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Vegas mit historischem Saisonstart

Was die Golden Knights von anderen Expansion Teams unterscheidet

von Christian Rupp @IamCR1 / NHL.com/de Autor

In den letzten 26 Jahren wurde die NHL um neun Mannschaften auf insgesamt 31 Teams erweitert. Die jeweiligen Liga-Neulinge waren in ihrer Debüt-Saison fast ausnahmslos Punktelieferanten. Dieses Gesetz möchte nun die jüngste NHL-Franchise brechen: Die Vegas Golden Knights legten den besten Saisonstart eines Expansion Teams seit 100 Jahren hin - und haben Lust auf mehr.

Kanonenfutter im ersten Jahr

1991 startete in der NHL eine neue Ära der Erweiterung: Binnen drei Jahren wuchs die Liga durch die neuen Teams San Jose Sharks (1991), Ottawa Senators, Tampa Bay Lightning (beide 1992), Florida Panthers und Mighty Ducks of Anaheim (beide 1993) auf 26 Teams an. Eine zweite Welle spülte zwischen 1998 und 2000 mit den Nashville Predators (1998), Atlanta Thrashers (1999), Columbus Blue Jackets und Minnesota Wild (beide 2000) vier weitere Klubs in die beste Eishockey-Liga der Welt. 2017 kam mit den Vegas Golden Knights die 31. Franchise hinzu.

Bislang hatten es diese Expansion Teams in ihrem ersten Jahr fast ausnahmslos schwer: Keine einzige Mannschaft qualifizierte sich für die Play-offs. Am nähesten heran kam noch Florida, das die Endrunde nur um einen Punkt verpasste. Ansonsten waren die Neulinge vor allem eines: Punktelieferanten. San Jose (17-58-5), Tampa Bay (23-54-7), Ottawa (10-70-4), Nashville (28-47-7), Atlanta (14-61-11), Columbus (28-39-15) und Minnesota (25-39-18) schlossen jeweils als letzter ihrer Division ab. Dieses Schicksal traf also sieben der neun neuen Klubs - nur Florida (32-34-18) und Anaheim (33-46-5) schafften es zumindest auf Rang vier.

Das macht die Golden Knights so stark

Auch die Mannschaft aus Las Vegas wurde vor der Saison als krasser Außenseiter tituliert, doch die Golden Knights straften die Kritiker bislang Lügen: Die 5-1-0-Bilanz nach sechs Spielen bedeutet gar den besten Saisonstart eines Expansion Teams seit 100 Jahren: Zuletzt schafften auch die Montreal Canadiens in der Saison 1997/98 einen solchen Sahnestart - allerdings wurde den Habs damals ein Sieg "geschenkt", weil die Arena des Gegners abbrannte. "Ich denke, wir sind besser als die Leute es erwartet haben", sagt Vegas-Coach Gerard Gallant.

Video: BOS@VGK: Subban beraubt Marchand mit tollem Save

Doch was machen die "goldenen Ritter" besser als die anderen Neulinge? Zunächst einmal ist das Goaltending bislang richtig stark: Sowohl Starter Marc-Andre Fleury (2,48 Gegentore/Spiel, 92,5 Prozent Fangquote) als auch Backup Malcolm Subban (2,42, 91,1 Prozent) sind sichere Rückhalte. Auch die Abteilung Offensive lässt es mit 3,33 Toren pro Partie ordentlich krachen. Die Kadertiefe war durch den Expansion Draft gegeben, nicht aber die Qualität in der Spitze. Hier schlüpften viele Spieler in neue Rollen, übernahmen mehr Verantwortung und wuchsen über sich hinaus. "Ich bin ziemlich beeindruckt", so Gallant. "Die Jungs arbeiten hart und wir haben viele gute Hockeyspieler."

Das größte Plus ist aber der Teamgeist: Obwohl die Mannschaft komplett neu zusammengestellt wurde, sind aus Fremden längst Freunde geworden. Hinzu kommt eine Menge Euphorie, immerhin sind die Golden Knights die erste Major-League-Franchise überhaupt in der Zockerstadt Las Vegas. Wie groß die Sehnsucht nach einem Profiteam in der Wüste Nevadas war, ist in jedem Heimspiel zu sehen und zu hören - die Vegas-Fans flippen völlig aus, sorgen für ohrenbetäubenden Lärm und haben sich längst in ihre Golden Knights verliebt. Auch das tragische Massaker bei einem Musikfestival kurz vor dem Saisonstart hat dafür gesorgt, dass die Stadt, seine Bewohner und auch die Spieler noch einmal enger zusammengerückt sind. "Wir sind ein hart arbeitendes Team. Es macht Spaß, hier zu sein und ein Teil dieser Mannschaft zu sein", schwärmt Stürmer Alex Tuch.

Reif für die Play-offs?

Ist Vegas also reif für die Play-offs? Hierfür kann noch keine Prognose abgegeben werden. Für die "goldenen Ritter" sprechen Euphorie und Teamgeist. Allerdings muss der Liga-Neuling noch zeigen, dass er Rückschläge oder gar Negativläufe verkraften und wegstecken kann. Auch sind die Special Teams (7,7 Prozent Powerplay- und 78,9 Prozent Unterzahlquote) noch eher unterdurchschnittlich.

Hinzu kommt, dass die Golden Knights bislang ein auf dem Papier recht einfaches Auftaktprogramm hatten: Unter den Gegnern Dallas Stars (2:1), Arizona Coyotes (2:1 n.V., 5:2), Detroit Red Wings (3:6), Boston Bruins (2:1) und Buffalo Sabres (5:4 n.V.) war mit Boston nur ein einziges Play-off-Team des Vorjahres. Echte Prüfsteine stehen erst in den nächsten Tagen mit den Duellen gegen St. Louis und die Chicago Blackhawks an. Sozusagen eine echte Reifeprüfung für den besten Liga-Neuling aller Zeiten.

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