"Als Mannschaft war es natürlich keine gute Saison. Aber ich wusste schon, als ich hier unterschrieben habe, dass wir im Rebuild sind und sein werden", sagte Sturm nach einer frustrierenden Spielzeit im Gespräch mit NHL.com/de. "Persönlich habe ich es recht gut gemacht, glaube ich. Ich wollte in die Rolle des Drittreihen-Centers rutschen. Das ist mir auch gelungen. Ich konnte offensiv mehr zeigen, ein paar Tore schießen und habe mit mehr Selbstvertrauen gespielt."
In 74 Spielen verzeichnete der Blondschopf 26 Scorerpunkte (14-12-26) und spielte damit die punktbeste Saison seiner NHL-Karriere. "Früher hatte ich nur neun, zehn Minuten Eiszeit, jetzt spiele ich 14 bis 17 Minuten pro Partie, darf auch im zweiten Powerplay ran. Deshalb ist es nicht so überraschend, dass ich jetzt meine beste Saison gespielt habe, dann das kommt ganz von selbst, wenn du mehr auf dem Eis stehst", erklärte Sturm.
Doch nicht nur auf dem Eis, sondern auch in der Kabine übernimmt der 1,91 Meter große Linksschütze immer mehr Verantwortung. Insbesondere die jüngeren Spieler blicken zum Stanley Cup Champion auf und nehmen sich ein Beispiel an dessen Berufseinstellung und Arbeitsmoral. "Die Jungen brauchen genauso wie ich damals Spieler, von denen sie sich abschauen können, wie sie trainieren, wie sie sich vorbereiten und wie sie mit Menschen umgehen sollten. So ein Spieler will ich sein für unsere jungen Leute, die im Zuge des Umbruchs jetzt nachkommen", so Sturm "Ich bin hier mehr in eine Führungsrolle geschlüpft und soll diese gerade im Hinblick auf die neue Saison ausführen."
Neue Reihe mit schnellen Talenten
Sturms Rolle dürfte nach diesem Sommer sogar noch wichtiger und tragender werden, denn die Sharks haben mit Erik Karlsson den nächsten erfahrenen Spieler abgegeben (Trade zu den Pittsburgh Penguins). Dafür kamen eine Reihe neue Flügelspieler, die in die Top 9 im Angriff drängen. Für Sturm bedeutet das wohl neue Mitspieler. Denkbar wäre etwa eine dritte Reihe mit Fabian Zetterlund (23 Jahre) und Filip Zadina (23). Vielleicht bekommt der Deutsche auch jüngere Talente wie William Eklund (20) oder Thomas Bordeleau (21) an die Seite gestellt. Allesamt schnelle, kreative und trickreiche Spieler, die von Sturms Erfahrung profitieren und gleichzeitig dem Scoring des Augsburgers einen weiteren Schub verpassen könnten.
Wie wertvoll Sturm als Spieler ist, zeigte sich bei der Weltmeisterschaft 2023 in Finnland und Lettland: In zehn Partien für die DEB-Auswahl war er bester Torjäger (sechs Treffer, wie JJ Peterka von den Buffalo Sabres), drittbester Scorer (acht Punkte, wie Marcel Noebels von den Eisbären Berlin) und gewann schlussendlich mit dem Team sensationell die Silbermedaille. Die erste WM in Sturms Karriere dürfte bei ihm weitere Reifeprozesse eingeleitet haben, von denen nun die Sharks profitieren.
Deutsche Gesellschaft und ein klares Ziel
Die Verantwortlichen in San Jose jedenfalls wissen, was sie an ihrer Nummer 7 haben. "Sie finden, dass ich es gut gemacht habe. Ich soll weiter mein Ding machen und weiter so trainieren und mich aufs Spiel vorbereiten, wie ich es getan habe. Dies ist unglaublich wichtig für die Kultur in einer Organisation und war genau das, was hier zuvor gefehlt hatte", verriet Sturm, der von den Fans ebenfalls sehr geschätzt wird.
Bei den Sharks wird der Rebuild weiter vorangetrieben - abgeschlossen ist dieser langwierige Prozess aber noch nicht. Nach einer glanzlosen Saison 2022/23 (Matchbilanz 22-44-16) könnte das nächste schwere Jahr bevorstehen. Sturm hat für sich und seine Mannschaft jedoch ein klares Ziel gesetzt: "Wir wollen am Ende der neuen Saison auf jeden Fall das Gefühl haben, dass es in die richtige Richtung gegangen ist und wir weiter sind als im Jahr zuvor."