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Vorfreude ist wie der Name schon sagt, die Freude, die entsteht, bevor das eigentliche Ereignis eintritt und man schon mal antizipiert, wie man es positiv aufnehmen wird, wenn es denn so kommt.

Genau in den letzten fünf Wörtern des vorangegangenen Satzes liegt die Krux. Man freut sich schon einmal auf etwas, was erst noch eintreten wird. Doch, ob es eintritt, ist die große Frage. Dabei kann die Vorfreude auch lähmen, besonders wenn es darum geht, eine Leistung zu bringen, um das Ereignis wahrwerden zu lassen.

Genau vor diesem, zunächst einmal positiven Problem, stehen die Vegas Golden Knights, nachdem sie am Sonntag mit einer 3:1-Führung in der Best-of-Seven-Serie vom Stanley Cup Finale 2023 gegen die Vegas Golden Knights die Heimreise antreten, um am Dienstag (8 p.m. ET; Sky Sport, ProSieben MAXX, MySports Edge, LAOLA1; Mi. 2 Uhr MESZ) Spiel 5 der Begegnung, mit der großen Chance vor heimischen Fans in der T-Mobile Arena den Stanley Cup zu gewinnen, auszutragen.

Stephenson führt Golden Knights zum Sieg in Spiel 4

"Wir müssen uns auf den 16. Sieg vorbereiten", erläutert Trainer Bruce Cassidy am Sonntag in einer Zoom-Konferenz vor der Abreise des Teams aus Fort Lauderdale nach Las Vegas. "Wir können das jetzt final abschließen, aber 16 Siege ist das ultimative Ziel. Aber heute entspannen wir erst mal und reisen heim. Es heißt, die Gedanken frei zu machen und bereit zu sein, wenn wir morgen zur Eisfläche zurückkehren und unser Geschäft erledigen. Wir werden an ein paar Dinge arbeiten, von denen wir der Meinung sind, dass wir sie besser machen müssen als die vier Spiele zuvor und wollen unseren Rhythmus aufrechterhalten. Wir bereiten uns auf den Letzten vor. Es ist nicht erledigt, bevor man nicht den 16. hat. Darauf liegt unser Fokus, ebenso wie es wohl Florida tut."

Es gibt in der Vergangenheit genügend Beispiele, dass diese Last auch hemmen kann. So haben die Panthers in der ersten Runde der Stanley Cup Playoffs 2023 den haushohen Favoriten Boston Bruins noch ausgeschaltet, obwohl sie schon 1:3 in der Serie zurücklagen.
Im vergangenen Jahr im Cup-Finale reisten die Colorado Avalanche mit einem 3:1 zurück nach Hause. Schon beim Warmmachen rief die Fans der Avs lautstark: "We want the Cup (Wir wollen den Cup)!". Der Druck war offenbar zu groß und sie verloren Spiel 5 in der Ball Arena gegen die Tampa Bay Lightning, ehe sie in Spiel 6 auswärts befreiter auftraten und dort den Triumph perfekt machten.

Oder wie es Beteiligte der Golden Knights selbst schon erlebt haben. Stürmer Ivan Barbashev und Verteidiger Alex Pietrangelo, die mit den St. Louis Blues im Cup-Finale 2019 mit einer 3:2-Führung nach Hause kamen und gegen die von Cassidy trainierten Boston Bruins unterlagen, dann aber Spiel 7 auswärts zum Cup-Gewinn für sich entscheiden konnten.

Schließlich haben alle Vegas-Spieler erst vor kurzem im diesjährigen Western Conference Finale gegen die Dallas Stars erlebt, wie sie bereits scheinbar vorentscheidend mit 3:0 führten und verloren Spiel 4 in Dallas als auch Spiel 5 in Vegas, ehe sie souverän Spiel 6 in Dallas gewinnen konnten.

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Die Golden Knights sollten also gewarnt sein, was auf sie zukommen wird, wenn sie am Dienstag das Eis betreten. "Ich habe schon mehrere Lektionen gelernt", schildert Cassidy seine Erfahrungen. "Ich denke an unsere Serie gegen Dallas, wir konnten gegen Winnipeg [in der ersten Runde], Edmonton [in der zweiten Runde] und auch gegen Dallas Matchpucks nicht verwandeln. Wir müssen auf diese drei Serien blicken, vielleicht mehr als auf Boston damals. Wir hatten Spiel 6 in St. Louis gewonnen, um die Serie zu verlängern. Aber es waren etwas andere Umstände, denn es ging in dieser Serie Hin und Her. Ich glaube, wir waren damals gut vorbereitet, weil wir ein gutes erstes Drittel hatten, aber in Spiel 7 geht es um alles. Hier haben nur wir die Chance, es zu beenden. Wir wissen, was auf dem Spiel steht. Das brauche ich den Spielern nicht zu sagen, aber es gilt möglichst relaxed wie immer die Arbeit zu verrichten und erst danach zu feiern. Wir haben bereits Erfahrungen gesammelt, wie es ist und deswegen heißt es, sich weiterhin auf die Arbeit zu konzentrieren und sich nicht anstecken zu lassen. Ich glaube an die Gruppe und sie können das."

Cassidy hat eine genaue Vorstellung, wie es am Dienstag in der T-Mobile Arena sein wird. "Es wird laut werden, soviel steht fest", erläutert er. "So wie es immer ist, aber wahrscheinlich noch mehr. Es gibt viel Trubel außerhalb der Arena und das wird auch zunehmen. So ist das, wenn man kurz davorsteht. So ist das und die Fans sollen auch vorbereitet sein zu feiern und uns zu unterstützen, damit wir es erreichen. Das machen sie schon seit sechs Jahren. Die Spieler spielen für sich, ihre Familien, die Organisation und nicht zuletzt die Fans. Aber für uns gilt es das Umfeld weitgehend auszublenden und uns nur auf uns zu konzentrieren, als wäre es ein Spiel wie jedes andere. Wenn es geschafft ist, dann sollen der Spaß und die Feierlichkeiten beginnen, nicht vorher."