Zehn Geschichten vor dem NHL Draft 2020
Talente aus Deutschland, Österreich und der Schweiz möchten beim NHL Draft 2020 am 6. und 7. Oktober gepickt werden.

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Wird Tim Stützle der höchste deutsche Pick aller Zeiten?
Leon Draisaitl wurde beim NHL Draft 2014 an Position 3 ausgewählt und ist seitdem der höchste deutsche Pick aller Zeiten. Tim Stützle von den Adler Mannheim könnte dies übertreffen. Mag Alexis Lafrenier als sicherer Nummer-1-Pick gelten, so deutet sich dahinter ein Zweikampf zwischen Flügelstürmer Stützle und Center Quinton Byfield an. Letzterer spielte zuletzt in der OHL für die Sudbury Wolves und hatte in 45 Spielen 32 Tore und 50 Assists zu verbuchen. Stützle kam in der deutlich stärker anzusiedelnden DEL in 41 Spielen auf 7 Tore und 27 Assists.
Stützle könnte bei Marco Sturm landen
Würde Stützle wirklich an Position 2 gepickt werden, hätte das noch einen weiteren Vorteil: Er würde unter die Obhut des ehemaligen deutschen Bundestrainers Marco Sturm gelangen, der bei den Los Angeles Kings als Co-Trainer beschäftigt ist. Gegenüber der Eishockey News sagte der frühere NHL-Star: "Unsere Scouts und unser komplettes Management hatten in den letzten Monaten immer wieder Kontakt zu Tim, haben alles von ihm verfolgt und wie auch die anderen Teams Gespräche mit ihm geführt. Wir warten jetzt nur noch auf den ersten Draft-Tag."
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Marco Rossi auf den Spuren von Thomas Vanek
1029 Spiele, 373 Tore, 416 Punkte - Thomas Vanek gilt zurecht als der beste österreichische Eishockeyspieler aller Zeiten. Marco Rossi könnte sein Nachfolger werden. Vanek wurde im Jahre 2003 an Position 5 gepickt. In einer ähnlichen Region dürfte Rossi landen, der in der kanadischen Junioren-Liga OHL für die Ottawa 67's spielt. "Thomas hat dem gesamten Eishockey in Österreich über viele Jahre hinweg viel geholfen. Es war schon immer mein Traum ihm nachzueifern", sagt Rossi, gibt aber zu bedenken: "Als Spieler kann ich mich nicht mit ihm vergleichen. Wir sind einfach unterschiedliche Typen."
Drei deutsche Talente könnten in Runde 1 gepickt werden
Der Draft 2020 könnte aus deutscher Sicht historisch werden. In Stützle, John-Jason Peterka und Lukas Reichel gibt es gleich drei potenzielle Erstrunden-Picks. Peterka, der vom DEL-Team EHC Red Bull München an EC Red Bull Salzburg nach Österreich verliehen wurde, weiß die Situation allerdings richtig einzuschätzen. "Es wäre natürlich großartig, in der ersten Runde gezogen zu werden", sagt er in der Eishockey News. "Aber wenn es nicht so kommt, ist es auch kein Drama. Es kommt darauf an, wie man sich danach verkauft, wie man sich weiterentwickelt, das ist wichtiger."
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Lukas Reichel dürfte seinen Onkel übertreffen
Lukas Reichel stammt aus einer echten Eishockey-Familie. Sein Vater Martin war ebenfalls Profi in Deutschland. Sein älterer Bruder Thomas steht genauso wie Lukas bei den Eisbären Berlin unter Vertrag. Die erfolgreichste Karriere legte allerdings sein Onkel Robert Reichel hin: Der frühere tschechische Spielmacher absolvierte in der NHL 830 Hauptrundenspiele für die Calgary Flames, die New York Islanders und die Toronto Maple Leafs. Gedraftet wurde Robert im Jahre 1989 in Runde 4. Hier dürfte Lukas seinen Onkel übertreffen.
Vier Österreicher träumen von der NHL
Rossi ist nicht der einzige Österreicher, der dem NHL Draft 2020 entgegenfiebert. In Verteidiger Thimo Nickl von den Drummondville Voltigeurs (QMJHL), Stürmer Senna Peeters von den Halifax Mooseheads (QMJHL) und Stürmer Benjamin Baumgartner vom HC Davos (NL in der Schweiz) gibt es noch drei weitere junge Österreicher, die ausgewählt werden könnten. "Es ist Vorfreude, auch ein wenig Nervosität", sagte Nickl gegenüber der APA zu seiner Gefühlslage vor dem Draft und fügte hinzu: "Was passieren wird, kann ich jetzt nicht mehr beeinflussen."
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Davide Fadani: Der italienische Torwart aus der Schweiz
Er stammt aus Mailand, durchlief aber ab der U-15 die Nachwuchsabteilung des Schweizer Profivereins Lugano. Nun möchte Davide Fadani den Sprung in die NHL schaffen. Dass er bei der U20-Junioren-Weltmeisterschaft der Division I 2019 als bester Torhüter ausgezeichnet wurde, unterstreicht seine Qualität. Nachdem er vergangene Saison beim Draft nicht ausgewählt wurde, soll es diesmal klappen. "Von meinem Agenten und meinem Torhütertrainer Paolo Della Bella weiß ich, dass viele Teams nach mir gefragt haben", sagt er. "Es ist schwer zu sagen, wer das größte Interesse hat, aber wir sind angesichts des Drafts nächste Woche für ein gutes Ergebnis optimistisch."
Schweizer sind beim Draft weniger vertreten als sonst
Insgesamt sind die Schweizer beim NHL Draft 2020 weniger stark vertreten als in früheren Jahren. Die Feldspieler Simon Knak vom HC Davos (NL in der Schweiz), Theo Rochette von den Quebec Remparts (QMJHL) und Dario Allenspach aus der U 20 des EV Zug (Schweiz) gelten als Kandidaten für die späteren Runden. Doch das Gute ist: Ein später Pick schließt eine erfolgreiche NHL-Karriere bekanntermaßen nicht aus. Der ehemalige Schweizer NHL-Star Mark Streit wurde in der neunten Runde an 262. Position gedraftet.
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Glötzl ist die deutsche Verteidiger-Hoffnung
Maximilian Glötzl ist der einzige deutsche Verteidiger im Draft Prospect Ranking. Der 18-Jährige absolvierte vergangene Saison seine ersten beiden Spiele in der DEL für die Kölner Haie. Bezüglich der Draft-Position bleibt er gelassen. "In erster Linie wäre es eine große Ehre, überhaupt gedraftet zu werden. Dann ist es praktisch egal, in welcher Runde man ausgewählt wird", sagt er. "Aber laut den Infos, die ich habe, könnte ich zwischen der 4. und 6. Runde gedraftet werden."
DNL-Torschützenkönig Florian Elias: Erst der Profi-Vertrag, dann die NHL?
Bei dem Hype um die Ausnahmetalente Stützle, Peterka und Reichel kommen andere Nachwuchshoffnungen in der öffentlichen Wahrnehmung zu kurz. So zum Beispiel der deutsche Florian Elias, der im Draft Prospect Ranking unter den European Skaters an Position 109 gelistet ist. Der Spielmacher wurde vergangene Saison mit 26 Treffern Torschützenkönig der DNL und erhielt im Sommer einen Profivertrag bei den Adler Mannheim. "Er ist technisch sehr versiert und torgefährlich, besitzt aber auch das Auge für seine Mitspieler", lobt Adler-Manager Jan-Axel Alavaara. Sollten das die General Manager der NHL genauso sehen, dürfte Elias in einer späteren Runde gepickt werden.

















