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Manche Geschichten schreiben die Stanley Cup Playoffs jedes Jahr aufs Neue. Geschichten von Spielern, die trotz Verletzungen über ihre Grenzen hinausgehen, die Schmerzen ignorieren und alles für den Traum vom Gewinn des Stanley Cups geben. Die Leistung von Brayden McNabb in Spiel 3 des Stanley Cup Finales 2026 zwischen den Vegas Golden Knights und den Carolina Hurricanes vom Samstag gehört zweifellos in diese Kategorie.

Nur 48 Stunden zuvor hatte der Verteidiger einen Schlagschuss mit einer Geschwindigkeit von rund 140 km/h direkt ins Gesicht bekommen. Der von Nikolaj Ehlers abgefeuerte Puck traf McNabb unterhalb seines Visiers und hinterließ tiefe Wunden. Noch nach Spiel 2 der Best-of-7-Serie in Raleigh musste der Abwehrspieler ins Krankenhaus gebracht werden. Dass er überhaupt rechtzeitig nach Las Vegas zurückkehren konnte, erschien zunächst fraglich. Und nur zwei Tage später wieder auf dem Eis zu stehen, schien nahezu ausgeschlossen. Doch McNabb dachte nicht daran aufzugeben.

Rückkehr gegen alle Erwartungen

Als die Golden Knights zu Spiel 3 der Finalserie in ihrer T-Mobile Arena aufliefen, stand McNabb tatsächlich wieder in der Startformation. Sein Gesicht war von schätzungsweise 25 bis 30 Stichen zusammengehalten worden. Zum ersten Mal seit etwa 15 Jahren trug er einen Vollgesichtsschutz am Helm. Allein die Atmung dürfte nach einer solchen Gesichtsverletzung eine Herausforderung gewesen sein.

McNabb Game 3 return

Trotzdem spielte der Verteidiger nicht nur mit – er dominierte.

„Ich konnte es möglich machen, und die Jungs haben großartige Arbeit geleistet, mich vorzubereiten. Zu Beginn fühlte ich mich okay und im Verlauf des Spiels wurde es sogar immer besser“, erklärte McNabb nach der Partie.

Die Golden Knights gewannen das spektakuläre Spiel schließlich mit 5:4 nach zweifacher Verlängerung. McNabb stand dabei unglaubliche 35:47 Minuten auf dem Eis. Nur sein Verteidigerkollege Shea Theodore absolvierte mit 39:09 Minuten noch mehr Einsatzzeit. Hinzu kamen zwei Assists, darunter die direkte Vorlage zum entscheidenden Treffer von Theodore.

Dass er überhaupt auflaufen konnte, war bereits bemerkenswert. Dass er anschließend zu den besten Spielern auf dem Eis gehörte, machte die Geschichte außergewöhnlich.

„Um dieses Spiel überhaupt zu bestreiten, ist etwas Besonderes. Aber dann noch mehr als 30 Minuten zu spielen? Ich weiß es nicht“, sagte McNabb. „Wenn du mitten drin bist, versuchst du mental einfach nur zu kämpfen und alles zu tun, um der Mannschaft zu helfen.“

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Ein Vorbild für die gesamte Mannschaft

Die Rückkehr des Verteidigers hatte nicht nur sportliche Auswirkungen. Sie gab den Golden Knights auch einen enormen emotionalen Schub. Schon während des Warm-ups erhielt McNabb großen Applaus und Jubel von den Fans in der Arena. Als sein Name bei der Vorstellung der Startformationen aufgerufen wurde, erhob sich das Publikum zu einer beeindruckenden Ovation.

„Das war ziemlich cool. Unsere Fans sind großartig. Sie stehen hinter uns. Das war wirklich etwas Besonderes“, sagte McNabb.

Es sorgte selbst im Umfeld eines Teams voller erfahrener Playoff-Veteranen für Staunen, dass ein McNabb nur zwei Tage nach einer derart schweren Gesichtsverletzung eine solche Leistung abliefert. Seine Rückkehr hinterließ Eindruck.

Superstar Jack Eichel fand nach dem Spiel deutliche Worte. „Man kann gar nicht genug Gutes über ihn sagen. Sein Mut, sein Herz – solche Menschen gibt es heute nicht mehr viele“, lobte Eichel. „Er ist ein unglaublich selbstloser Mensch und besitzt so viel Courage. Ich könnte stundenlang über ihn sprechen. Nach allem, was er durchgemacht hat, zurückzukommen und dann so ein Spiel für uns abzuliefern, ist einfach unglaublich. Er ist seit vielen Jahren ein wichtiger Teil dieser Mannschaft und heute Abend war er riesig für uns.“

Diese Aussagen verdeutlichen, welchen Stellenwert McNabb innerhalb des Teams besitzt. Der 35-Jährige gehört nicht zu den lautesten Spielern der Liga und steht selten im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Doch genau solche Akteure bilden häufig das Fundament erfolgreicher Mannschaften.

„Warrior“ ist noch untertrieben

Besonders beeindruckt zeigte sich auch Trainer John Tortorella. Der erfahrene Coach hat in seiner langen Karriere zahlreiche Playoff-Serien erlebt und viele außergewöhnliche Leistungen gesehen. Dennoch rang ihm McNabbs Auftritt größten Respekt ab.

„Wenn man so weit in den Playoffs kommt, geht es oft gar nicht mehr nur um das Endergebnis. Es geht um den Verschleiß, um alles, was diese Athleten auf sich nehmen müssen, um so viele Spiele zu bestreiten“, sagte Tortorella. „Das sind die Dinge, an die man sich erinnert.“

Dann wurde er noch deutlicher. „Ich habe die Spieler ständig ‚Warrior‘ rufen hören. Er ist sogar noch mehr als das. Ich bin einfach überwältigt davon, wie er das alles gemeistert hat.“

Das Wort „Warrior“ – also Krieger – zog sich wie ein roter Faden durch die Reaktionen nach dem Spiel. Für viele Mitspieler war es die naheliegendste Beschreibung für einen Mann, der nur zwei Tage nach einer Krankenhausbehandlung beinahe 36 Minuten Eiszeit absolvierte.

Dabei hatte McNabb selbst durchaus Zweifel, ob ein Einsatz möglich sein würde. „Als es passiert ist und ich im Krankenhaus war, gab es definitiv Zweifel“, gab er zu. „Aber als ich aufgewacht bin, fühlte ich mich okay. Da wusste ich, dass ich eine Chance haben würde.“

Mehr als nur ein harter Verteidiger

Wer McNabb ausschließlich auf seine Robustheit reduziert, wird seiner Bedeutung für die Golden Knights nicht gerecht. Zwar ist er für seinen körperbetonten Spielstil bekannt, doch seine Qualitäten gehen weit darüber hinaus.

William Karlsson brachte dies treffend auf den Punkt: „Er erzielt Punkte und ist ein hervorragender Verteidiger. Er kann alles. Gegen ihn zu spielen ist unglaublich schwer. Er hat diese lange Reichweite mit seinem Schläger und macht überall auf dem Eis viele kleine, subtile Dinge richtig.“

Auf die Frage, wie hart McNabb wirklich sei, antwortete Karlsson mit zwei einfachen Worten: „He's nails.“ Im nordamerikanischen Eishockeyjargon bedeutet das so viel wie: unerschütterlich, knallhart und nahezu unverwüstlich.

Genau diesen Eindruck hinterließ McNabb in Spiel 3 des Stanley Cup Finales. Trotz Schmerzen, trotz eines ungewohnten Vollvisiers und trotz der Belastung eines langen Playoff-Frühlings war er überall auf dem Eis präsent. Er blockte Schüsse, gewann Zweikämpfe, unterstützte die Offensive und half dabei, eine Partie zu gewinnen, die nach einer verspielt wirkenden 4:0-Führung noch dramatisch wurde.

Die Golden Knights wissen, dass sie auf ihrem Weg zum Stanley Cup noch weitere schwierige Momente erleben werden. Doch der Auftritt von McNabb hat eindrucksvoll gezeigt, welche Mentalität in dieser Mannschaft steckt. Manchmal sind es nicht die spektakulärsten Tore oder die größten Stars, die den Charakter eines Teams verkörpern. Manchmal reicht ein Verteidiger mit 30 Stichen im Gesicht, der sich weigert aufzugeben.

Dieser Kämpfer hat in Spiel 3 nicht nur eine starke Leistung gezeigt. Er hat eine jener Geschichten geschrieben, die im Eishockey noch lange weitererzählt werden. Eine Geschichte über Mut, Opferbereitschaft und den unbedingten Willen, für die Mannschaft alles zu geben. Deshalb bezeichneten ihn seine Mitspieler als „Warrior“.

Nach diesem spektakulären Abend in Las Vegas dürfte kaum jemand widersprechen.

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