„Manchmal muss Anna zu Hause bleiben, damit wir unseren kleinen Date-Abend haben können“, lacht Seider - und man meint, seine Augen durch die dunkle Sonnenbrille durchfunkeln sehen zu können, als er weiter ausführt: „Ich würde ihn als einen meiner engsten Freunde bezeichnen. Es gibt wohl keinen anderen Typen auf diesem Planeten, auf den ich mich in gewissen Situationen besser verlassen könnte. Einfach weil wir zusammen durch dick und dünn gegangen sind. Was ich wirklich an unserer Freundschaft liebe, ist, dass er mit denselben Problemen kämpft wie ich. Ich weiß, dass er mich versteht und auf viele Dinge genauso blickt wie ich. In Detroit habe ich keinen besseren Freund als ihn.“
Der 25-Jährige aus Zell (Mosel) ist längst als Mensch und auch als Spieler gereift. Fast unwirklich wirkt seine Aussage aus dem Jahr 2019, als er frisch in der 1. Runde an 6. Stelle vor dem Management der Red Wings steht und sagte zu seiner Gefühlslage: „Ich war geschockt und habe am ganzen Körper gezittert.“
Heute und eigentlich schon seit seinen ersten NHL-Spielen ab der Saison 2021/22 zittern eher seine Gegenspieler vor ihm. Mit 1,92 Metern und 96 Kilogramm blockt der Rechtsschütze nicht nur viele Schüsse, sondern teilt unfassbar harte Checks und Reverse-Hits aus. Nicht nur als Abwehrchef, sondern auch als Führungsspieler ist er in Detroit unverzichtbar geworden. Im zweiten Jahr in Folge trägt er das „A“ für den Assistenzkapitän auf dem Trikot. Aus der Ruhe scheint Calder Trophy-Gewinner von 2022 (Rookie des Jahres) nichts mehr bringen zu können.
„Früher habe ich jedes Schläfchen gebraucht, das ich halten konnte. Einfach weil du so viel Einsatz in jeden Schritt gesteckt hast“, blickt Seider auf seine Anfänge in der NHL zurück. „Jetzt denkst du darüber nicht mehr nach, sondern stellst sicher, dass sich alle anderen wohlfühlen und sich. Früher hast du selbst andere um Hilfe gebeten, jetzt ist es genau andersherum: Du willst für jeden da sein, jede Frage beantworten und insbesondere den jungen Spielern helfen.“