UFA-Bedürfnisse der Atlantic-Divison-Teams
Vergleichsweise gelassene Maple Leafs und Lightning; Canadiens und Sabres hingegen unter erheblichem Entscheidungsdruck

© Dave Reginek/Getty Images
Boston Bruins
Video: CGY@CHI: Gaudreau trifft ins Tor
Boston, das in Spiel 7 der ersten Runde der Stanley Cup Playoffs 2022 in der Eastern Conference mit 3:4 gegen die Carolina Hurricanes verlor, hat es sechs Mal in Folge in die Playoffs geschafft, ist aber seit der Niederlage gegen die St. Louis Blues in Spiel 7 des Stanley Cup Finales 2019 nicht mehr über die zweite Runde hinausgekommen. Das größte Problem der Bruins ist die fehlende Tiefe der Offensive. Die Top-Reihe mit Patrice Bergeron, Brad Marchand und David Pastrnak war gewohnt produktiv, während der Rest der Mannschaft keine ausreichende Unterstützung bieten konnte. Es bleibt unklar, ob Bergeron, der am 24. Juli 37 Jahre alt wird, für eine 19. NHL-Saison zurückkehren wird. Deshalb dürfte der Blick der Bruins in der Free Agency auf Spieler wie Johnny Gaudreau von den Calgary Flames, Filip Forsberg von den Nashville Predators oder auch Vincent Trocheck von den Carolina Hurricanes gerichtet sein. Gaudreau wird einer der teureren Stürmer auf dem Markt sein, aber wenn man ihn in eine Top-Sechs mit Bergeron, Marchand, David Pastrnak und Taylor Hall einbauen könnte, wäre das sicherlich ein Volltreffer für Boston. In 82 Spielen konnte Gaudreau in der Vorsaison 40 Tore und 75 Assists für 115 Punkte ansammeln. Forsberg ist auch einer der teureren Stürmer auf dem Markt, aber er wäre auch ein Kandidat für Bostons Top-Sechs. In der Saison 2021/22 erzielte er in 69 Spielen 42 Tore und 42 Assists für 84 Punkte. Trocheck hat in der Saison 2021/22 in 81 Spielen mit den Hurricanes 21 Tore und 30 Assists für 51 Punkte erzielt. Jeder dieser Spieler wäre eine enorme Bereicherung für die Bruins, vor allem, wenn man bedenkt, dass die Bruins in der diesjährigen Postseason ein Problem im Angriff hatten.
Buffalo Sabres
Die Sabres verpassten die Playoffs zum elften Mal hintereinander und belegten mit einem Schnitt von 2,79 Toren pro Spiel den 22. Platz in der NHL, womit sie zum zehnten Mal in Folge im unteren Drittel der Liga landeten. Außerdem ließen sie 3,50 Tore pro Spiel zu, die achtmeisten in der NHL.
Das größte Fragezeichen im Kader betrifft die Torhüterposition. Der 40-jährige Craig Anderson befindet sich im Spätherbst seiner Karriere. Ukka Pekka Luokkonen zeigte vor einer Verletzung positive Ansätze. Danach war der Rückstand zur Spitze groß. Als fast alle Torhüter an der Spitze der Organisation krank oder verletzt waren, hatten die Sabres leistungstechnisch in diesem Bereich naturgemäß zu kämpfen. Fans und Medien fragten sich gleichermaßen, wie die Zukunft auf dieser Position aussehen soll. In der Offseason müssen die Verantwortlichen jetzt kurzfristig eine Lösung finden. Hierfür bietet sich die Free Agency an.
Detroit Red Wings
Der Neuaufbau der Red Wings sieht inzwischen vielversprechend aus. Verteidiger Moritz Seider wurde mit der Calder Trophy zum NHL-Rookie des Jahres gewählt, und Stürmer Lucas Raymond wurde mit 57 Punkten (23 Tore, 34 Assists) in 82 Spielen Dritter unter den Neulingen. Was den finanziellen Spielraum angeht, so hat Detroit mit mehr als 35 Mio. US-Dollar bis zur Obergrenze des Salary Cap viel Potenzial zur Verfügung. Das bedeutet, dass General Manager Steve Yzerman die Möglichkeit hat, sich die besten Free Agents zu schnappen, wenn er will. Sollte er jedoch der Meinung sein, dass der natürliche Reifungsprozess des Kader auch ohne weitere prominente Verstärkungen unter dem neuen Trainer Derek Lalonde gelingen kann, hat der GM keinen großen Handlungsdruck. Der Weg der Red Wings führt nach oben. Wie schnell, das erscheint vor diesem Hintergrund noch offen. Wie er sich auch entscheidet, in Detroit dürfte es in der kommenden Saison in jedem Falle einige neue Gesichter geben.
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Florida Panthers
Die Panthers gewannen die Presidents' Trophy als punktbestes Team der regulären Saison 2021/22, schieden aber in der zweiten Runde der Playoffs in der Eastern Conference gegen die Tampa Bay Lightning aus. Verteidiger Aaron Ekblad erzielte in dieser Saison mit 57 Punkten (15 Tore, 42 Assists) in 61 Spielen eine NHL-Bestmarke, und MacKenzie Weegar kam in 80 Spielen auf 23:22 Stunden Eiszeit und eine Plus-40-Bilanz. Da die Panthers viele eigene Free Agents im Kader haben, werden sie sich in diesem Sommer auch entsprechend auf dem Markt umsehen. Spieler wie Gaudreau, Forsberg und P.K. Subban könnten, je nachdem wer die Organisation verlassen wird, ein potenzielles Ziel sein. Der Kader soll ja nicht an Schlagkraft verlieren. Viel wird davon abhängen, wie sich die eigenen UFAs am Ende entscheiden werden.
Montreal Canadiens
Die Canadiens haben es nicht in die Playoffs geschafft, nachdem sie im Vorjahr noch im Stanley Cup Finale gegen die Lightning standen. Kam ihr Finaleinzug im Vorjahr auch überraschend, mit solch einem Rückschritt hatten die Verantwortlichen nicht gerechnet. Verstärkungen sind also in allen Bereichen gefragt. Das Problem: Viel finanzieller Spielraum ist nicht vorhanden. Ungewissheit herrscht auch in Bezug auf die Zukunft von Star-Torhüter Carey Price. Es wird zu klären sein, ob man für ihn nicht hochkarätigen Ersatz benötigt. Sollte Price weiter ausfallen, wird dies unumgänglich werden und es bestünde akuter Bedarf auf dieser Position.
Ottawa Senators
Ottawa hat sich in der fünften Saison in Folge nicht für die Playoffs qualifiziert. Das ist die längste Durststrecke in der Geschichte der Organisation. Das letzte Mal erreichten die Senators in der Saison 2016/17 die Postseason, als sie das Finale der Eastern Conference erreichten, bevor sie in sieben Spielen gegen den späteren Stanley Cup Sieger Pittsburgh Penguins verloren.
BOS@CAR, Sp2: Niederreiters Doppelpack
Der Neuaufbau zeigt erste Fortschritte, doch wünschen sich die Macher in der kanadischen Hauptstadt schnellere Fortschritte. Verstärkungen auf dem UFA-Markt wären daher willkommen. Die Vergangenheit hat jedoch gezeigt, dass die prominentesten UFAS nur selten in Ottawa unterschreiben. Wenn wir auf die Geschichte des Franchise zurückblicken, sind die drei namhaftesten Free-Agent-Verpflichtungen wohl Alexei Kovalev, Sergei Gonchar und Evgenii Dadonov. Alle diese Spieler haben um die 5 Millionen Dollar pro Saison erhalten, sie waren also so etwas wie Free Agents der oberen Mittelklasse. Mögliche Wunschspieler wie Evgeni Malkin oder Forsberg sind in diesem Segment wohl nicht zu bekommen. Von einem Gaudreau einmal ganz zu schweigen. Eventuell wäre der Schweizer Stürmer Nino Niederreiter eine Option für die Senators.
Tampa Bay Lightning
Tampa Bay verlor das Stanley Cup Finale 2022 in sechs Spielen gegen Colorado, nachdem sie 2020 und 2021 die Meisterschaft gewonnen hatten. Die Lightning werden in der Free Agency nicht viel Geld ausgeben können, aber es ist eine Option einige Spieler für die Kadertiefe zu ergänzen. Als Kandidaten werden Andreas Athanasiou, Vladislav Namestnikov oder Ilya Mikheyev gehandelt.
WPG@TOR: Mikheyev trifft im 2. Drittel in Unterzahl
Athanasiou verbrachte die Saison 2021/22 bei den Los Angeles Kings und erzielte in 17 Spielen elf Tore und sechs Assists. Namestnikov war die ersten viereinhalb Spielzeiten seiner NHL-Karriere bei den Lightning aktiv, und es wäre nicht unlogisch, ihn für die Saison 2022/23 zurückzuholen. Der 29-Jährige erzielte in der Saison 2021/22 in 74 Spielen 15 Tore und 14 Assists für 29 Punkte und könnte ein brauchbarer Stürmer für Tampa Bay sein. Mikheyev wird auf dem Free-Agent-Markt sehr begehrt sein. Der 27-Jährige hat eine beeindruckende dreijährige Karriere bei den Toronto Maple Leafs hinter sich und beendete die Saison 2021/22 mit 21 Toren und elf Assists für 32 Punkte in 53 Spielen. Er hat das Potenzial für die Top-Sechs und wäre eine interessante Neuverpflichtung.
Toronto Maple Leafs
Die Maple Leafs, die in der Vorsaison einen Teamrekord für Siege (54) und Punkte (115) aufstellten und in der Atlantic Division den zweiten Platz belegten, wurden in der ersten Runde der Eastern Conference Playoffs von den Lightning in sieben Spielen frühzeitig aus der K.o.-Phase geworfen. Toronto hat sich sechs Mal in Folge für die Playoffs qualifiziert, aber seit 2004 keine Serie in der K.o.-Phase mehr gewonnen. Die Maple Leafs haben zweifelsohne einige gute Talente im Kader, darunter Verteidiger Topi Niemela und die Stürmer Rodion Amirov, Matthew Knies, Nicholas Robertson und Nick Abruzzese. Deshalb ist nicht zu erwarten, dass Toronto in der Free Agency besonders aktiv werden wird. Zumal sie, wie viele Konkurrenten auch, den Salary Cap im Auge behalten müssen. Im Umfeld wird dennoch von Namen wie Ben Chiarot, Forsberg und Gaudreau geträumt. Ob einer davon Realität werden wird, werden die kommenden Tage zeigen.

















