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Am Dienstag waren seine Künste bei der IIHF Juniorenweltmeisterschaft 2022 in Kanada unerwartet nicht gefragt. Da im Kader des Gegners kurzfristig zwei Covid-Fälle zu verzeichnen waren, durfte sich Dario Allenspach gemeinsam mit seinen Teamkameraden einen seltenen freien Abend machen. Die Begegnung der Eidgenossen gegen die Vertretung der USA ging am grünen Tisch mit 1:0 an die Schweizer, die damit nach der 2:4-Auftaktniederlage zum Turnierauftakt gegen Russland einen Tag zuvor die ersten drei Zähler in der Tabelle gutgeschrieben bekamen. Die ersten Tage in Edmonton und Red Deer verliefen für die Schweiz also nicht so, wie sich das ein junger und ehrgeiziger Sportler, wie Allenspach einer ist, erträumt.

Dennoch kann der talentierte Herisauer in 2021 insgesamt auf eine für ihn persönlich sehr erfreuliche Zeit zurückblicken. Die Entwicklung seiner vielversprechenden Eishockey-Karriere verlief zuletzt nur in eine Richtung, und die heißt steil nach oben. Der 19-jährige Stürmer hat kürzlich beim EV Zug seinen ersten Profivertrag unterschrieben. Dieser tritt ab dem kommenden Sommer offiziell in Kraft und lässt ihn von einer großen Karriere träumen. In der Spielzeit 2021/22 stehen in Zug 30 Einsätze und vier Zähler (3 Tore, 1 Assist) zu Buche.

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Es passt nur allzu gut ins Bild, dass Allenspach, nachdem er bereits im Vorjahr bei der U20-WM mit dabei war, auch diesmal wieder den Sprung in den endgültigen Kader geschafft hat. Mitte Dezember flog er gemeinsam mit den Teamkameraden nach Kanada, um dort die Fahne seines Heimatlandes hochzuhalten und möglichst den maximalen sportlichen Erfolg zu erringen.
Dass dieses Unterfangen in der aktuellen Auflage des Turniers unter besonderen Bedingungen erfolgen würde, war allen Beteiligten schon im Vorfeld klar. Zwei Tage Quarantäne nach Ankunft in Nordamerika, tägliches Training unter Covid-Bedingungen und ein Alltag in relativer Abgeschiedenheit von der Öffentlichkeit waren zu erwarten.
Dass dann auch noch das Gepäck verspätet in Kanada eintreffen würde, erschwerte die Tage vor dem Turnierstart noch einmal zusätzlich. Dennoch ließen sich die Spieler die gute Laune von den Erschwernissen nicht verhindern. "Wir schauen häufig Basketballspiele der NBA oder American Football im Fernsehen", betonte Allenspach im Gespräch mit der heimischen Tageszeitung Tagblatt im Vorfeld des Turniers, das Bestmögliche aus den Bedingungen machen zu wollen und möglichst viel Spaß zu haben.
Sobald der Eishockeyalltag jedoch Fahrt aufnimmt, wird es in diesen ungewöhnlichen Zeiten weniger gemütlich für alle Beteiligten. Coronatests stehen natürlich tagtäglich auf dem Programm, die obligatorischen Schutzmasken sind immer zu tragen, außer beim Essen und auf dem Eis. "Wir tragen immer ein Armband, das unseren Aufenthalt aufzeichnet. Falls jemand positiv getestet wird, kann geschaut werden, wer mit wem zuletzt nahen Kontakt hatte", schildert Allenspach. So soll größtmögliche Sicherheit für die Aktiven und natürlich letztendlich auch ein möglichst sportlich fairer Ablauf der Junioren-WM ermöglicht werden.

Die Erwartungen an Allenspach sind teamintern hoch. Schließlich ist er es, der gemeinsam mit dem Davoser Simon Knak von allen Schweizern in der Saison 2021/22 am häufigsten in der National League zum Einsatz gekommen ist. Von seiner Erfahrung sollen die jüngeren und unerfahreneren Teamkameraden letztendlich profitieren. Dabei ist seine Rolle innerhalb des Kaders grundsätzlich ähnlich der vom Vorjahr. "Der Trainer und ich erwarten, dass ich als offensiver Stürmer einigen Einfluss auf unser Spiel nehme", weiß die Offensivkraft zu berichten. Zudem dürfte sein Können auch im Überzahlspiel mehr und mehr gefragt sein.
Die aufgrund der Pandemiebedingungen kurz vor Turnierstart noch einmal verkürzte und für die Schweiz zudem extrem unglücklich verlaufene Vorbereitungszeit soll dabei im Rückblick kein Nachteil sein, auch wenn sich der Kader der Schweiz aufgrund eines positiven Covid-Testresultats für einige Tage in Quarantäne befand und das einzige WM-Vorbereitungsspiel gegen Tschechien deshalb abgesagt werden musste. Erst am ersten Weihnachtstag konnte die Mannschaft die Quarantäne beenden und das Training wieder aufnehmen. Dass es ausgerechnet Leistungsträger Knak war, der positiv getestet wurde und für das Turnier kurzfristig ausfiel, erhöhte die Verantwortung von Allenspach noch.
Etwas Rost im Getriebe war zum Turnierstart deshalb durchaus zu erwarten. Schließlich hatte Allenspach sein bis dahin letztes Spiel mit dem EV Zug am 11. Dezember absolviert. Als Ausrede für die Niederlage zum Start gegen die Vertretung Russlands konnte dies aber aus seiner Sicht nicht herhalten. "Wir haben hier intensiv trainiert und auch mehrere interne Trainingsspiele hinter uns gebracht. Wir sollten also in guter Verfassung antreten können", befand der junge Stürmer vor der Begegnung am Montag.

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Nach den zwei Punkten aus dem nicht ausgetragenen Spiel gegen die USA einen Tag später stehen die sportlichen Chancen für die Schweiz in den restlichen Gruppenspielen gegen die Slowakei und Schweden gut, das Ziel Viertelfinale auch erreichen zu können.
Ob Allenspach dabei seine Ausbeute aus dem Vorjahr, in dem er im Turnierverlauf in vier Spielen (allesamt Niederlagen) insgesamt drei Assists verbuchen konnte, bleibt abzuwarten. Durch eine Vorlage beim Treffer zum 2:4 gegen die Russen steht er aktuell bei einem Scorerpunkt.
Zu viel Scheu vor den ausgerufenen Zielen und den kommenden Gegner hat der selbstbewusste Junge in keinem Fall. "Wir wollen vor keinem Gegner zu viel Respekt haben", gab er sich kämpferisch. Bleibt zu hoffen, dass Corona den weiteren Auftritten der Schweizer Auswahl in Edmonton und Red Deer keinen Strich durch die Rechnung macht, so dass Allenspach persönlich, aber auch mit der gesamten Mannschaft, die im Vorfeld gesteckten Erwartungen am Ende wird erfüllen können.