COL 8, MTL 4

Mit einem 8:4-Erfolg bei den Montreal Canadiens hat Titelverteidiger Colorado Avalanche seine vier Spiele andauernde Auswärtstour in dieser Woche begonnen, die die Mannschaft außerdem noch nach Toronto, Ottawa und Detroit führen wird. Großen Anteil am fulminanten Sieg hatte Artturi Lehkonen. Der Finne, einst in Diensten der Canadiens, traf doppelt und bereitete einen Treffer vor. Allerdings war er auch für die Hiobsbotschaft in Reihen des Teams aus Denver "verantwortlich".

Es ist nicht die Regel, dass Spieler, die die Mannschaft verlassen, bei ihrer Rückkehr mit einem anderen Team von den Fans in der ehemaligen Heim-Halle mit Applaus empfangen werden. Bei Lehkonen war das im Bell Centre zu Montreal am Montag der Fall. Der Finne kam zur Spielzeit 2016/17 in die NHL, trug in seinen ersten sechs Saisons das Trikot der Canadiens und wechselte in der vergangenen Saison am 21. März 2022 nach Denver. Dort hatte er mit acht Toren und sechs Vorlagen in den Playoffs wesentlichen Anteil daran, dass die Lawine zum dritten Mal in ihrer Franchisegeschichte den Stanley Cup holte. Und auch den Fans in Montreal ist er eben gut in Erinnerung geblieben. Vor allem wohl auch wegen seines Tores, das in den Stanley Cup Playoffs 2021 die Serie gegen die Vegas Golden Knights entschied.
Für den Finnen war es der erste Auftritt in Montreal seit seinem Wechsel nach Colorado. Und die Rückkehr hätte nicht besser laufen können. Zunächst jedenfalls. Der Stürmer aus Piikkio hatte großen Anteil daran, dass der Titelverteidiger quasi nach dem ersten Drittel durch war mit der Partie und zwei wichtige Punkte im Kampf um die Qualifikation für die Playoff-Plätze einfuhr und wurde zudem von den Canadiens im ersten Drittel ob seiner Verdienste geehrt. Lehkonen (2), Bowen Byram und Matt Nieto sorgten bei einem Gegentreffer von Josh Anderson zur ersten Drittelpause für einen beruhigenden 4:1-Vorsprung der Gäste.
Die beiden Treffer des Rückkehrers fielen nach dem gleichen Muster: Er parkte vor dem Tor und fälschte die Schüsse, die kamen, geschickt ab. Beim ersten Tor musste man ganz genau hinschauen, beim zweiten war es schon deutlicher zu sehen. Es waren die Saisontreffer 19 und 20 für Lehkonen, der zum einen seine persönliche Bestleistung für eine Saison aufstellte und zum anderen jetzt bei 100 Treffern in seiner NHL-Karriere liegt.
"Ich weiß nicht, ob ich jemals Fans so laut habe jubeln hören, wenn ein Spieler des anderen Teams ein Tor erzielt", beschrieb Avalanche-Verteidiger Cale Makar die Situation nach den Treffern des Teamkollegen. "Das war eine coole Erfahrung. Es hat sich angefühlt, als ob wir zu Hause spielen würden."
Diesen Eindruck teilte auch Avalanche-Stürmer Logan O'Connor: "So laut habe ich noch kein Publikum einen Spieler des Gegners anfeuern hören. Vor allem in Montreal macht man das in der Regel nicht." Aber Lehkonen bedeute der Organisation viel und habe in seinen sechs Jahren dort einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Der Coach war dagegen nicht sonderlich überrascht, dass die Fans seinem Schützling so einen warmen Empfang bereiteten: "Er ist ein Spieler, der so hart wie möglich spielt, in jeder Situation und an jedem Abend. Wir haben ihn in Denver ins Herz geschlossen und es überrascht mich nicht, dass sie das hier in Montreal auch getan haben."
Bei den Gästen war man mit dem Auftritt im ersten Abschnitt verständlicherweise zufrieden. "Genauso hatten wir uns den Start vorgestellt", meinte O'Connor, der zwei Treffer vorbereitete. Allerdings habe man gegen Ende der Partie etwas nachgelassen. "Im dritten Drittel hätten wir kompakter und besser spielen können. Aber wir sind definitiv zufrieden mit dem Sieg zum Start dieses Vier-Spiele-Road-Trips."
Bei Montreal sah Coach Martin St. Louis dagegen, dass sein Matchplan nicht aufging: "Colorado ist ständig in Bewegung. Im Angriff wechseln sie permanent die Positionen. Das kann sehr verwirrend sein. Wir sind dann davon abgekommen, wie wir es eigentlich verteidigen wollten. Wir waren so mit den ganzen Positionswechseln beschäftigt, anstatt bei unserem Plan in der Defensive zu bleiben." Allerdings habe er im weiteren Verlauf der Partie durchaus zur Kenntnis genommen, dass sich sein Team gesteigert habe. Vor allem im dritten Drittel sei es eine gute Leistung gewesen.
Colorado sorgte im Mittelabschnitt durch Mikko Rantanen und J.T. Compher bei einem Gegentor von Denis Gurianov für noch klarere Verhältnisse. Für Rantanen war es der 34. Treffer in dieser Saison bei numerischer Gleichzahl auf dem Eis. Damit führt er gemeinsam mit Connor McDavid (Edmonton Oilers) die Liga in dieser Kategorie an und ist außerdem erst der vierte Spieler in der Geschichte der Quebec Nordiques/Colorado Avalanche, dem das in einer Saison gelingt. Vor ihm waren das Michel Goulet, Peter Stastny und Jacques Richard. Goulet war mit 38 solcher Tore der bislang letzte Spieler der Franchise in der Saison 1984/1985, dem das gelang.

COL@MTL: MacKinnon nimmt Tempo auf und trifft im PP

Im Schlussabschnitt trafen beide Teams jeweils zweimal. Nathan MacKinnon verlängerte dabei mit seinem Treffer zum zwischenzeitlichen 7:2 seine Serie von Spielen mit einem Tor auf jetzt fünf. Zudem verbuchte er zwei Assists, womit er zum fünften Mal in seiner Karriere die 80-Scorerpunktemarke knackte. Valeri Nichushkin sorgte für den Schlusspunkt bei den Gästen, nachdem Jesse Ylonen und Mike Matheson für die Gastgeber Ergebniskosmetik betrieben hatten.
Also alles eitel Sonnenschein bei Colorado? Nein, und auch dafür zeichnete Lehkonen "verantwortlich". Denn er musste mit einem gebrochenen Finger die Partie vorzeitig beenden. "Er wird am Dienstag von Toronto aus zurückfliegen und dann am Tag drauf operiert", informierte Bednar. Wie lange sein Schützling ausfalle, könne er noch nicht sagen. Da müsse man den Verlauf der Operation abwarten. Für die Avalanche ist das in der Schlussphase der Saison ein herber Verlust. Allerdings hat das Team im Lauf der Saison gelernt, mit Verletzungen umzugehen. Makar, MacKinnon und Nichushkin fielen schon länger aus. Verteidiger Josh Manson ist immer noch nicht spielbereit. Und Kapitän Gabriel Landeskog kam verletzungsbedingt noch gar nicht zum Einsatz.
Trotz allem wird man sich bei Colorado über die zwei Punkte freuen. Denn die sorgten dafür, dass das Team aus Denver mit 80 Punkten als Dritter der Central Division geführt wird und die Winnipeg Jets auf einen Wild Card-Platz verdrängte. Und anders als in der Eastern Conference ist es im Westen sehr viel enger an der Spitze. Denn bis zu den Dallas Stars an der Spitze der Central Division fehlen dem Team von Bednar nur sieben Zähler, zu den Minnesota Wild auf Platz zwei gar nur vier. Und: Colorado hat derzeit zwei Partien weniger ausgetragen als die beiden Teams davor. Das beste Team im Westen sind die Vegas Golden Knights, die mit 88 Punkten die Pacific Division anführen.