DET@MIN: Niederreiter trifft bei Überzahl oben rein

NHL.com/de blickt auf bedeutende deutschsprachige Spieler zurück, die ihre Schlittschuhe für einzelne Franchises geschnürt haben. In dieser Folge die Minnesota Wild.

Die Minnesota Wild nahmen zur Saison 2000-2001 als neues Franchise der NHL den Spielbetrieb auf und füllten die Lücke, die die Minnesota North Stars mit ihrem Abgang nach Texas als Dallas Stars im Jahr 1993 hinterlassen hatten.
Schon frühzeitig in ihrer Geschichte hatten die Wild ihre Augen auf ein Talent aus Österreich gerichtet und wählten Christoph Brandner im NHL Draft 2002 in der achten Runde an insgesamt 237. Position aus. Der aus der Steiermark stammende Stürmer war zu dieser Zeit sehr erfolgreich bei den Krefeld Pinguinen in der DEL aktiv und wurde 2003 mit ihnen Deutscher Meister. Danach entschied er sich zum Wechsel nach Nordamerika und setzte sich vielversprechend im Camp prompt durch, so dass er am 8. Oktober 2003 zu seinem NHL-Debüt kam.
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Vier Tage später in seinem dritten NHL-Spiel folgte sein erstes Tor, dem Brandner nur drei Spiel später sein zweites folgen ließ. Allerdings folgten nur noch zwei weitere Treffer, am 4. November und 6. Dezember. Zu wenig, denn nach der Partie am 9. Januar wurde Brandner ins Farmteam zu den Houston Aeros geschickt und kehrte auch aufgrund des Lockouts 2004/05 nicht mehr in die NHL zurück. Seine Bilanz blieb bei 35 Spielen mit vier Toren und fünf Assists stehen.
Es dauerte bis in die 2010er-Jahre, ehe wieder deutschsprachiges Flair in die Kabine der Wild zurückkehrte. Doch zunächst gar nicht so richtig, denn Dany Heatley hatte zwar wegen seiner deutschen Mutter die deutsche Staatsbürgerschaft, aber der dazugehörigen Sprache war er nicht richtig mächtig. Der zweite Zug des NHL Draft 2000 hatte aber seine beste Zeit schon hinter sich, als er 2011 von den San Jose Sharks nach Minnesota kam.
Nach einem ersten, noch mit 53 Punkten (24 Tore, 29 Assists) in 82 Spielen einigermaßen erfolgreichem Jahr, kugelte er sich im April 2013 die Schulter aus und hatte anschließend in der Saison 2013/14 seine bisher schlechteste Spielzeit. In 76 Spielen kam er auf 12 Tore und 16 Assists zu 28 Punkten. Damit war das Abenteuer Minnesota für ihn wieder beendet.
In Heatleys Fußstapfen sollte schließlich direkt Thomas Vanek treten, den die Wild am 1. Juli 2014 als Free Agent für drei Jahre verpflichteten. Der in der NHL-Geschichte am höchsten gezogene Österreicher (NHL Draft 2003 an Nr. 5 von Buffalo Sabres) wurde aber in seiner Wahlheimat nicht so richtig glücklich. Nach 52 Punkten mit 21 Tore und 31 Assists in der ersten Saison und mäßigen Stanley Cup Playoffs mit vier Assists in zehn Spielen sowie 41 Punkten mit 18 Toren und 23 Assists in 74 Spielen der Saison 2015/16, kauften ihn die Wild aus dem Vertrag heraus.

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Die längste Zeit der deutschsprachigen Spieler verbrachte Nino Niederreiter in Minnesota. Der Schweizer Stürmer wurde durch die Wild im Juni 2013 von den New York Islanders verpflichtet. Die Islanders hatten ihn im NHL Draft 2010 an Position 5 ausgewählt, doch die Erwartungen konnte er dort nicht erfüllen. Der Wechsel zu den Wild kam zur rechten Zeit und Niederreiter nahm in seiner Karriere die Kurve nach oben.
Von 36 Punkten (14 Tore, 22 Assists) in 81 Spielen seines ersten Jahres, steigerte sich Niederreiter bis zu seiner immer noch gültigen persönlichen Saison-Bestmarke von 57 Punkten (25 Tore, 32 Assists) in 82 Spielen der Spielzeit 2016/17. Dies brachte ihm im Juli 2017 einen neuen Fünf-Jahres-Vertrag ein, der darauf hindeutete, dass seine Ära in Minnesota länger dauern könnte.

FLA@MIN: Niederreiter markiert seinen zweiten Treffer

Allerdings war sie nur knapp 16 Monate später schon zu Ende. Nach eineinhalb eher durchschnittlichen Spielzeiten (2017/18: 32 Punkte in 63 Spielen; 2018/19: 23 Punkte in 46 Spielen) transferierten die Wild Niederreiter per Trade im Januar 2019 zu den Carolina Hurricanes.
Nur gut einen Monat später wurde jedoch die Schweizer Ära in Minnesota von Kevin Fiala nahezu nahtlos wieder aufgenommen. Der Stürmer wurde an der NHL Trade Deadline 2019 am 25. Februar von den Nashville Predators an die Wild abgegeben. Seitdem wirbelt Fiala in den Sturmreihen und konnte mit 54 Punkten (23 Tore, 31 Assists) in 64 Spielen bis zur durch das Corona-Virus bedingten Pause am 12. März seine bisher beste NHL-Saison feiern. Er steht bis zum Ende der kommenden Saison unter Vertrag.
Als Abrundung sei erwähnt, dass außerdem der Schweizer Christoph Bertschy von 2015 bis 2018 sein Glück bei den Wild versuchte, es allerdings nur auf neun, in drei Jahren zeitlich verteilte NHL-Einsätze mit einem Assist brachte und ansonsten mit dem Farmteam vorlieb nehmen musste.
Bis zum Saisonende steht noch der deutsche Stürmer Nico Sturm in Minnesota unter Vertrag, doch angesichts von nur zwei Einsätzen bei den Wild in 2019/20 bleibt fraglich, ob sein Engagement verlängert werden wird.