PHI 3, MTL 2

Die Montreal Canadiens haben durch eine 2:3-Niederlage bei den Philadelphia Flyers am Dienstagabend im Wells Fargo Center die Stanley Cup Playoffs 2023 offiziell verpasst. Für Montreal ist es bereits das zweite Mal in Folge und das vierte Mal in den letzten sechs Jahren, dass die Endrunde nicht erreicht werden konnte. 2022/23 lagen die Gründe für das Scheitern in vielen Verletzungen, schwachen Special Teams und eine schlechte Balance aus Offensive und Defensive.

Schwache Special Teams und eine folgenschwere Schwächephase im Winter
Der Umbruch bei den Canadiens geht weiter: 2021 stand Montreal noch im Stanley Cup Finale (1:4 gegen die Tampa Bay Lightning), in der Folgesaison 2021/22 stürzten die Canadiens auf den letzten Platz in der NHL ab. Auch 2022/23 wird Montreal kein Playoff-Hockey spielen: Sieben Spiele vor dem Ende der regulären Saison wurde das Team aus Quebec auch rechnerisch eliminiert.
"Wir wissen, wo wir in der Tabelle stehen. Es ist schwer zu ertragen, dass die Playoffs ohne uns stattfinden werden", sagte Stürmer Jonathan Drouin. "Aber die Jungs arbeiten trotzdem hart und haben eine positive Einstellung. Die erfahrenen Spieler stellen sicher, dass wir kein Spiel oder gar ein Drittel verschwenden."
Die Leistung der Canadiens war über die gesamte Saison gesehen nicht immer schlecht: Der Start im Oktober und November war solide (11-10-1), dann aber folgte ein Einbruch im Dezember und Januar (9-17-3). Im Februar keimte noch einmal Hoffnung auf (6-3-0), doch ging Montreal im März schlussendlich die Luft aus (4-9-2).

BOS 4, MTL 2

Über die gesamte Saison waren die Special Teams ein großer Knackpunkt: Sowohl beim Powerplay (17,1 Prozent Erfolgsquote, Rang 28) als auch beim Penalty Killing (73,4 Prozent Erfolgsquote, Rang 29) zählten die Canadiens jeweils zu den fünf schlechtesten Teams in der NHL.
Viel Verletzungspech und fehlende Balance zwischen Offensive und Defensive
Auch stimmte die Balance zwischen Torgefahr in der Offensive und Stabilität in der Defensive nicht. Das spiegelt sich sowohl bei den Toren als auch bei den Torschüssen wider: 2,83 Tore/Spiel sowie 3,65 Gegentore/Spiel bedeuten jeweils Platz 26; 27,6 eigene Torschüsse/Spiel (30.) und 33,7 gegnerische Torschüsse/Spiel (28.) weisen Montreal erneut unter den schlechtesten fünf Mannschaften aus. Hinzu kam, dass die Canadiens 43-mal zuerst in Rückstand gerieten (28.) und somit oft hinterherlaufen mussten. Insgesamt 101 Gegentore im dritten Drittel (29.) torpedierten zudem die Chancen auf eine erfolgreiche Aufholjagd kurz vor Schluss. Auch körperlich muss Montreal noch zulegen, denn es blieb bei unter 20 Checks pro 60 Minuten (19,6; Rang 28).
Mangelnde Produktivität lässt sich auch beim Blick auf die einzelnen Spieler ablesen: Nick Suzuki (23-38-61) knackte als einziger Akteur die Marke von 40 Scorerpunkten. Hinter dem Kapitän klafft eine gähnende Scoring-Lücke: Es folgen Kirby Dach (14-24-38) und Cole Caufield (26-10-36) auf den Plätzen zwei und drei.

MTL@NJD: Suzuki zieht ab und trifft

Dazu ist allerdings auch zu sagen, dass Suzuki der einzige (!) Spieler war, der alle 75 Hauptrundenpartien absolvieren konnte. Die Canadiens waren nämlich vom Verletzungspech geplagt. Die als Stützpfeiler eingeplanten Stürmer Brendan Gallagher (30 Spiele) und Sean Monahan (25 Einsätze) kamen in weniger als der Hälfte der Partien zum Einsatz. Auch die jungen Hoffnungsträger wie der explosive Caufield (46 Spiele) oder First-Overall-Pick Juraj Slafkovsky (39) wurden von Verletzungen zurückgeworfen.
Schwaches Goaltending machte eine gebrauchte Saison komplett: Weder Jake Allen (15-24-3, 89,1 Prozent Fangquote, 3,55 Gegentore/Spiel) noch Sam Montembeault (15-14-3, 90,5 Prozent Fangquote, 3,28 Gegentore/Spiel) konnten Montreal Sicherheit geben und hielten jeweils nur 15 Siege fest.

Jake Allen

Ein breites Spektrum an jungen Talenten
Hoffnung macht den Canadiens ein breiter Stamm an talentierten U-23-Spielern: Hinter Kapitän Suzuki (23) reihen sich hier Torwart Cayden Primeau (23), Verteidiger Jordan Harris (22), Arber Xhekaj (22), Justin Barron (21), Kaiden Guhle (21) und Mattias Norlinder (21) sowie die Stürmer Jesse Ylonen (23), Caufield (22), Dach (22), der jüngste Debütant Sean Farrell (21), Owen Beck (19) und Slafkovsky (18) ein, die in dieser Saison allesamt schon NHL-Luft schnupperten.

Xhekaj - MTL buzz

Darüber hinaus verfügt Montreal noch über weitere Talente in der Organisation. Darunter befinden sich Filip Mesar, Lane Hutson, Logan Mailloux, Riley Kidney, Oliver Kapanen, Luke Tuch, Jan Mysak, Adam Engstrom oder der Österreicher Vinzenz Roherer (54 OHL-Spiele, 19-30-49), die allesamt früh gedraftet wurden (unter den ersten 92 Picks ihres Drafts).
Farrell gab erst jetzt gegen die Flyers sein NHL-Debüt. "Ich habe mich sehr darüber gefreut", so der US-Amerikaner. "Für mich ist mit dem ersten Spiel in der NHL ein Traum wahr geworden. Es war eine überragende Erfahrung heute mit diesen Jungs zusammen zu sein und mich mit ihnen umziehen zu dürfen."
Auch zwischen den Pfosten wurde experimentiert. So erhielt in Philadelphia Torwart-Nachwuchs-Hoffnung Primeau seinen ersten Start seit dem 22. Februar 2022. "Die Ergebnisse haben einfach nicht gestimmt", räumte Primeau ein. Aber er sah auch positive Ansätze: "Wir haben alle gekämpft und jeder hat sich gezeigt."