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Wenn der Anruf aus der NHL kommt…

Das Hochziehen aus den unteren Ligen eröffnet Spielern und Klubs eine große Chance

von Christian Rupp @IamCR1 / NHL.com/de Freier Autor

Die Plätze in den Kadern der jeweiligen NHL-Teams sind begrenzt. Überzählige Spieler, die es nicht ins Spieltags-Aufgebot schaffen, müssen entweder als "Healthy Scratch" von der Tribüne aus zusehen oder sie erhalten Spielpraxis in den Farmteams, die in den unteren Ligen (Minor Leagues), wie etwa der AHL (American Hockey League) am Spielbetrieb teilnehmen. Kommt dann irgendwann der Anruf aus der NHL, bedeutet das eine große Chance für die betreffenden Spieler und den Klub.

Eine Win-Win-Situation

Das Hochziehen von Spielern in die NHL bietet beiden Seiten große Möglichkeiten: Der Klub kann auf Verletzungen reagieren oder mit so einer Personalrochade einen Weckruf an die etablierten Spieler abgeben. Neue Spieler aus dem Farmteam sorgen oft für eine Blutauffrischung, bringen andere Qualitäten ein und können in Rollen schlüpfen, die aktuell gefragt sind. Auch bietet es den Trainern die Möglichkeit, etwa vor Back-to-Back-Spielen dem einen oder anderen Akteur eine Verschnaufpause zu geben. Der Einsatz von Farmspielern dient auch als Qualitätsprüfung für junge Talente oder "geparkte" Spieler, um zu sehen, wie viel Klasse die Organisation in der Tiefe noch in der Hinterhand hat.

 

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Für die Spieler selbst ist der Anruf aus der NHL ebenfalls eine große Chance: Zum einen können sich vielsprechende Jungs auf einem höheren Niveau zeigen und beweisen, dass sie schon bereit für diesen Schritt sind. Zum anderen geht es darum, Druck auf die etablierten Spieler zu machen, eine aussagekräftige Visitenkarte abzugeben und beim Trainer einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen bzw. sich dauerhaft für höhere Aufgaben zu empfehlen.

Draisaitl als Musterbeispiel

Als Musterbeispiel für einen erfolgreichen Aufstieg aus den Minor Leagues in die NHL ist der Deutsche Leon Draisaitl. In der Saison nach seinem Draft (2014 in der 1. Runde an 3. Stelle) kam der Kölner sowohl in der NHL (37 Spiele, zwei Tore, sieben Assists) als auch in der WHL (32 Spiele, 19 Tore, 34 Assists) zum Einsatz und konnte in der Juniorenliga weiter reifen. Auch ein Jahr später, in der Spielzeit 2015/16, musste sich Draisaitl in der AHL (sechs Spiele, ein Tor, ein Assist) für ein dauerhaftes NHL-Engagement (72 Spiele, 19 Tore, 32 Assists) beweisen, spielte sich dann aber fest. In den nächsten Jahren etablierte sich der Center als Stammspieler und stieg spätestens seit 2018/19 zum Superstar der Liga auf. Ein Leon Draisaitl in der AHL? Heute ist das undenkbar.

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Der augenscheinliche "Rückschritt" in die Minor Leagues kann sich im Nachhinein also auch als Vorteil entpuppen. Auf eine solche Entwicklung hofft mit Lean Bergmann derzeit ein weiterer Deutscher. Der 21-Jährige, im Sommer von den Iserlohn Roosters aus der DEL statt zu den Adlern Mannheim zu den San Jose Sharks gewechselt, durfte in den ersten sechs Spielen in der NHL ran (ein Assist). Danach ging es für Bergmann eine Etage tiefer in die AHL. Beim San Jose Barracuda aber macht der Flügelstürmer schon wieder Lust auf mehr: In vier Partien sammelte Bergmann sechs Scorerpunkte (drei Tore, drei Assists). Macht er so weiter, dürften ihn die kriselnden Sharks (4-8-1) bald zurückholen.

Ein weiteres aktuelles Beispiel findet sich bei den Chicago Blackhawks. Kirby Dach, im Frühjahr 2019 hinter den Millennium-Talenten Jack Hughes (New Jersey Devils) und Kaapo Kakko (New York Rangers) an Stelle drei ausgewählt, musste die Saison 2019/20 in der AHL bei den Rockford IceHogs starten (drei Spiele, kein Scorerpunkt), wurde danach aber in die NHL hochgezogen und machte sechs Spiele für die Blackhawks (ein Tor, ein Assist). Der 18-jährige Mittelstürmer scheint sich in Chicago festgespielt zu haben.

Aktuelle Fälle: Rubtsov, Boqvist, Hannikainen

An diesen Fällen wollen sich nun auch andere Spieler orientieren. So wurden etwa die beiden Erstrunden-Picks, Stürmer German Rubtsov (2016 an 22. Stelle) von den Philadelphia Flyers und Verteidiger Adam Boqvist (2018 an achter Stelle) von den Blackhawks, vor dem anstehenden Spieltag in den NHL-Kader berufen. Der 21-jährige Russe machte in sieben Spielen (ein Tor, fünf Assists) für die Lehigh Valley Phantoms in der AHL auf sich aufmerksam. Der 19-jährige Schwede spielte dort sechsmal für die IceHogs (ein Tor), bevor der Anruf aus Chicago kam.

 

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Während das Duo vor dem jeweiligen NHL-Debüt steht, hofft Markus Hannikainen, sich nun dauerhaft in der NHL festspielen zu können. Das Wechselspiel zwischen NHL und AHL macht der 26-jährige Finne nun schon in der fünften Saison mit. In der laufenden Spielzeit musste der Außenstürmer zunächst in der AHL für die Cleveland Monsters ran (fünf Spiele, ein Tor, drei Assists) und wurde nun erneut von den Blue Jackets hochgezogen. Hannikainen ist gekommen, um zu bleiben und hofft, dass dies vorerst der letzte Anruf aus Columbus war.

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