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Nach der Saison ist vor der Saison. In 102 Tagen, am 11. Oktober 2022, startet die neue Spielzeit in der NHL. Noch lässt sich nicht absehen, wie genau dann die Kader der 32 Mannschaften aussehen werden. Der NHL Draft 2022 (7./8. Juli) sowie die Eröffnung des Free-Agent-Marktes (13. Juli) bietet die Möglichkeit, die Kader noch einmal ordentlich aufzubessern. Dennoch ist es bereits jetzt absehbar, dass der Stanley Cup Champion Colorado Avalanche und der Finalist Tampa Bay Lightning auch in der Spielzeit 2022/23 stark aufgestellt sein werden.

Im Kern bleiben beide Mannschaften nämlich zusammen. Die Avalanche können auch in der kommenden Saison auf die Top-Stars wie Nathan MacKinnon, Gabriel Landeskog und Mikko Rantanen, um nur drei Beispiele zu nennen, zählen. Dennoch hat General Manager Joe Sakic viel Arbeit vor sich. Die Verträge von insgesamt zwölf Spielern laufen aus. Torwart Darcy Kuemper, Abwehrspieler Nazem Kadri und aus deutscher Sicht Nico Sturm zählen hier zu den namhaftesten Akteuren. Die Aufgabe wird darin bestehen, erneut eine in der Breite gut funktionierende Truppe zusammenzustellen.
Tampa Bay, die 2020 und 2021 den Stanley Cup gewannen, sind weniger von drohenden Abwanderungen betroffen. Lediglich die Verträge von vier Spielern laufen aus. Darunter befindet sich allerdings auch Flügelspieler Ondrej Palat, der vergangene Saison 18 Tore und 31 Assists verbuchte. General Manager Julien BriseBois kündigte bereits an, Palat genauso wie Sturm-Kollege Nicholas Paul und Verteidiger Jan Rutta im Team behalten zu wollen: "Ich hatte bereits mit allen drei Agenten Kontakt und Vorgespräche. Ich weiß, dass alle drei gerne hier bleiben würden und wir sie gerne behalten würden." Selbst wenn das Vorhaben scheitern würde, hätte Tampa Bay eine eingespielte Truppe, die automatisch wieder zum Favoritenkreis zählt.

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Auch für Leon Draisaitl und die Edmonton Oilers wird der Stanley Cup das Ziel sein. Das 0:4 im Western Conference Finale gegen die Avalanche bescherte den Kanadiern zwar ein ernüchterndes Ausscheiden. Dennoch war dies das beste Saisonergebnis seit dem Jahre 2006, als die Oilers im Finale um den Stanley Cup den Carolina Hurricanes unterlagen. Nun enden die Verträge von zehn Spielern, unter anderem auch von dem Stürmer Evander Kane. Trainer Jay Woodcroft hingegen wird der Mannschaft erhalten bleiben. Der am 10. Februar zum Nachfolger von Dave Tippett ernannte Coach unterschrieb einen Dreijahres-Vertrag und blickt mit hohen Ambitionen nach vorne: "Wir wissen, dass viel Arbeit erforderlich sein wird, damit die nächste Saison so wird wie wir es möchten."

NYR@TBL, Sp3: Zibanejad mit dem ersten Treffer

Die New York Rangers werden ebenfalls zu den Titelanwärtern zählen. Nachdem sie in drei von vier Spielzeiten die Playoffs verpasst hatten, gelangten sie diesmal bis in das Eastern Conference Finale und unterlagen nach zwei Auftaktsiegen mit 2:4 gegen Tampa Bay. Die Mannschaft verfügt über einen guten Mix aus Superstars wie Artemi Panarin, Mika Zibanejad und Chris Kreider, hat zudem aber auch entwicklungsfähigen Top-Talenten wie Alexis Lafreniere und Filip Chytil im Kader. In Igor Shesterkin haben die Rangers zudem den amtierenden Gewinner der Vezina Trophy zwischen den Pfosten stehen. Zwar laufen zehn Verträge in der Offseason aus, auf die genannten Spieler trifft das allerdings nicht zu. Die Rangers dürften daher auch kommende Saison zu den Titelanwärtern zählen.
Selbiges dürfte auf die Florida Panthers zutreffen. In der regulären Saison waren sie die punktbeste Mannschaft der gesamten NHL und setzten sich in der 1. Runde des Stanley Cup Playoffs gegen die Washington Capitals durch, unterlagen dann allerdings mit 0:4 gegen Tampa Bay. Elf auslaufende Verträge sorgen allerdings für eine arbeitsreiche Offseason. In Paul Maurice wird es zudem einen neuen Trainer geben, der mit der Mannschaft erst einmal zusammenwachsen muss. Dennoch lässt sich auf die erfolgsreichste Saison seit dem Jahre 1996 aufbauen.
Überhaupt gibt es viele Mannschaften, die der kommenden Spielzeit zuversichtlich entgegenblicken können. Bei den Pittsburgh Penguins dürfte das nicht zuletzt davon abhängen, ob die beiden Routiniers Evgeni Malkin und Kris Letang dem Team erhalten bleiben. Auch andere Teams, wie die St. Louis Blues, die Carolina Hurricanes, die Calgary Flames und die Toronto Maple Leafs, um nur einige Beispiele zu nennen, werden danach streben, in den Playoffs erfolgreicher abzuschneiden als in der zurückliegenden Saison.

Mortiz Seider gewinnt Calder Trophy als bester Rookie

Und selbst mit einigen Mannschaften, die in dieser Saison gar nicht an der K.o.-Phase teilnahmen, könnte in der kommenden Spielzeit zu rechnen sein. Der deutsche Verteidiger Moritz Seider von den Detroit Red Wings, der die Calder Memorial Trophy als bester Rookie gewann, kündigt im Interview mit der "Eishockey News" an: "Bei uns gibt es gerade einen echten Wandel in der Kabine, es entsteht eine Gewinnermentalität. Wir Jungen leisten unseren Beitrag dazu. Es wird Zeit, Detroit endlich wieder in den Playoffs zu sehen."
Es dürfte also eine spannende Saison 2022/23 bevorsteht, wenn die verbleibende Wartezeit von noch 102 Tagen endlich vorüber ist.