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Ein ungewöhnlich emotionaler Abend

Craig Anderson von den Ottawa Senators muss aktuell miterleben, dass Eishockey nicht das wichtigste im Leben ist

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

Dass Sport natürlich nicht immer ganz so wichtig ist, wie es vielen von uns häufig ja vielleicht erscheint, dass konnte man am vergangenen Abend in Edmonton einmal wieder hautnah miterleben. Gästetorhüter Craig Anderson stand dort im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Allerdings ging es dabei nur in zweiter Linie um Eishockey. Fans und Aktiver beider Mannschaften zeigten sich mit dem Torhüter aus der Kanadischen Hauptstadt solidarisch, bezeugten ihm seine Sympathien, nachdem dieser zuletzt mit einem privaten Schicksalsschlag konfrontiert wurde.

Die Tatsache, dass die Edmonton Oilers ihre Siegesserie im Heimspiel gegen die Senators auszubauen versuchten geriet über weite Phasen des Abends völlig in den Hintergrund, in Anbetracht der aktuell vielbeachteten Tatsache, dass Andersons Ehefrau Nicholle in der Vorwoche mit einer Krebsdiagnose konfrontiert wurde, die 35-jährige mit ihrem Gatten nun mit dieser ernsthaften Diagnose konfrontiert ist, und beide damit entsprechend umzugehen lernen müssen.

Anderson war daraufhin zuletzt in der Vorwoche auch vom NHL-Spielbetrieb der Senators freigestellt.

"Wir lieben Eishockey. Es ist ein tolles Spiel. Aber es gibt eben noch deutlich wichtigere Dinge im Leben" sagte auch Chefcoach Guy Boucher über die Vorgänge.

Der zunächst freigestellte Anderson sah sich nach einer kurzfristigen Verletzung von Backup Andrew Hammond nun allerdings bereits gezwungen seinen Dienst beim Auswärtsspiel in Edmonton wieder aufzunehmen. Auch auf ausdrückliches Drängen seiner Frau übrigens, wie man hörte.

Video: OTT@EDM: Anderson wehrt Eberles Direktabnahme ab

Und der Torhüter startet nicht nur unter dieser immensen Drucksituation, er lieferte auch! 37 Saves waren es am Ende des Abends beim 2:0 seiner Farben in Alberta.

"Auch wenn er sich tapfer gezeigt hat, man konnte die Anspannung in seinen Augen sehen" räumte Teamkapitän Erik Karlsson nach der Begegnung ein. "Er hat uns angeführt, trotz aller Probleme. Er brauchte auch nicht viel zu sagen. Ansonsten hat er sich bemüht die übliche Routine vor dem Spiel an den Tag zu legen. Wir anderen haben versucht ihn so gut es geht zu unterstützen. Und er hat ein herausragendes Spiel abgeliefert und wir haben die zwei Punkte bekommen."

Anderson stand an diesem Abend sehr im Mittelpunkt, auch der seiner Teamkameraden. Keine einfache Situation, besonders nicht für einen Torhüter, auf dem so viel sportlicher Druck liegt.

"Es war nicht einfach. Besonders dann, wenn man spürte, dass er einige emotionale Momente durchlebte, ihm die Tränen in die Augen stiegen" sagte auch Verteidiger Marc Methot.

Als Anderson nach dem Spiel dann auch noch zum 1st Star des Spiels ausgewählt wurde, er kurz davor ganz alleine im Gang vor der Kabine ausharren musste, da spürte man die besondere Anspannung als Beobachter besonders. Die Fans spendeten ihm donnernden Applaus. Diesmal ungewöhnlicher Weise eben auch für den sportlichen Gegner dieses Abends.

"Das hatte Klasse" meinte Method. "Das sind ganz tolle Fans hier. Es zeigt Respekt und ist so etwas ganz besonderes gewesen."

"Für alle, für unseren Torhüter, für seine Frau, die Familie, unsere Spieler, war das herausragend mitzuerleben" sagte auch Trainer Boucher nach dem Spiel. "Wir bedanken uns ausdrücklich bei den Oilers dafür."

Das Ganze spielte sich zudem zu einer Zeit ab, in der die NHL ohnehin im Rahmen ihrer 'Hockey fights Cancer' (Eishockey kämpft gegen Krebs)-Kampagne viel Aufmerksamkeit dem Kampf gegen diese tückische Krankheit gewidmet hat, was durch die Farbe Lila äußerlich bei verschiedenen Gelegenheiten im Umfeld der Spiele aktuell auch gut sichtbar für alle präsentiert wird.

Der gedämpften Stimmung rund um das Spiel entsprechend gab es nach dem 2:0-erfolg der Senators nach dem Spiel aus der Umkleide des Teams dann auch kein lautes Gelächter o.ä. im Gang der Arena zu hören, sondern nur respektvollen, donnernden Applaus.

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