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Präsenz in einer Stadt wie Las Vegas zu erhalten, ist nicht unbedingt einfach. Zu vielschichtig und umfassend sind die verschiedenen Eindrücke, die man in dieser Stadt erlangen kann. Doch neun Stunden Zeitverschiebung von Deutschland, aber nicht weit vom Stanley Cup Finale entfernt, hat das bayerische Bier und die deutsche Küche eine Heimat, auch für die Vegas Golden Knights.

Das Original Hofbräuhaus bietet bayerische Gastfreundschaft mit aus Bayern importiertem Bier und Speisen. Auf der anderen Seite können die Gäste in diesem Ambiente des nachgebauten Hofbräuhauses mit seiner typischen Bierhalle und Bestuhlung Sportübertragungen verfolgen.

"Wir zeigen am meisten Fußball und haben gestern Mittag das DFB-Pokalfinale zwischen RB Leipzig und Eintracht Frankfurt live übertragen oder für gewöhnlich auch die Spiele von Bayern München, aber gestern Abend waren selbstverständlich die Golden Knights bei uns zu sehen", erzählt General Manager Rob Wimpfheimer, dessen Großeltern deutschstämmig sind, bei unserem Besuch am Sonntag.

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Die Bierhalle des Hofbräuhauses Las Vegas ist eine 1:1-Kopie des Hofbräuhauses München und bietet rund 400 Sitzplätze. Die Decke ist ein exakter Nachbau des Originals und zeigt dieselben Bilder. Man könnte fast meinen, in München zu sein, würden nicht an den Wänden, typisch amerikanisch, mehrere Bildschirme für die Sportübertragungen hängen.

Tägliche Live-Musik gehört zum Standard und der Schwerpunkt liegt auf bayerischer Blas- und Volksmusik, gespielt von MC Johann oder The Biermeister Band. Und Starkbier- oder Oktoberfeste dürfen ebenfalls im Kalender nicht fehlen. Dann schauen gerne prominente Schauspieler wie Nicolas Cage, aber auch schon mehrere Vegas-Spieler zum Bieranstich vorbei. Diese schätzen gelegentlich das deutsche Bier.

Die Gäste bekochen zwei Deutsche. Küchenchef Daniel Pfeiffer und sein Assistent Kevin Binkowski sind ein eingespieltes Team. Der gebürtige Schweizer Pfeiffer ist bereits seit ca. 35 Jahren in den USA Koch, war schon in Florida, Kalifornien und eben Las Vegas aktiv. Seit 1 ½ Jahren steht der Frankfurter Binkowski an seiner Seite.

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"Die Golden Knights sind sehr stark in der Stadt verwurzelt und sehr populär, weil sie sich sozial so stark engagieren", erzählt Pfeiffer, obwohl er selbst wenig Bezug zum Eishockey hat, wie er bekennt. Auch Binkowski hatte noch keine Gelegenheit, in die T-Mobile Arena zu einem Spiel zu gehen. Trotzdem lebt er gerne in Vegas, wie er bekennt, "weil es jeden Tag anders ist und viel zu erleben gibt", wie er meint.

"In Deutschland hast du im REWE jeden Tag dieselbe Kassiererin an der Kasse sitzen und hier triffst du ständig neue Leute", zeichnet er zwar ein überspitztes Bild, zeigt sich aber vom Ort fasziniert.

Die beiden bereiten sehr traditionell zubereitete bayerische Gerichte zu. Gut 80 Prozent der Zutaten werden extra aus Deutschland importiert, um den originalen Geschmack und die gleiche Konsistenz zu erreichen. So gibt es eine Wurstplatte mit deutschen Sorten und dazu ein für Amerika untypisches Körnerbrot. Selbst die Brezen werden extra tiefgefroren regelmäßig aus Deutschland importiert, um die ursprüngliche Qualität zu erreichen.

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"Unsere am meisten bestellten Essen sind die Riesenbreze, aber auch Schweinebraten und die Schweinshaxen", berichtet Pfeiffer daher stolz. "Es ist wichtig, dass wir viele Zutaten importieren, nur so können wir den eigentlichen Geschmack erreichen."

"Durst ist schlimmer als Heimweh", heißt es für jeden Gast, der von der Bierhalle in den Biergarten geht, der rund 430 Plätze bietet. Auffällig ist die in Deutschland typische Biergarten-Bestuhlung. Wegen der für gewöhnlich vorherrschenden Hitze, befindet sich der Bereich aber nicht außen, sondern ist mit einer mit weiß-blauen Himmel bemalten Decke überdacht.

Sollten die Golden Knights den Stanley Cup in die Stadt holen, dann wird sehr wahrscheinlich auch hier lange gefeiert werden. "Las Vegas war schon vieles, aber jetzt ist es auch eine Sportstadt und Eishockey ist erst der Anfang", berichtet Wimpfheimer. "Die NFL ist mittlerweile auch da und in Kürze bekommen wir hier in der Nähe eine Formel-1-Strecke."

Dem Geschäft im Hofbräuhaus Las Vegas wird es kaum abträglich sein und die Präsenz der Location in einem schwierigen Umfeld mit viel Konkurrenz könnte dadurch weiteren Zuwachs gewinnen. Man braucht in Las Vegas zwar keinen Grund zu feiern, doch wenn es einen geben sollte, wie einen Stanley Cup Sieg, dann werden sie sicher in dieser Stadt noch eine Schippe drauflegen.

Deryk Engelland