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Für die einen ein Fluch, für die anderen ein Segen

Die Bye Week gibt manchen Teams die Möglichkeit zu einem nötigen Neustart, andere bringt sie aus dem Rhythmus

von Alexander Gammel @NHLde / NHL.com/de Freier Autor

Die NHL sollte womöglich darüber nachdenken, im Januar einen Warnhinweis für passionierte Fans zu veröffentlichen: Achtung! Bye Week kann zu Entzugserscheinungen führen! Die im Collective Bargaining Agreement (CBA) verankerte fünftägige Zwangspause wird rund um das All-Star Wochenende gewährt und sorgt dafür, dass sich teilweise mehr als die Hälfte der Teams gleichzeitig im Urlaub befindet. Dadurch werden zu dieser Zeit so wenige Spiele ausgetragen, wie zu keinem anderen Zeitpunkt der regulären Saison, abgesehen von spielfreien Tagen an den Feiertagen.

Diese Pause wurde zwischen der Spielergewerkschaft NHLPA und den Eigentümern der Teams vereinbart, um die Strapazen der langen und harten Saison für die Spieler etwas zu mildern. Vielen Spielern kommt die Pause nach etwas mehr als der Hälfte der Saison sehr gelegen. In 112 Tagen seit Beginn der regulären Saison am 2. Oktober kommen die Teams im Durchschnitt auf 49 Spiele, also etwas weniger als ein Spiel alle zwei Tage. Hinzu kommen teilweise lange Reisen und neben der ohnehin hohen körperlichen Belastung in den Partien auf höchstem Niveau kleinere Verletzungen durch Checks, Stürze und geblockte Schüsse.

Den Muskeln, Knochen und Gelenken der Spieler schadet die Unterbrechung sicherlich nicht. Allerdings sprechen sowohl Spieler, als auch Trainer, mehr über den mentalen Aspekt der Pause, als über den körperlichen. Genau hier spalten sich die Meinungen, auch aufgrund der Situation der einzelnen Teams.

Die spielfreie Zeit kann für die Mannschaften ein Neustart sein, was sowohl einen positiven, als auch einen negativen Effekt haben kann. Teams wie die Florida Panthers, Columbus Blue Jackets und Chicago Blackhawks etwa, würden wohl am liebsten einfach weitermachen. Sie haben mit jeweils fünf gewonnenen Spielen in Folge die längsten laufenden Siegesserien der gesamten Liga und befinden sich dadurch auf dem Vormarsch aus den mittleren bis unteren Tabellenregionen.

 

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Die Panthers gewannen erst am Montag ein hart umkämpftes Spiel gegen die Minnesota Wild und setzten sich damit auf dem dritten Platz der Atlantic Division von den viertplatzierten Toronto Maple Leafs ab. Die Blue Jackets eroberten mit ihrer Erfolgsserie die erste Wildcard der Western Conference und liegen nur noch einen Punkt hinter den New York Islanders und dem dritten Platz der Metropolitan Division. Die Blackhawks ließen einen zwischenzeitlich gewaltigen Abstand auf die Playoff-Ränge deutlich schmelzen und liegen nun drei Punkte hinter der zweiten Wildcard der Western Conference und vier Punkte hinter den Dallas Stars, die den dritten Platz der Central Division halten.

Alle drei beginnen ihre spielfreie Zeit am 22. und 23. Januar und starten am 1. Februar wieder in den Ligaalltag. Die Herausforderung wird sein, den Rhythmus, die Energie und das Gefühl der jüngsten Spiele nicht zu verlieren. NHL-Profis sind Gewohnheitstiere, berüchtigt für ihren Aberglauben und ihre strengen Routinen. Eine so ungewohnte Pause kann besonders für Teams, die gerade einen Lauf haben zum Problem werden. Die Trainer und Führungsspieler stehen nun vor der Aufgabe den Schwung der vergangenen Spiele zu erhalten und ihr Team mit einem Erfolgserlebnis in den Rest der Saison zu führen.

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Für andere Teams ist die Pause eine Chance für einen bitter nötigen Neuanfang. Die New York Islanders etwa, gewannen nur eins der vergangenen sechs Spiele (1-3-2) und halten sich nur dank eines Polsters, dass sie sich in der frühen Phase der Saison erarbeitet haben unter den ersten drei Plätzen der Metropolitan Division. Die Boston Bruins sahen in den vergangenen Wochen ihren komfortablen Vorsprung in der Atlantic Division ebenfalls auf sechs Punkte schmelzen.

 

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Hinzu kommen zum einen die Teams am Ende der Tabelle, die die Saison am liebsten nochmal von vorne beginnen würden, wie die Los Angeles Kings, Detroit Red Wings und Ottawa Senators, sowie Teams, die im Playoff-Rennen mitmischen, in den vergangenen Spielen allerdings Boden verloren. Dazu gehören beispielsweise die Minnesota Wild, die zwischenzeitlich in Reichweite des Spitzentrios in der Central Division waren, durch sieben Punkte aus den vergangenen zehn Spielen (3-6-1) mittlerweile aber wieder sieben Punkte Rückstand auf eine Wildcard haben.

Für diese Mannschaften, besonders die, die um die Playoffs kämpfen, kann die Pause Gold wert sein. Zum Teil könnten nach der Pause verletzte Spieler wieder zur Verfügung stehen, die Woche ohne Spiele und Training ist schlicht eine Gelegenheit den Kopf frei zu kriegen und mental gestärkt neu anzugreifen.

Seit der Einigung auf die Bye Week in der Saison 2016/17 gab es stets Teams, die nach der Pause positiv überraschen und solche, die enttäuschen. Nun bleibt mit Spannung abzuwarten, wer die Pause optimal nutzt und wer den Neustart verschläft, für wen die Bye Week zum Segen wird und für wen zum Fluch wird.

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