SEATTLE, WASHINGTON - MARCH 14: Assistant coach Jessica Campbell of the Seattle Kraken motions toward Matty Beniers #10 during the game against the Utah Hockey Club at Climate Pledge Arena on March 14, 2025 in Seattle, Washington. (Photo by Steph Chambers/Getty Images)

Im Rahmen unserer Berichterstattung zum „Women’s History Month“ präsentieren wir ein Interview mit Jessica Campbell, die bereits ihre zweite Saison als Co-Trainerin des Seattle Kraken bestreitet. Campbell ist die erste Frau in der Geschichte der NHL, die als Co-Trainerin hinter der Bande tätig ist, als die Kraken sie vor der letzten Saison von Coachella Valley, ihrem Farmteam in der American Hockey League, holten.

Jessica Campbell genießt die Herausforderung, während die Seattle Kraken versuchen, zum zweiten Mal in ihrer fünfjährigen Geschichte wieder in die Stanley-Cup-Playoffs zu kommen.

„Das war das ganze Jahr über das Ziel: wieder in die Playoffs zu kommen“, sagte Campbell im Gespräch mit NHL.com. „Es ist eine harte Liga. Es ist schwer zu gewinnen, und von Spiel zu Spiel kann jeder jeden schlagen. Das haben wir gesehen, das haben wir erlebt. Wir sind definitiv in einer Position, in der wir weiterkämpfen und Druck machen können. Aber insgesamt sind wir auf jeden Fall begeistert, in dieser Position zu sein.“

Der Kraken (32-29-11) liegt zwei Punkte hinter den Nashville Predators (34-31-9) im Rennen um den zweiten Wildcard-Platz der Western Conference. Am Dienstag tritt er im Rogers Place auf die Edmonton Oilers an (9 p.m. ET; Mittwoch, 3 Uhr MESZ).

„Ich weiß, wie es sich anfühlt, nicht in dieser Position zu sein - die Stimmung und die Energie sind ganz anders, und die Denkweise verändert sich“, sagte sie. „Wir hatten eine großartige erste Saisonhälfte, und die Pause (wegen der Olympischen Winterspiele 2026) stellte für alle und für die verschiedenen Teams eine Herausforderung dar. Wir haben dort eine kleine Welle von Herausforderungen gespürt, also arbeiten wir daran und treiben unsere Mannschaft weiter an, um diese Herausforderungen zu meistern.“

Während sich der Kraken weiter entfaltet, entwickelt sich auch Campbell in ihrer Rolle als Trainerin weiter. Mit NHL.com sprach sie über ihre Lehren, den Sprung von der AHL in die NHL und warum immer mehr Frauen eine Chancen im Eishockey erhalten sollten.

Jessica Campbell

Es ist Deine zweite Saison in der NHL. Wie viel konntest du schon lernen?

„Ich bin sehr stolz darauf, in der Position zu sein, in der ich mich befinde. Ich liebe meine Arbeit. Ich liebe die Herausforderung, die der NHL-Spielplan für die Mannschaft darstellt. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht quer durch den Raum schaue und die besten Spieler der Welt sehe. Sie sind Meister ihres Fachs, und ich darf sie unterstützen und bin von ihnen umgeben. So sehr ich auch versuche, die Spieler zu unterstützen, voranzubringen und zu trainieren, so sehr helfen sie mir jeden Tag, eine bessere Trainerin und ein besserer Mensch zu werden. Es macht sehr viel Spaß.

Vom ersten Jahr bis heute habe ich enorme Fortschritte bei mir selbst und in meiner Entwicklung gespürt. Ich habe mich einfach an die Anforderungen der Liga und den Spielplan gewöhnt und stelle mich diesen jeden Tag aufs Neue. Ich sauge alles auf, was die Menschen um mich herum zu bieten haben, und versuche, mein authentisches Selbst zu zeigen - in einem Umfeld, das manche oft als isolierend für mich empfinden. Doch ich spüre die Unterstützung um mich herum und bin stolz darauf, Teil einer Organisation zu sein, die definitiv unterstützend und inklusiv ist und in der so viele andere Frauen an meiner Seite stehen. Ich versuche, dieses unterstützende System und diese Umwelt wirklich zu genießen. Ich glaube, gemeinsam sind wir alle stärker.

Es war eine bemerkenswerte Reise. Einfach die Möglichkeit zu haben, mit neuen Trainern und anderen Trainerinnen auf verschiedenen Ebenen in Kontakt zu treten, jemanden zu haben, an den sie sich wenden können, und zu versuchen, ihnen diese Führungsrolle vorzuleben. Ich möchte ihnen auf ihrem weiteren Weg durch das Lernen aus einigen meiner Fehler einen Weg aufzeigen. Ich hatte keinen Plan, als ich damit angefangen habe, und jetzt hoffe ich, anderen einen solchen aufzeigen zu können. Es ist eine emotionale Achterbahnfahrt, und jeder Tag sieht ein bisschen anders aus, aber ich liebe es. Ich liebe die Herausforderung und möchte so lange wie möglich weitermachen.“

Wir fragen Spieler immer, wie sie sich von der AHL zur NHL weiterentwickeln müssen. Wie sieht es bei einem Trainer aus? Wie hast Du dich weiterentwickelt?

„Ich würde sagen, ich versuche, dem Kern dessen treu zu bleiben, was mich als Trainerin ausmacht. Ich halte mich für einen sehr positiven Menschen, versuche, gut zu kommunizieren und zuzuhören, die Bedürfnisse und Ziele der Spieler zu unterstützen und einfach zu verstehen, wer sie als Menschen sind und wie ich sie anleiten und unterstützen kann, um ihr Potenzial voll auszuschöpfen. Das ist es, was ich am Trainieren generell schon immer geliebt habe, und ich glaube, daran hat sich nichts geändert.

Was mich dieses Jahr betrifft, würde ich sagen, dass ich viel strenger bin als vielleicht früher, oder dass ich mich in diesem Bereich weiterentwickelt habe. Einfach zu verstehen, welche Stärke darin liegt, positive Botschaften oder auch strengere Botschaften zu vermitteln, und wie sich dieses Verhalten und die Reaktion positiv verändern, wenn man einen strengeren Ansatz wählt. Das ist ein Bereich, in den ich mich immer mehr hineinbewegt habe, während ich mir selbst treu bleibe - als jemand, zu dem die Spieler kommen können, als Gesprächspartner -, während ich ihnen gleichzeitig helfe, sich ins Getümmel zu stürzen und die Arbeit zu erledigen, und an ihrer Seite zu sein, wenn es gut läuft, wenn es gut geht oder wenn es nicht gut läuft. Das ist für mich entscheidend.“

Welche Fähigkeiten sind für Dich in Deiner täglichen Arbeit am wichtigsten?

„Ich denke, es geht natürlich um die Spieler und darum, ihnen dabei zu helfen, ihren Weg zu finden und ihre Rolle zu erfüllen. Was mich betrifft, so bin ich in vielerlei Hinsicht gefordert, wenn es darum geht, wen ich unterstütze und wie ich sie unterstütze, egal ob es sich um einen jüngeren oder einen erfahrenen Spieler handelt. Ich habe das Glück, seit vier Jahren beim Kraken (in der Organisation) zu sein. Einige der jungen Spieler in unserem Team habe ich von Anfang an begleitet - als junge Talente, die zu Profis wurden. Ich habe ihre AHL-Jahre miterlebt und beobachte nun, wie sie sich als NHL-Spieler etablieren. Ich versuche, jeden einzelnen Spieler zu unterstützen. Meistens arbeite ich mit den Stürmern, aber egal, ob es um die Offensive oder die Defensive geht oder einfach darum, ihre Rolle zu verstehen und ihre Fähigkeiten innerhalb dieser Rolle optimal einzusetzen. Dabei arbeite ich weiter an ihrem Spiel und entwickle es so, dass sie danach streben können, noch mehr zu erreichen.

Es geht um den Weg dorthin. Jeden Tag überlege ich mir, wie ich ihnen helfen kann, diese Arbeit zu leisten, diesen Prozess zu durchlaufen und motiviert zu bleiben. Ich liebe die Atmosphäre, wenn wir mit den Jungs hart an der Sache arbeiten. Wir haben nicht besonders viel Zeit zum Trainieren, was an den vielen Reisen und dem Spielplan liegt, da wir als Team an der Westküste viel unterwegs sind. Da sind uns Grenzen gesetzt, also muss man kreativ werden, wie man sie anleiten und unterstützen kann. Ich habe gelernt, dass, wenn irgendetwas von der AHL in die NHL funktioniert hat, es einfach das Vertrauen in Video-Analysen ist - und diese Jungs brauchen oft gar nicht so viel, wie wir vielleicht denken. Wir als Trainer schauen uns so viele Videos an, machen so viel Scouting, dass wir glauben, sie müssten das alles sehen. Dabei muss man sich ihrer emotionalen und körperlichen Energie bewusst sein und versuchen, sie an der richtigen Stelle abzuholen, um ihre Leistung auf dem Eis zu maximieren.“

Worauf konzentrierst Du dich für deine Zukunft als Trainerin am meisten?

„Gewinnen (lacht). Ich will gewinnen. Ich liebe es, ein Umfeld zu schaffen, in dem wir gewinnen, und möchte ein Teil davon sein. Ich bin begeistert davon, wo unser Team gerade steht. Ich bin auch begeistert von den jungen Talenten in unserer Organisation und davon, wie sie sich entwickeln. Das ist es, was mich jeden Tag antreibt: diese Siegermentalität und diese Entwicklungsmentalität. Ich möchte selbst weiterhin danach streben, eine bessere Trainerin zu werden und mich auf die großartigen Unterstützungssysteme und Mentoren zu stützen, die ich um mich herum habe. Ich habe gelernt, mit Fragen nicht zu zögern und auf die guten Ressourcen zurückzugreifen, denn wir sind in dieser Liga von so vielen guten Leuten umgeben. Spieler, Trainer, die das schon durchgemacht haben, und ich bin sehr, sehr glücklich, dass das Umfeld um mich herum und die Trainer/Mentoren Teil meiner Welt geworden sind. Ken Hitchcock ist jemand, mit dem ich regelmäßig spreche, und ich tausche mich ständig mit ihm und vielen anderen über Ideen aus. Es geht also einfach darum, immer besser zu werden. Das ist mein Fokus, und wohin mich das auch immer im Spiel führen mag, ich weiß, dass es gut werden wird.“

SEATTLE, WASHINGTON - JANUARY 06: Assistant coach Jessica Campbell of Seattle Kraken gathers the team during the third period against the New Jersey Devils at Climate Pledge Arena on January 06, 2025 in Seattle, Washington. (Photo by Steph Chambers/Getty Images)

Ich habe kürzlich mit Kim Weiss gesprochen, nachdem sie zur Co-Trainerin der Colorado Eagles in der AHL ernannt wurde. Sie ist nach Dir die zweite Frau hinter einer AHL- oder NHL-Bank. Wie ermutigend ist es, dass wir uns in diese Richtung bewegen?

„Es ist unglaublich. Wir sind auf dem besten Weg. Wir arbeiten uns Stück für Stück vor. Ich bin so stolz auf Kim. Ich kenne Kim erst seit ein paar Jahren, und das auch nur durch diese kleine Eishockeywelt. Ich glaube, man kann es am besten so sehen: Wenn man mittendrin steckt, weiß man nicht immer, wie es von außen aussieht, während man arbeitet und den Prozess durchläuft. Auf meinem Weg, besonders von der AHL in die NHL, war ich einfach total fokussiert, habe mich voll auf die Arbeit konzentriert, und wie wir schon angedeutet haben, ist die AHL kein Kinderspiel. Sie ist nicht ohne Grund die beste Nachwuchsliga der Welt. Und das gilt auch für Trainer. Kim hat das durchgemacht und macht es jetzt als Video-Trainerin. Das ist ein so beeindruckender Weg für sie. Sie stand vorher hinter der Bande, das weiß ich. Jetzt ist sie wieder dort und genau das hat sie gewollt. Aber die Position als Video-Trainerin zu übernehmen - ich weiß, dass sie nicht viel Erfahrung in der Videoarbeit hatte, aber sie hatte das Wissen und den Ehrgeiz. Ich habe die Anerkennung gesehen. Ich arbeite jetzt mit Aaron (Schneekloth, Assistenztrainer des Kraken) zusammen. Er war ihr Cheftrainer. Es gibt also eine gemeinsame Verbindung, und er ist ein großer Verfechter davon, was für ein Rockstar sie ist. Das ist der ultimative Erfolg.

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Ob ich an erster Stelle stehe oder jemand anderes - das ist nicht das Wichtigste. Das war noch nie mein Fokus. Während meiner gesamten Reise wurde mir immer wieder bewusst, dass andere einem zusehen und dass es andere gibt, die dieselben Ziele haben. Das hat mich inspiriert, niemals aufzugeben, hat mich motiviert, und wenn ich nun sehe, wie Kim ihr Ding macht und es mit derselben Leidenschaft und Liebe tut, die sie hat, und dafür Anerkennung findet, wo sie gerade steht. Sie ist auf dem besten Weg. Wir versuchen, uns gegenseitig zu stützen und zu unterstützen. Wir fragen uns gegenseitig nach unseren Outfits, und es macht Spaß, eine andere Frau als Gesprächspartnerin zu haben, die fragt: „Wie ziehst du dich an?“ Denn das sind die realen Gegebenheiten, wenn man in einer Rolle ist, in der man nicht viele andere wie sich selbst sieht. Es fängt mit einer an. Es braucht mehr als das, und man wird diese Veränderung und diese Welle allmählich erkennen. Das Spiel der Frauen entwickelt sich enorm. Die Zahlen im Junioren-Eishockey sind in die Höhe geschossen, da sich immer mehr junge Mädchen anmelden. Aber ich glaube auch, dass sich Frauen weiterhin als Trainerinnen in diesem Sport sehen werden, und das wird unseren Sport auf beiden Seiten verbessern, sowohl auf der Seite der Frauen als auch auf der Seite der Männer.“