Den Florida Panthers fehlt nur noch ein Sieg zum Erreichen der Finalserie um den Stanley Cup. In Spiel drei der Best-of-seven-Serie im Finale der Eastern Conference behielt die Mannschaft von Trainer Paul Maurice am Montagabend auf eigenem Eis mit 1:0 knapp die Oberhand gegen die Carolina Hurricanes und führt nun nach Siegen mit 3:0. Die Helden bei den Gastgebern in der FLA Live Arena waren Sam Reinhart, dem in Überzahl das Tor des Tages gelang, sowie Torwart Sergei Bobrovsky, der die gegnerischen Stürmer reihenweise zur Verzweiflung brachte.

Zum ersten Mal seit der Saison 2015/16 bestritt Bobrovsky in einer regulären Saison mit 82 Partien keine 60 Spiele. Doch in den Playoffs hat er zu seiner früheren Weltklasseform zurückgefunden. Er entschärfte am Montag alle 32 Schüsse, die auf seinen Kasten kamen, und verbuchte damit seinen ersten Shutout in den Playoffs überhaupt. In der Serie gegen die Hurricanes hat er nun 132 von 135 Schüssen, muit denen er konfrontiert wurde, gehalten. Damit hat er über die ersten drei Spiele einer Serie im Conference Finale oder Stanley Cup Finale (seit 1955/56) gesehen Johnny Bower überholt, der 1960 im Trikot der Toronto Maple Leafs im Halbfinale gegen Detroit 125 Schüsse in den ersten drei Partien gehalten hatte.

Panthers-Stürmer Anton Lundell bezeichnete die Leistung seines Keepers als unwirklich. "Er hat uns mit ein paar super Saves geholfen. Und wir versuchen, ihm so gut zu unterstützen wie möglich." Der Keeper selbst freute sich über die Gelegenheit vor eigenem Publikum sein Können zu demonstrieren. Er sei glücklich gewesen ob der Fangesänge für ihn, die von den Rängen kamen. "Ich fühle mich gut und genieße die Gelegenheit", sagte Bobrovsky. Seine Kollegen hätten ihn allerdings auch sehr gut unterstützt, viele Schüsse geblockt. Und ja, ein bisschen Glück sei auch dabei gewesen. Damit spielte er auf die drei Pfostenschüsse an, die die Hurricanes hatten. Jesper Fast (2.), Brady Skej (21.) und Brett Pesce (43.) scheiterten am Metallgehäuse.

Und so wurde auch diese Partie wieder nur mit einem Tor Unterschied entschieden. Für den Treffer des Tages auf Seiten der Gastgeber sorgte Reinhart in der 31. Minute, als er in Überzahl zunächst das Bully in der Angriffszone gewann und sich dann im Slot geschickt freilief. Hurricanes-Verteidiger Jaccob Slavin kam in dieser Szene zu spät.

Durch den frühen Ausfall von Kapitän Aleksander Barkov mussten die Stürmer der Panthers die eine oder andere Extraschicht schieben. So hatte Reinhart am Ende über 22 Minuten Eiszeit, Sam Bennett über 23 und Matthew Tkachuk gar mehr als 24. Nach dem ersten Spiel der Serie, das erst kurz vor dem Ende der vierten Verlängerung entschieden wurde, fühle sich das aber immer noch kurz an, sagte Lundell und lachte. "Als der Kapitän ausgefallen ist, hat jeder noch ein paar Prozent mehr gegeben. Wir wissen, was er für das Team bedeutet. Umso mehr wollten wir das Spiel dann für ihn gewinnen", meinte Lundell. Das zeige, wie gut die Mannschaft inzwischen funktioniere. "Wir sind jetzt bereiter als in der regulären Saison. Wir unterstützen uns besser."

Barkov war mit 78 Scorerpunkten (23 Tore, 55 Vorlagen) in 68 Spielen der zweitbeste Scorer der Panthers in der regulären Saison. Was genau er hat, wird in dieser Zeit der Saison selbstverständlich noch geheimer gehalten, als ohnehin schon. Offiziell ist er mit einer Unterkörperverletzung ausgefallen. Groß Sorgen muss sich der Trainer allerdings nicht machen, dass seine Mannschaft damit nicht umgehen kann. Schon in der regulären Saison hatten die Panthers immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen gehabt. "Barkov ist ein dominanter Spieler. Die Schwierigkeit war, dass er früh ausgefallen ist. Es ist nicht einfach, sich auf so etwas mental einzustellen. Aber die Jungs haben das mit den zusätzlichen Minuten gut aufgefangen", lobte Coach Maurice.

Gleichwohl weiß man im Lager der Panthers, dass die Serie noch lange nicht vorbei ist. "Das Beste, was wir heute haben machen können, war ein Spiel zu gewinnen", erklärte Reinhart hinterher. Jetzt gehe es darum, sich zu erholen, wieder aufs Eis zu gehen und das nächste Spiel zu gewinnen. "So war es für uns schon in den letzten Monaten. Und das wird sich so bald auch nicht ändern." Mit Florida könnte zum dritten Mal seit 1967/68 das als schlechteste für die Playoffs qualifizierte Team ins Finale um den Stanley Cup einziehen. Vorher schafften das die Montreal Canadiens (2021) und die Nashville Predators (2017).

Während man in Florida von der zweiten Teilnahme am Stanley Cup Finale nach 1996 (0:4 gegen die Colorado Avalanche) träumt, ist bei den Hurricanes das Aufgabel noch einmal etwas komplizierter geworden, wie Stürmer Jordan Staal nach der Partie meinte. Vor allem bei den Special Teams müsse die Mannschaft noch zulegen. In der Offensive mache er sich keine Sorgen - trotz der bisherigen Resultate. "Wenn man sich das Spiel anschaut, dann hatten wir unsere Chancen. Wir müssen einfach weiter unser Spiel durchziehen. Und irgendwann geht auch einer rein."

Sein Teamkollege Sebastian Aho sprach sogar von der besten Leistung in der Serie bis dahin. "Aber wenn man keine Tore schießt, kann auch das Spiel nicht gewinnen. So einfach ist das." Jede Partie in dieser Serie sei mit einem Tor Differenz entschieden worden. "Wir hätten leicht auch alle drei Spiele gewinnen können. Wir können die Panthers schlagen. Wir müssen nur einen Weg finden, Tore zu schießen. Die Serie ist noch nicht vorbei", gab sich der Finne kämpferisch.

Ähnlich sah das auch sein Trainer. "Mir hat gefallen, wie wir gespielt haben. Aber wir müssen einen Weg finden, den Puck im Netz unterzubringen", sagte Rod Brind'Amour. Auch er war nicht zufrieden mit dem Auftreten seines Teams in Überzahl. Und ja, selbstverständlich seien seine Spieler nach der Schlusssirene frustriert gewesen. Brind'Amour vertraute im Tor diesmal wieder dem Frederik Andersen, nachdem in Spiel zwei der Finne Antti Raanta zwischen den Pfosten gestanden hatte. Er hatte Andersen nach dem Marathon in Spiel eins eine Pause verschafft. An den Torhütern liege es auch nicht, betonte der Coach: "Sie haben beide bislang großartig gespielt."

Spiel vier der Serie findet am Mittwoch (8 p.m. ET; NHL.tv; Do. 2 Uhr MESZ) erneut in der FLA Live Arena in Sunrise statt.