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Uwe Krupps Kolumne über Lundqvist, Powerplay 26 uvm

Der ehemalige NHL-Verteidiger schreibt in seiner exklusiven Kolumne über die NHL, Teams und Spieler

von Uwe Krupp / exklusiv für NHL.com/de

Uwe Krupp gewann als erster Deutscher im Jahr 1996 mit der Colorado Avalanche den Stanley Cup. Über 16 Jahre hinweg und 729 Spiele war der mit 1,98 Meter groß gewachsene Verteidiger in der NHL aktiv. Er kennt die Liga somit wie kaum ein anderer. Der heutige Trainer der Eisbären Berlin wird in einer regelmäßigen Kolumne exklusiv für NHL.com/de seine Ansichten zu Teams, Spielern und brennenden Fragen teilen.

Hier die vierte Ausgabe:

Für mich ist Weihnachten irgendwie das Highlight, um das sich die Wintermonate aufbauen. Wenn die Tage kürzer werden, kommen auf einmal die Weihnachtsdekorationen. Gefühlsmäßig geht das Spektrum von: "Ach, ist doch ganz nett, so richtig kalt ist mir auch nicht und schau' mal die Lichter", bis zu "Mensch, ich kann den 'Rudolph Song' und die Weihnachtsdröhnung irgendwie nicht mehr hören" und "bin nur ich das oder ist es einfach schweine-kalt".

Dieses Gefühl Ist für mich auch nicht unbedingt kulturell gebunden, sondern basiert wahrscheinlich auf einem gewissen Zynismus (bin als Romantiker bekannt...), den ich nicht so ganz abstreiten kann.

Doch nun zum Sportlichen: Henrik Lundqvist wird in Kürze der siegreichste europäische Torhüter aller Zeiten in der NHL. Erst mal - Hut ab! Henriks Karriere verdient mit den besten Torhütern der Eishockey Geschichte im gleichen Atemzug genannt zu werden. Bei einer Leistungsbewertung - besonders von Torleuten, spielt Konstanz eine große Rolle. Die besten ihrer Generation, wie z.B. ein Patrick Roy, Dominik Hasek oder Martin Brodeur waren ein bestechend konstanter Rückhalt ihrer Mannschaften.

Ich glaube Henrik hat diese gleiche Qualität, auf die man sich bei den New York Rangers nach wie vor verlassen kann. Der Stanley Cup fehlt ihm bislang und das wird als Makel gesehen, aber wer weiß, in welcher Form und Verfassung die Rangers Mitte April sein werden. Vorbei ist die Chance zu gewinnen erst dann, wenn Henrik die Schlittschuhe an den Nagel hängt. Bis dahin ist alles drin!

Die Tampa Bay Lightning, einer der großen Favoriten für 2017, tun sich erstaunlich schwer in Tritt zu kommen. Klar, Steven Stamkos fehlt Ihnen. Aber, man sollte nicht vergessen, dass sie eine relativ junge Mannschaft sind. Die Qualität ist unumstritten, aber spielerische Konstanz basiert auf einer klaren Mannschafts-Identität und auch etwas Momentan, den z.B. im Moment die Columbus Blue Jackets haben.

Die Washington Capitals tun sich auch wesentlich härter als im Vorjahr. Ich sehe aber deren Position nicht als so problematisch an. Sie haben vier, zum Teil sogar fünf Spiele weniger absolviert und stehen gut da, auch wenn die momentane Tabellensituation das nicht direkt zeigt.

Am Montag beginnt die U20 Junioren-Weltmeisterschaft 2017, die fester Bestandteil der Weihnachtlichen Festtage für jeden Eishockey Fan in Nordamerika ist und Kult-Status hat, besonders in Kanada. Leider ist die deutsche U20 Auswahl dort nicht vertreten und hat auch dieses Jahr den Aufstieg wieder verpasst.

Dieser Fakt betrifft das gesamte deutsche Eishockey. Es werden seit geraumer Zeit viele Hebel vom DEB unter Führung unseres Präsidenten Franz Reindl, in Zusammenarbeit mit der DEL, in Bewegung gesetzt. Schon alleine die Tatsache, dass wir mit Daniel Hopp einen einflussreichen Vertreter der DEL als DEB Vizepräsident haben, ist für mich im positivsten Sinne von symbolischer Bedeutung. Ich denke, die Voraussetzungen um das deutsche Eishockey nach vorne zu bringen sind heute so gut wie selten zuvor.

Die Liga erkennt den Mangel an Spielern, die so ausgebildet sind, dass sie den Ansprüchen der DEL und den Mannschaften, gerecht werden. Der DEB ist sich dieser Problematik schon lange bewusst und es gibt schon seit Jahren viele gute Ideen für mehr Breite und verbesserte Nachwuchs-Konzepte in den Schubladen am Betzenweg. Jedoch am Ende aller Diskussionen wird immer die Schlüsselfrage gestellt: Was kostet es und wer ist bereit diesen finanziellen Aufwand zu leisten?

In den meisten Fällen folgte ein unangenehmes Kommunikations-Vakuum mit Bedenkzeit-Parolen für höhere Instanzen, welche fast immer darin resultierten, dass gut durchdachte Konzepte im Sand verliefen und nicht realisiert wurden. Das Konzept Powerplay 2026 des DEB zieht die komplizierte finanzielle Situation der meisten deutschen Profimannschaften in Anbetracht, übt aber trotzdem etwas Druck auf unsere Vereine aus und forciert, dass sich verstärkt um Nachwuchsarbeit gekümmert wird.

Die berechtigte Frage, ob Powerplay 2026 genug Substanz hat um den Erwartungen, die unsere deutschen Eishockeyfans und wir alle haben, gerecht zu werden - ist schwer zu beantworten. Du brauchst, wie in allen Dingen, etwas Glück, besondere Talente zu finden, die sich dann hoffentlich zu außergewöhnlichen Spielern entwickeln.

Wenn wir genügend Spieler mit internationaler Qualität in Deutschland entdecken und entwickeln, welche dann in '26 für uns auflaufen könnten, dann können wir uns höhere Ziele setzen und wir brauchen uns um Gruppenerhalte oder Teilnahme an Olympischen Spielen keine Sorgen zu machen.

Weitere Nutznießer von PP '26 sind natürlich unsere Profiligen. Wenn der deutsche Spielermarkt größer wird, gibt es mehr Konkurrenz um die bestehenden Jobs in DEL, DEL 2 und Oberliga. Um es zu einer Erfolgsgeschichte zu machen und damit die gesetzten Ziele erreicht werden können, müssen sicherlich einige Räder greifen. Der Versuch punktuell hier und da Hand anzulegen, hat in der Vergangenheit, wenn überhaupt, nur wenig Nachhaltigkeit bewiesen.

Ich bin mir sicher, mit Initiative, den nötigen Ressourcen und der Investition in unsere Zukunft - sprich: Umsetzung des PP 26 Konzepts durch Verband und in Zusammenarbeit mit den Vereinen, kann Deutschland den Abstand zur Weltspitze verringern.

Für die Spieler in der NHL stehen in der Weihnachtszeit Regeneration im körperlichen, sowie mentalen Bereich während der wenigen spielfreien Tagen im Vordergrund. Besonders diese Zeit erlaubt den Jungs, etwas runter zu kommen und einfach einmal für zwei oder drei Tage im Rahmen von Familie und Freunden die Beine hochzulegen und etwas abzuschalten.

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern schöne und besinnliche Feiertage.

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