Skip to main content

Avalanche mit wenigen Veränderungen zu mehr Punkten

Serie 31 in 31 von NHL.com/de: Colorado vertraut weitgehend auf bisherige Leute und hofft auf Besserung

von Stefan Herget / NHL.com/de Chefautor

Der Startschuss zur NHL-Saison 2017-18 steht zwar noch nicht unmittelbar vor der Türe, doch die Nachwuchs-Camps sind geschafft und die Trainingscamps in Sichtweite. Wir denken, dass es das Beste ist, die Sommerhitze im August mit Analysen Eurer Lieblingsteams zu bekämpfen.

Jeden Tag wird Euch NHL.com/de im Rahmen der 31 in 31 Serie mit fundierten Einschätzungen der Mannschaften versorgen.

Wo wird die Reise für den Liganeuling Vegas Golden Knights hingehen? Können die Pittsburgh Penguins ihre dritte Meisterschaft in Folge feiern? Welche Teams könnten uns alle überraschen?

Alle diese Fragen werden in den täglichen Artikeln beantwortet.

Heute analysieren wir die Colorado Avalanche:

Bilanz 2016/17: 22-56-4, 7. Platz in der Central Division

Playoffs 2017: nicht qualifiziert

Trainer: Jared Bednar, seit 25. August 2016

Neuzugänge: Jonathan Bernier, Andrew Agozzino, David Warsofsky, Nail Yakupov, Matt Nieto, Jesse Graham, Colin Wilson

Abgänge: Jeremy Smith, Turner Elson, Mikhail Grigorenko, Patrick Wiercioch, John Mitchell, Fedor Tyutin, Calvin Pickard, Francois Beauchemin

Wo sie herkommen:

Die Colorado Avalanche sind nach einer sehr erfolgreichen Ära mit den Stanley Cup-Siegen in den Jahren 1996 und 2001 spätestens nach dem Lockout mit dem kompletten Ausfall der NHL-Saison 2004-05 und der anschließenden Einführung des Salary Caps (Gehaltsobergrenze) in ein Loch gefallen, aus dem sie bis heute nicht herausgekommen sind.

Das Jahr 2014 bildete eine rühmliche Ausnahme, als die Avalanche in der ersten Saison unter Trainer Patrick Roy überraschend die Central Division gewannen, in der ersten Playoff-Runde allerdings scheiterten. Doch anstatt sich danach weiterzuentwickeln, stagnierte die Entwicklung und Roy nahm nach zweimaligem Verpassen der Playoffs im vergangenen Sommer seinen Hut.

Was folgte war die Verpflichtung von Trainer Jared Bednar Ende August 2016, also erst kurz vor dem Trainingscamp und mit nur 22 Siegen und 48 Punkten die schlechteste Saison der Franchise. Das Glück war auch nach dem Saisonende nicht hold, denn es sprang in der Draft Lotterie nur der vierte Zug beim NHL Draft 2017 heraus.

Was sie änderten:

Viele Experten waren überrascht, wie wenig sich angesichts der Situation in Colorado tat, nachdem sie in der Saison 2016-17 mit Abstand die wenigsten Punkte holten, die wenigsten Tore aller NHL-Teams erzielten, die meisten Tore aller NHL-Teams kassierten, das schlechteste Überzahlspiel aller NHL-Teams und das zweitschlechteste Unterzahlspiel aller NHL-Teams vorzuweisen hatten. Angefangen von der Diskussion um den Trainer, bis hin zu den Wechselgerüchten um Spieler wie Gabriel Landeskog oder Matt Duchene, die auf keinen fruchtbaren Boden fielen.

Video: MIN@COL: Landeskog trifft nach Duchene Vorlage im PP

Auf der anderen Seite werden neun Spieler, die in der abgelaufenen Saison mindestens 27 Spiele für die Avalanche absolvierten, nicht mehr in das Trainingscamp zurückkehren. So wurden unter anderem Verteidiger Francois Beauchemin aus dem letzten Jahr seines Vertrages herausgekauft und der im NHL Expansion Draft von den Vegas Golden Knights ausgewählte Torhüter Calvin Pickard abgegeben.

Der zuletzt verletzungsanfällige Nummer 1-Torhüter Semyon Varlamov soll entlastet werden, indem mit Jonathan Bernier (von den Anaheim Ducks) ein weiterer Top-Mann zwischen den Pfosten verpflichtet wurde, der entsprechende Einsätze bekommen soll.

"Er hat Erfahrung, war sogar schon ein Starter", sagte General Manager Joe Sakic über Bernier. "Wir denken, dass er sich gut mit Varlamov ergänzen kann, deswegen sind wir glücklich darüber."

In der Offensive gab es lediglich zwei signifikante Verpflichtungen. Nail Yakupov ist als ehemaliger Nummer 1 Draft im Jahr 2012 nach 17 Toren in 48 Spielen als Rookie für die Edmonton Oilers in der Saison 2012-13, eher unauffällig aufgetreten. In Denver hoffen sie ihn zu alter Stärke zu verhelfen.

Colin Wilson von den Nashville Predators soll Erfahrung, aber auch Produktion in den Kader bringen, was dem zur Trading Deadline abgegebenen Jarome Iginla nicht mehr gelang. Er soll dazu beitragen, dass Matt Duchene, Nathan MacKinnon und Gabriel Landeskog die Katastrophen-Saison vergessen machen können.

Video: WSH@COL: MacKinnon arbeitet sich durch die Defensive

Mikko Rantanen, der die Avalanche mit 20 Toren als Rookie anführte, soll sich weiter verbessern, während viele Hoffnungen auf Tyson Jost, ihr Zug der 1. Runde im NHL Draft 2016 (Nr. 10) und dem schnellen J.T. Compher liegen. Nicht zu vergessen der Schweizer Sven Andrighetto, der seit seinem Wechsel am 1. März von den Montreal Canadiens 16 Punkte (fünf Tore, elf Assists) in 19 Spielen verbuchte.

Video: NSH@ANA, Sp5: Wilson erzielt Powerplay-Tor

Ein Knackpunkt bleibt die Defensive, wo die Verantwortlichen darauf hoffen, durch die Genesung und Rückkehr von Erik Johnson nach seinem Beinbruch am 3. Dezember wieder mehr Stabilität zu bekommen. Nikita Zadorov zeigte gute Ansätze, ehe er sich am 21. Februar im Training den Knöchel brach. Tyson Barrie war mit 38 Punkten produktiv, endete aber mit einer verheerenden Minus 34.

Mark Barberio füllte seinen Teil gut aus, nachdem er am 2. Februar von der Waiverliste aus Montreal geholt wurde. Trotzdem sind die Avalanche in der Defensive auf junge Talente aus ihren Reihen angewiesen und müssen hoffen, dass Chris Bigras, Anton Lindholm, Andrei Mironov, Duncan Siemens und David Warsofsky beziehungsweise einer oder mehrere von ihnen in die Bresche springen.

Trainer Bednar wird also auch in der kommenden Saison keine leichte Aufgabe vorfinden, wobei es überhaupt ungewöhnlich ist, dass er bei den Gesetzen des Marktes weiter wirken darf. Sollte der Erfolg zu Beginn erneut ausbleiben, dürften die Stimmen schnell erhoben sein, die ein Festhalten an ihm als einen Fehler bezeichnen.

"Ich glaube, dass er diese Chance verdient hat, mit einem kompletten Sommer als Vorbereitung zurückzukommen", betonte Sakic dazu. "Er kennt die Spieler und die Spieler wissen, was von ihnen erwartet wird, um für das Trainingscamp bereit zu sein. Wir werden ein wirklich gutes Jahr haben."

Hinter dem Chef wurden trotzdem Veränderungen mit einem neuen Torwart-Trainer und einem Co-Trainer vorgenommen. Insbesondere Ray Bennett, der in den vergangenen zehn Jahren bei den St. Louis Blues als Assistent tätig war, soll die Offensive und das Powerplay mit neuen Ideen befeuern.

Wie sie abschneiden könnten:

Viele Fragezeichen begleiten die Avalanche in die neue Saison. Von daher kann der Optimismus von Sakic, der von einem wirklich guten kommenden Jahr spricht, nicht unkommentiert übernommen werden. Potenzial ist in Colorado ohne Zweifel vorhanden, um den Bock umzustoßen. Die Ursachenforschung, wie es zum Zusammenbruch der Mannschaft in der vergangenen Saison kommen konnte, wirkt zumindest im Bereich der öffentlich bekannt gewordenen Details wenig überzeugend.

Jeder, der erwartet, Colorado kann nach den gezeigten Entwicklungen in der starken Central Division in der Saison 2017-18 ein Wort um die Playoffs mitreden, dürfte sich komischen Blicken aussetzen. Ob ihn diese zurecht treffen würden, bleibt abzuwarten. Eine große Überraschung wäre es allemal.

Mehr anzeigen