TBL@NYI, Sp4: Pulock rettet Isles mit Block vor Linie

Eishockey ist zumeist spannend, immer schnell und körperlich intensiv sowie manchmal eben sogar dramatisch. Als die New York Islanders 72 Sekunden vor dem Ende von Spiel 4 des Stanley Cup Halbfinale gegen die Tampa Bay Lightning nach einem Beinstellen von Victor Hedman gegen Cal Clutterbuck beim Stand von 3:2 zu ihren Gunsten in Überzahl kamen, waren die Zuschauer im Nassau Coliseum aufgrund der Aussichten auf den Erfolg bereits freudetrunken. Doch dieser Sport hat in aller Regel mehr zu bieten, als manche gemeinhin erwarten.

Zunächst machten es die Islanders gut, indem sie im Powerplay den Puck in ihren Reihen laufen ließen, um die letzten Sekunden von der Uhr zu nehmen. Doch die Lightning kamen noch zu ihrer Chance auf den Ausgleich und wie. Lightning-Verteidiger Ryan McDonagh hatte mit dem Puck am Schläger plötzlich alle Zeit der Welt, obwohl die Sekunden verrannen, und zwang Islanders-Torhüter Semyon Varlamov zur Verkürzung des Winkels aus seinem Tor zu fahren, ehe sich McDonagh mit all seiner Routine geschickt um die eigene Achse drehte und die Scheibe bei drei Sekunden in Richtung leeres Tor schob. Verteidiger Ryan Pulock wurde schließlich zum Helden des Tages, als er bei 2,7 Sekunden abtauchte und diesen Schuss kurz vor der Torlinie mit seinen Händen blockte.
"McDonagh hatte den Puck und lief auf das Tor zu", schilderte Pulock die atemraubende Szene. "Varly kam heraus, um ihm den Winkel zu nehmen, doch er machte mit der Drehung eine Klassebewegung, so dass das Tor weit offen war und ich habe nur versucht, mich groß zu machen und den Puck wegzunehmen. Das gelang mir schließlich und dann hörte ich schon die Sirene und alle Jungs sprangen auf mich drauf. Das war ein gutes Gefühl."

Nicht nur für Pulock selbst, sondern auch für seine Mitspieler und den Trainer Barry Trotz war es eine Szene, die einem nahe an einen Herzinfarkt bringen kann. "Ich konnte es gar nicht direkt sehen und habe auf den Videowürfel geschaut", erklärte der Torschütze des Siegtreffers zum 3:0 Matt Martin, der zum Ende hin auf der Bank war. "Ich habe die Drehung gesehen und dass das Tor weit offen war, so dass mein Herz für einen kurzen Moment in die Hose gerutscht ist. Doch Pules hat uns irgendwie den Tag gerettet. Das ist die Hingabe, die wir brauchen."
Die Islanders brachten dank Pulock ein leidenschaftlich geführtes Spiel 4 zu einem guten Ende und konnten die Best-of-Seven-Serie damit zum 2:2 ausgleichen. Dabei hatte es zu Beginn gar nicht so gut ausgeschaut. Das erste Drittel lief anders als erwartet, denn die Lightning schnürten die Hausherren immer wieder in deren Zone ein, versäumten es jedoch, daraus Kapital zu schlagen. Doch ganz chancenlos waren die Islanders in dieser Phase auch nicht.
"Ich meine, dass wir ein starkes Spiel gemacht haben, sogar auch im ersten Drittel unsere Möglichkeiten hatten", betonte Trotz. "Wir haben einige Pfostentreffer gehabt und hatten einen Alleingang [in Unterzahl]. Ich habe mich gut gefühlt und wir haben natürlich im zweiten für sieben oder acht Minuten richtig Gas gegeben."

TBL@NYI, Sp4: Bailey unter Latte zum ersten Tor

Wie Trotz anmerkte, drehten die Islanders im Mittelabschnitt den Spieß um, mit dem Unterschied, dass sie ihre Überlegenheit in drei Tore durch Josh Bailey in der 26., Mathew Barzal in der 34. und Martin mit seinem ersten Playoff-Treffer in diesem Jahr in der 38. Minute ummünzten. Nach 11:4 Torschüssen für die Gäste zum Auftakt, hatten die Islanders 17:9 in den zweiten 20 Minuten.
Wer der Meinung war, dass sich die Lightning im letzten Drittel angesichts dieses Rückstandes geschlagen geben würden, wurde eines Besseren belehrt. Brayden Point in der 44. Minute und Tyler Johnson in der 47. Minuten sorgten in einer weiteren Druckphase relativ schnell für den Anschluss, der die Partie bis zu den letzten Sekunden auf des Messers Schneide stellte.
"Sie kamen im dritten Drittel hart zurück", meinte Trotz. "Doch die letzten fünf Minuten fand ich, dass wir einige hervorragende Schichten hatten und wir sie in ihrer Zone festnageln konnten, um Zeit von der Uhr zu nehmen. Sie hätten dort einige Strafzeiten bekommen sollen, aber ich verstehe natürlich warum nicht. Doch am Ende war es soweit und wir hätten sie in Überzahl vom Tor fernhalten sollen. Es war ein großartiger Spielzug von ihnen und Puly hat uns den Sieg gerettet."
[Hole dir hier alle Neuigkeiten von der Lightning-Islanders Serie]
Dabei konnte Trotz die entscheidende Szene gar nicht genau sehen, wie er mit einer lustigen Bemerkung zugab. "Alle sind aufgesprungen und ich weiß nicht, ob sie es schon wahrgenommen haben, aber ich bin nicht der Größte und so habe ich schnell versucht, es durch eine Lücke auf dem Videowürfel zu sehen. Ich habe den Puck schon im Netz gesehen, als Puly herankam und uns den Tag gerettet hat."
Die Islanders fahren so mit einer ausgeglichenen Serie zurück nach Tampa zu Spiel 5 am Montag (8 p.m. ET; NHL.tv, DAZN; Di. 2 Uhr MESZ) und stehen damit besser da, als im Vorjahr im Eastern Conference Finale, wo sie gegen Tampa Bay mit 1:3 zurücklagen, ehe sie Spiel 5 gewannen und in Spiel 6 die Serie verloren.
"Die Situation, in der wir uns befinden und wie tief wir in den Playoffs sind und wie wichtig diese Spiele sind, so eine Situation habe ich wahrscheinlich noch nie erlebt", räumte Pulock ein. "Natürlich ist es ein gutes Gefühl, Tore zu schießen, aber wenn man so ein Spiel retten und den Sieg holen kann, ist das ein gutes Gefühl."