart arbeiten, wer weiß, was für uns möglich ist?"
Erst danach will Kasper seine Konzentration auf kommenden sportlichen Herausforderungen richten. Zunächst einmal gilt des für ihn dann die zweite Saisonhälfte in der SHL möglichst erfolgreich zu gestalten, bevor sich seine volle Aufmerksamkeit im Frühsommer 2022 in Richtung des NHL Drafts in Montreal richten wird. Und wer weiß, vielleicht sehen wir Kasper dann schon in Kürze regelmäßig auf der ganz großen Eishockeybühne, bei einem der 32 NHL-Klubs?