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Neuer Anlauf im kommenden Jahr

Die Ducks waren enttäuscht, doch ihr Zeitfenster für einen Cup-Gewinn ist noch nicht geschlossen

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

Neun Jahre, elf Monate und 17 Tage nach ihrem Stanley Cup Triumph von 2007 herrschte in der Kabine der Anaheim Ducks Trauerstimmung, den Spielern, unabhängig davon, ob sie nun mit einem in die Leere starrenden Blick das Geschehen um sich kaum wahrnahmen oder den Reportern Rede und Antwort standen, war die Enttäuschung über das eben Geschehene nicht nur ins Gesicht geschrieben, sondern sie machten auch keinen Hehl daraus, wie sehr sie die 3-6 Niederlage in Spiel 6 des Western Conference Finales gegen die Nashville Predators schmerzt.

"Das ist schon extrem bitter, wenn du so gut spielst, sogar noch zurückkommst und dann ein solches Tor kassierst", sagte Anaheims Stürmer Ryan Kesler.

Gemeint war Colton Sissons' Treffer zum 4-3, just in jenem Moment als die Strafe gegen Nashvilles Verteidiger Roman Josi abgelaufen war und die Ducks erneut nicht von einem Überzahlspiel profitieren konnten.

Für Kesler, der zur Saison 2014/15 von den Vancouver Canucks nach Anaheim gewechselt war, endete damit zum neunten Mal in seiner 13-jährigen NHL-Karriere der Traum von einem Cup-Gewinn vorzeitig. Zum zweiten Mal nach 2015 scheiterte er mit den Ducks im Western Conference Finale.

Video: ANA@NSH, Sp6: Kase trifft nach Getzlafs Vorlage

Die Ducks waren im vergangenen Jahrzehnt eine der stärksten Mannschaften in der Western Conference. Seit der Saison 2006/07 gewannen nur die Chicago Blackhawks (76) mehr Playoffpartien als die Franchise aus dem Orange County (61), die sich in dieser Zeitspanne neunmal für die Stanley Cup Playoffs qualifizieren konnte. Mit der Wiederverpflichtung ihres Meistermachers Randy Carlyle als Chefcoach wollte es das Management der Ducks in dieser Saison noch einmal wissen. Die Ducks schlossen mit dem siebtteuersten Kader der Liga die Pacific Division als Tabellenerster ab, nun sollte in den Stanley Cup Playoffs der ganz große Wurf gelingen.

Die Mischung zwischen erfahrenen und jungen aufstrebenden Spielern passte, doch in den Playoffs entscheiden zwischen Jubel und Betrübtheit häufig nur Nuancen.

"Wir waren gut genug, um heute zu gewinnen. Sie hatten Jungs, die gute Arbeit verrichtet haben und wir auch. Ich glaube nicht, dass heute die bessere Mannschaft gewonnen hat. Es spielt aber nun auch gar keine Rolle mehr, was ich glaube. Sie sind weiter und wir fahren nach Hause", trauerte Kesler der vergebenen Chance nach.

Werden die Ducks im kommenden Jahr erneut ihrem Traum so nah kommen können oder schließt sich langsam das Zeitfenster für Getzlaf & Co.?

Teamkapitän Ryan Getzlaf und Rechtsaußen Corey Perry wurden im Mai 32 Jahre alt, Kesler feiert im August seinen 33. Geburtstag. Es gab in der regulären Saison und in den anschließenden Playoffs keinen Grund für die Annahme, dass die drei Führungsspieler der Ducks ihren Zenit bereits überschritten haben. Klar verlief die Saison 2016/17 für Perry mit 19 Toren und 53 Scorepunkten - seiner schlechtesten vollen Spielzeit seit 2006/07 - nicht optimal, doch in den Playoffs war er mit drei Game Winnern zur Stelle, als es darauf ankam.

Getzlaf zählt immer noch zu den besten Spielmachern der Liga - und er übernimmt Verantwortung. Mit acht Toren und elf Assists führt er sogar die teaminterne Playoffscorerwertung der Ducks an. Kesler erzielte zwar in der Postseason nur einen Treffer (1T, 7A), kann aber mit 22 Toren und 36 Vorlagen in 82 Partien auf seine beste Spielzeit seit der Saison 2011/12 zurückblicken.

Der Kader der Ducks ist keineswegs überaltert. Die sportliche Führung der Ducks hat in den vergangenen Jahren, auch durch geschickte Trades, vorgesorgt. Mit einem prognostizierten Altersdurchschnitt von knapp über 28 Jahren liegen die Ducks in der kommenden Saison im Ligamittelfeld.

 Video: NSH@ANA, Sp2: Silfverberg versenkt Rakells Vorlage

Der schwedische Außenstürmer Jakob Silfverberg, 26, bestritt mit 23 Toren und 49 Scorerpunkten die stärkste Saison seiner sechsjährigen NHL-Laufbahn, die 2011/12 bei den Ottawa Senators begann. Rickard Rakell, 24, hatte mit 33 Toren und 51 Scorerpunkten eine Durchbruchsaison. In den anschließenden Playoffs brachte es der Center auf sieben Tore und sechs Assists, womit er hinter Getzlaf und seinem Landsmann Silfverberg (9T, 5A) die Playoffs als Anaheims drittbester Scorer abschließen konnte. Anaheims tschechischer Rookie Ondrej Kase, 21, kam in Spiel 2 und 6 gegen die Predators zu seinen ersten zwei Playofftreffern

Auch die Defensivabteilung der Ducks ist keineswegs überaltert. Cam Fowler und Sami Vatanen sind gerade einmal 25 Jahre, der Schwede Hampus Lindholm feierte im Januar sein 23. Wiegenfest und Rookie Shea Theodore, 21, der noch lange nicht seinen Leistungszenit erreicht hat, erwies sich bereits in diesen Playoffs als zuverlässige Größe im Abwehrverbund der Südkalifornier. Auf der Torhüterposition verfügen die Ducks mit John Gibson über einen 23-jährigen Schlussmann, der zu einer echten Nummer 1 herangewachsen ist.

Wer vermutet, dass die Ducks auch im kommenden Jahr, wieder zu den Titelanwärtern gehören werden, lehnt sich wahrlich nicht zu weit aus dem Fenster.

"Es ist das Schlimmste im Eishockey, wenn die Saison vorüber ist und du nicht den Cup in deinen Händen hältst. Es spielt keine Rolle in welcher Runde du ausscheidest. Es tut einfach nur weh", beschrieb gestern Abend Getzlaf seine Gefühle."

Sobald sein Schmerz verklungen ist, wir ihm klar werden, dass er mit diesen Ducks in der kommenden Saison einen neuen Anlauf auf die begehrte Eishockeytrophäe starten kann.

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