Liegen sie erst einmal in Führung, sind sie nur noch schwer zu stoppen. Diese Beobachtung in Bezug auf die Dallas Stars bewahrheitete sich einmal mehr am Montag im American Airlines Center. Am Ende setzten sich die Texaner vor ihren Fans in Spiel 7 der zweiten Runde der Stanley Cup Playoffs 2023 gegen die Seattle Kraken knapp mit 2:1 durch.

"Das war unser bisher bestes Spiel in den Playoffs", freute sich Dallas-Trainer Peter DeBoer hinterher. "Ich wusste, dass sich unsere Mannschaft von der Niederlage am Samstag erholen würde. Das haben die Jungs das ganze Jahr über getan, sowohl individuell als auch im Kollektiv, und sie haben uns heute nicht enttäuscht."

Durch diesen hart erkämpften Erfolg entschieden die Stars die Best-of-7-Serie gegen Seattle mit 4:3 für sich und zogen erstmals seit der Spielzeit 2019/20 wieder in die Runde der letzten Vier ein. Dort trifft das Team von Trainer Peter de Boer im Western Conference Finale auf die Vegas Golden Knights, die sich ihrerseits in der zweiten Playoff-Runde gegen die Edmonton Oilers von Leon Draisaitl mit 4:2 durchgesetzt hatten.

Dallas, das mit der beeindruckenden Serie von 7-0 in Spielen angetreten war, wenn das Team die vorhergehende Partie verloren hatte, bestätigte nicht nur in dieser Beziehung seinen beeindruckenden Lauf, sondern untermauerte zugleich seine starke Statistik (93,9 Prozent Siegquote)beim erfolgreichen Verwalten von Führungen nach 40 Minuten (31-0-2). Nur die Boston Bruins hatten hier in der Statistik mit 94 Prozent einen etwas höheren Wert in der regulären Saison. In Spiel 7 gegen die Kraken stand es lange torlos, bevor die Stars in den finalen 20 Minuten einen knappen 1:0-Vorsprung zu verteidigen hatten. Dieses Kunststück gelang ihnen, wodurch die Kraken mit ihrem deutschen Torhüter Philipp Grubauer am Ende das Nachsehen hatten.

Beeindruckend ist auch die Zwischenbilanz von Trainer DeBoer, der es, nachdem die Stars die Postseason 2020/21 verpasst hatten und im Vorjahr nach der ersten Playoff-Runde die Segel streichen mussten, offenkundig verstanden hat aus dem Team aus Dallas wieder einen ersthaften Titelanwärter in der NHL zu machen. DeBoer ist durch das Weiterkommen der erste Coach in der Ligageschichte, dem es gelang in seinem ersten Jahr als Hauptverantwortlicher hinter der Bande mit vier unterschiedlichen Organisationen (New Jersey Devils 2012, San Jose Sharks 2016, Golden Knights 2020 und jetzt mit den Stars) auf Anhieb in ein Conference Finale einzuziehen. Dreimal gelang dieses Kunststück Mike Keenan (PHI, CHI & CGY), Pat Burns (MTL, TOR & NJD) und Scotty Bowman (STL, BUF & PIT).

SEA@DAL, Sp7: Hintz erobert die Scheibe und trifft

Zudem gelang es dem Stars-Trainer alle seine sieben Spiel7-Einsätze als NHL-Coach siegreich zu beenden. Kein Trainer der Liga hat in dieser Situation eine vergleichbar gute Statistik. Viele gute Gründe also, um spätestens ab diesem Zeitpunkt der Spielzeit an einen weiterhin positiven Saisonverlauf für die Stars zu glauben.

Am Montag war die Anspannung vor dem großen Showdown gegen Seattle auf beiden Seiten riesig. Das merkte man den Kontrahenten, trotz aller im Vorfeld geäußerten Zuversichtsbekundungen, zu Beginn auf dem Eis auch deutlich an. Beide Abwehrformationen gingen entschlossen, aber voll konzentriert zur Sache. Am Ende des Abends kassierten beide Mannschaften lediglich eine einzige Zeitstrafe, was bemerkenswert für eine Begegnung mit solch hoher Bedeutung für beide Teams ist. Kapital schlagen konnten die Spieler beider Formationen aus den sich daraus ergebenden Überzahlmöglichkeiten nicht.

So dauerte es bis zur 36. Minute, ehe die Fans in der Halle erstmals erleichtert in Jubel ausbrechen konnten, als Roope Hintz den Tor-Bann erfolgreich durchbrach und Grubauer zu ersten Mal überwinden konnte. Auch danach blieb das Spiel eng, musste bis zur Schlusssekunde gezittert werden, bevor die Hausherren sich ihres herbeigesehnten Erfolges sicher sein konnten.

Neben Hintz traf Wyatt Johnston für die Stars. Goalie Jake Oettinger, der bei der 3:6-Niederlage in Spiel 6 am Samstag im zweiten Drittel vorzeitig vom Eis genommen worden war, zeigte die erhoffte Reaktion und überzeugte mit 22 Paraden. Auch er hat in eine beeindruckende Serie von Comebacks vorzuweisen: Nach einer Niederlage in den Stanley Cup Playoffs steht für ihn eine Erfolgsbilanz von 5-0-0 in den Statistikbüchern der Liga. Nervenstärke, die er diesmal erneut wieder unter Beweis stellte.

SEA@DAL, Sp7: Johnston trifft per Rückhand

"Ich glaube nicht, dass ich meine beste Serie in meiner Karriere hatte, aber es zeigt, wie gut wir als Team sind", gab Oettinger zu Protokoll. "Das ist Playoff-Eishockey. Es ist ein Auf und Ab. Du denkst, du bist raus, und dann stehst du im Conference-Finale." Und mit Blick auf die kommenden Herausforderungen ergänzte er: "Wenn wir so spielen, wie wir spielen wollen, und wenn wir die kleinen Dinge richtig machen, dann glaube ich, dass wir jeden schlagen können."

Der Spielverlauf der 60 Minuten ist schnell zusammengefasst: Hintz brachte die Stars nach 15:59 Minuten des zweiten Drittels mit 1:0 in Führung. Er klaute in dieser Szene dem Kraken-Verteidiger Jamie Oleksiak an der blauen Linie den Puck, lief schnell nach innen und ließ Grubauer keine Abwehrmöglichkeit. "Ich denke, das war heute unser bestes Spiel in dieser Serie", sagte Hintz nach der Schlusssirene. "Jeder war heute voll mit dabei. Wir haben überall auf dem Eis hart gearbeitet und haben versucht, einfach zu spielen."

Johnston erhöhte in der 53. Minute auf 2:0 für Dallas. Er setzte sich hinter der Abwehr im Zweikampf erfolgreich durch und verfolgte energisch einen Klärungsversuch von Evgenii Dadonov, bevor er mit der Scheibe an der Torlinie entlang zum Netz lief und mit der Rückhand über die linke Schulter von Grubauer in die Maschen traf. Bjorkstrand sorgte mit dem Treffer zum 1:2, 19 Sekunden vor dem Schluss, noch einmal für Spannung im weiten Rund. Doch am Ende reichte Seattle die Zeit nicht mehr, um vielleicht doch noch eine Verlängerung zu erzwingen.

"Leider konnte ich das zweite Tor nicht verhindern. Wir haben uns trotzdem noch zurückgekämpft und haben ein Tor zum 1:2 erzielt. Leider ist uns dann aber die Zeit ausgegangen", beklagte Grubauer. Dementsprechend groß war der Ärger auch bei anderen Protagonisten auf der Seite der Gäste. "Wir haben heute Abend so viel Druck gemacht, wie wir nur konnten, aber wir haben einfach nicht den richtigen Gang gefunden", zeigte sich Seattles Trainer Dave Hakstol ebenfalls bitter enttäuscht über den Verlauf des Abends.

Doch der Coach fand trotz der Enttäuschung einige Worte der Anerkennung für den siegreichen Gegner: "In dieser Hinsicht muss man Dallas ein großes Lob aussprechen. Bis zu einem gewissen Grad

haben sie auf das Spiel geantwortet, das wir in Spiel 6 gespielt haben. Sie sind heute in ihre Halle gekommen und haben uns unter Druck gesetzt. Ab dem zweiten Drittel haben sie das Spiel zu ihren Gunsten gedreht."