col 2001 cup

"Ich erinnere mich an das letzte Mal, als wir hier waren", rief Kapitän Joe Sakic bei der Cup Parade am 11. Juni 2001 im Civic Center Park zu den geschätzt 250.000 anwesenden Fans in Anspielung auf den ersten Gewinn des Stanley Cups fünf Jahre zuvor. "Es ist schon viel zu lange her."

Die Euphorie im gesamten Bundesstaat Colorado hatte sich im Vergleich zum ersten Triumph etwas gelegt, denn die Menschenmasse war bei den Feierlichkeiten nur knapp halb so groß. Vielleicht lag es auch daran, dass zwischenzeitlich die Denver Broncos 1998 und 1999 die Meisterschaft in der NFL gewonnen hatten und die Leute in Denver etwas feiermüde wurden. Trotzdem war der zweite Gewinn des Stanley Cups 2001 ebenso bedeutend. Zwar feierte der Stamm um Sakic, Peter Forsberg und Torhüter Patrick Roy den zweiten Stanley Cup mit Colorado, aber es gab durchaus bedeutende Spieler, die insgesamt erstmalig gewannen.
Allen voran Verteidiger Ray Bourque, der 22 Jahre auf einem Spitzenniveau in der NHL spielte, mit seinem langjährigen Team Boston Bruins keinen ultimativen Erfolg hatte und zur Trade Deadline 2000 nach Colorado wechselte, um den Cup zu gewinnen. In den folgenden Stanley Cup Playoffs waren die Avalanche in sieben Spielen im Western Conference Finale am späteren Gewinner Dallas Stars gescheitert. Bezeichnender Weise hatte Bourque selbst kurz vor dem Ende der letzten Partie nur den Pfosten getroffen und den Ausgleich verpasst.

bourque crowd

Bourque entschied sich noch eine weitere Saison anzuhängen und traf die richtige Wahl. Die Avalanche waren auch für Bourque auf einer Mission, die spätestens zu den Playoffs zur Mission 16W, wie 16 Wins (= Siege), die in der K.o.-Runde nötig sind, um zu gewinnen.
"Ich weiß nicht, ob ich versuchen werde, Stanley Cups zu vergleichen, aber 2001 war etwas ganz Besonderes", sagte kürzlich Roy zu NHL.com. "Ich hatte das Gefühl, dass wir das ganze Jahr über für Ray (Bourque) gespielt haben. Wir wussten, warum Ray im Jahr 2000 nach Denver gekommen war. Wir waren alle sehr traurig, dass wir den Cup in jenem Jahr nicht gewinnen konnten. Dass er im nächsten Jahr zurückkam, bedeutete für jeden von uns eine Menge. Ich glaube, das hat jeden von uns motiviert, unser Bestes zu geben und die beste Saison zu spielen."
Laut dem Schweizer und damaligen Backup von Roy, David Aebischer, der 2000/01 seine erste NHL-Saison absolvieren durfte, herrschte in dieser Spielzeit ein besonderer Teamgeist in der Kabine, wie er ihn später kaum mehr erlebt hat. "Es fing im Trainingslager an", schildert er im exklusiven Interview mit NHL.com/de. "Wir waren auf einer Mission, den Stanley Cup zu gewinnen. Wir hatten kleine Durchhänger, aber wir waren die gesamte Saison sehr konstant und haben auch die Presidents' Trophy gewonnen. Klar, in der zweiten Runde gegen L.A. mussten wir über sieben Spiele und haben dort erst durch vier Tore im dritten Drittel 5:1 gewonnen. Das war schon knapp. Aber irgendwie hatten wir immer das Gefühl, dass wir alles unter Kontrolle haben, selbst als wir im Finale Spiel 5 zu Hause verloren haben und 2:3 in der Serie in Rückstand gerieten, Spiel 6 in New Jersey und Spiel 7 daheim gewinnen mussten. Wir hatten so viel Selbstvertrauen, dass wir auch in diesen Situationen Lösungen fanden."

Patrick Game 7 w.o Stubbs badge

Der 9. Juni 2001 ist deswegen auch bei Aebischer in ganz besonderer Erinnerung. Zum ersten Mal durfte ein Schweizer die begehrte Trophäe des Eishockeys in die Höhe stemmen.

"Das ganze Jahr war ein spezielles Jahr", erzählt Aebischer. "Zuerst hat Patrick Roy den NHL-Siegesrekord von Terry Sawchuk gebrochen (446 NHL-Siege). Ich wusste, dass ich warten muss, bis er diesen Rekord hat, bevor ich mein erstes NHL-Spiel bekommen würde. Er holte ihn bei einem Back-to-back und wir flogen nach Columbus zum zweiten Spiel in Serie. Ich hatte nicht viel geschlafen und habe im Spiel beim ersten Schuss mein erstes Gegentor kassiert. Doch ich habe es überlebt und wir haben 5:1 gewonnen."
Auch einen besonderen Brauch gab es damals in der Kabine. "In den Playoffs war sehr speziell, dass wir beim ersten Teamdinner alle einen kleinen Stanley Cup als Schlüsselanhänger bekamen und irgendwie kam einer mal drauf und hat den in die Kabine gestellt, Alle Spieler gingen dann immer an diesem Schlüsselhänger vorbei, bevor sie aufs Eis sind und von Runde zu Runde wurde ein bisschen größerer Stanley Cup bis ins Finale gebracht. Es war interessant, wie erwachsene und gestandene Männer mit so einem kleinen Stanley Cup umgingen. Das war eine schöne Geschichte. Und natürlich am Ende, dass Ray Bourque nach so langer Zeit, diesen Kübel in die Höhe strecken konnte, war überragend."
Verteidiger Bourque konnte nach 1.612 Spielen der regulären Saison (410 Tore, 1169 Assists, 1.579 Punkte) und 214 Playoff-Spielen (41 Tore, 139 Assists, 180 Punkte) im Jahr 2001 erstmals den Stanley Cup gewinnen, nachdem er in seiner Karriere zuvor zwei Mal mit den Boston Bruins (1988, 1990) im Finale gescheitert war.
Bourque trug seinen Teil zum Erfolg bei, wie Aebischer aus dem Spiel 3 vom Finale gegen die New Jersey Devils zu berichten weiß. "Es stand 1:1 in der Serie und nach zwei Dritteln ebenfalls 1:1, als Ray Bourque ankündigte, dass er jetzt ein Tor schießen würde und im nächsten Wechsel machte er in der Tat das 2:1 und wir haben 3:1 gewonnen. Das war schon beeindruckend."

bourque roy

Das gute Ende ist ebenfalls in bester Erinnerung. "Die letzten fünf Minuten in Spiel 7 führten wir 3:1, nachdem Alex Tanguay, ein Schlüsselspieler, der in einer Reihe mit Joe Sakic spielte, zwei Tore gemacht hat. Es war in der Halle so laut, dass wir uns auf der Bank nicht mehr verstehen konnten. Das war Gänsehaut pur."
Aebischer, der heutige stellvertretende General Manager und Torwarttrainer des Schweizer Erstligaklubs HC Fribourg-Gottéron, bewahrt viele Erinnerung an dieses Ereignis in seinem Gedächtnis und Herzen, aber weniger sichtbar in seinem Haus auf. "Der Stanley Cup Ring, den wir bekommen haben, ist bei mir zu Hause nicht sichtbar. Ich habe einen kleinen Stanley Cup sichtbar stehen, doch der Ring ist in einer Schublade und wird nur rausgeholt, wenn ihn ein Gast sehen will. Wenn ich ehrlich bin, habe ich ihn nicht oft an, weil er in der Schweiz nicht unbedingt tragbar ist (lacht). Er ist natürlich eine schöne Erinnerung."
Lange ist es her. 21 Jahre sind es mittlerweile, in denen die Avalanche nicht mehr gewonnen haben. Immerhin blieben sie stets siegreich, wenn sie im Stanley Cup Finale standen. Sollte diese Serie halten, dann darf man sehr gespannt sein, was der heutige General Manager Sakic den Fans bei der Parade dieses Mal zurufen wird, nachdem ihm damals bereits fünf Jahre schon viel zu lange her waren.