Wer dem gegnerischen Torwart eine Schneedusche verpasst, indem er abrupt vor ihm abstoppt und das Eis in dessen Gesicht hochspritzen lässt, während der Schlussmann die Scheibe unter sich begraben hält, muss sich nicht wundern, wenn er daraufhin den Handschuh eines heraneilenden Verteidigers zu spüren bekommt. Eventuell dürfte der Verursacher des Trubels anschließend selbst ganz froh sein, dass es zu den Tabus zählt, auf einen Spieler, der das Eis unter den Füßen bereits verloren hat, weiter einzuschlagen.
Weitere Regeln, die sich über viele Jahrzehnte des Eishockeysports herausgebildet haben, ohne dass sie festgeschrieben wurden, dienen der Sicherheit der Protagonisten. 'Wenn das Spiel unterbrochen wurde, wird nicht mehr auf das Tor geschossen.' Der Puck könnte ansonsten unverhofft einen Spieler/Torwart verletzen, der aufgrund des Schiedsrichterpfiffs keine Achtsamkeit mehr walten ließ.
Zu den Undingen zählt es ebenso, wenn ein Enforcer den Topstar der gegnerischen Mannschaft zu einem Duell mit Fäusten herausfordert oder wenn sich ein Spieler, nachdem er zu einem Boxkampf eingeladen hatte, plötzlich vom Acker macht, ohne zugeschlagen zu haben, womit er eine alleinige Strafe für die gegnerische Mannschaft herausbefördern würde.
Der Respekt vor dem Gegner 'verbietet' es nach einem Empty Netter in übermäßigen Jubel auszubrechen, um ihm nicht noch zusätzlich Salz in die Wunde zu streuen und selbstverständlich wird sich, wie hart auch der Kampf, vor allem in einer Stanley Cup Playoffserie, auf dem Eis war, anschließend in Reihe aufgestellt, um sich gegenseitig die Hände zu geben.
Letztendlich funktionieren die Erwartungshaltungen im Sport, wie auch im realen Leben, ganz nach dem kategorischen Imperativ von Immanuel Kant "Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde."