Khudobin

Ab Mitte September beginnen in der NHL die Trainingscamps zur Vorbereitung auf die Saison 2021/22. Vom 16. August an nimmt NHL.com/de in der Serie 32 in 32 jedes Team der Liga genauer unter die Lupe. Die Bestandsaufnahme umfasst die wichtigsten personellen Veränderungen, die Schlüsselspieler, die Stärken und Schwächen sowie die Playoff-Chancen der Klubs.
In dieser Ausgabe: Dallas Stars

Das Prunkstück der Dallas Stars ist seit geraumer Zeit die Abwehr. Zu dieser gehören nicht nur gestandene Recken wie John Klingberg, Esa Lindell, Ryan Suter oder Miro Heiskanen. Auch die Goalies hatten in der Vergangenheit ihren Anteil daran, dass die gegnerischen Sturmreihen regelmäßig verzweifelten. Doch ausgerechnet in diesem Bereich haben die Texaner im Sommer noch mal nachgelegt.
Ein bisschen überraschend war es schon, als die Stars verkündeten, dass sie Braden Holtby unter Vertrag genommen hatten. Der 31-Jährige unterschrieb für ein Jahr und kassiert in dieser Zeit zwei Millionen US-Dollar. Die Verpflichtung könnte sich in der kommenden Saison für die Stars in mehrfacher Hinsicht bezahlt machen.

TOR@VAN: Holtby schlägt ein Rad um zu halten

Bilanz 2020/21: 23-19-14; 5. Platz in der Discover Central Division
Postseason 2021: Nicht qualifiziert
Trainer: Rick Bowness, dritte Saison
Zugänge: G Braden Holtby, D Ryan Suter, D Jani Hakanpaa, F Luke Glendening, F Michael Raffl
Abgänge: D Jamie Oleksiak, D Sami Vatanen, F Andrew Cogliano, F Jason Dickinson
Da kann einem schon angst und bange werden, wenn man in der kommenden Spielzeit auf die Dallas Stars trifft. Das Team ist nach der Verpflichtung von Holtby so tief auf der Torwartposition besetzt, wie kaum eine andere Mannschaft. Außer Holtby haben die Stars noch Anton Khudobin, Ben Bishop und Jake Oettinger unter Vertrag.
Ja, Holtby hatte in der vergangenen Saison bei den Vancouver Canucks einen schweren Stand. In 21 Spielen kam er auf sieben Siege und elf Niederlagen. Bei seinen Statistiken kann man sich schon fragen, ob sich General Manager Jim Nill bewusst war, wem er da einen Vertrag anbot. Ein Gegentorschnitt pro Spiel von 3,67 und eine Fangquote von 88,9 Prozent waren nicht gerade das, was man ein exzellentes Empfehlungsschreiben nennt.
Doch Nill vertraut in die Fähigkeiten des Kanadiers, der mit 31 Jahren auch noch im besten Torhüteralter ist. "Wir sind sehr glücklich, dass wir Braden zu unserer Gruppe von Keepern hinzufügen konnten", sagte Nill zu der Verpflichtung des Routiniers. Und er machte auch gleich klar, was man in Texas vom Neuzugang erwartet: exzellentes Torwartspiel. Denn er habe während seiner gesamten Karriere gezeigt, dass er dazu fähig ist. "Er hat jeden wichtigen Preis gewonnen, den man als Keeper gewinnen kann. Wir sind begeistert, dass sich eine Person mit solch einer Laufbahn unserer Organisation anschließt", befand der GM.

TBL@DAL: Bishop stoppt Point mit der Fanghand

Geglänzt hat Holtby vor allem im Trikot der Washington Capitals, deren Trikot er von 2010 bis 2020 trug. 2016 wurde er mit der Vezina Trophy als bester Torhüter der Liga ausgezeichnet. 2017 bekam er die William M. Jennings Trophy. Den wichtigsten Pokal stemmte er aber 2018 in die Luft, als er mit dem Team aus der US-Hauptstadt den Stanley Cup gewann. Die Erfahrung, zu wissen, wie es geht, den ultimativen Preis zu gewinnen, soll er jetzt in der Wüste von Texas in die Waagschale werfen und dem Team helfen. Die statistischen Werte zeigen, dass auf Holtby in den Playoffs Verlass ist. In knapp 100 Partien kam er auf 50 Siege (sieben Shutouts) und 46 Niederlagen bei einer ordentlichen Fangquote von 92,6 Prozent.
Die Verpflichtung Holtbys kann sich für die Stars aber auch noch in anderen Bereichen auszahlen. Zunächst mal heizen die Verantwortlichen den Konkurrenzkampf auf der Position zwischen den Pfosten an. Sofern alle gesund sind, muss Coach Rick Bowness an jedem Spieltag die schwierige Entscheidung treffen, wer spielt, wer auf der Bank sitzt, und wer auf der Tribüne Platz nehmen oder gar ins Farmteam muss.
Das Stichwort Gesundheit dürfte wohl den Ausschlag dafür gegeben haben, dass sich die Stars mit Holtby weiter abgesichert haben. Die etatmäßige Nummer eins, Bishop, verpasste die vergangene Saison nach einer Knieoperation im Oktober. Die Stars erwarten ihn allerdings rechtzeitig zum Start des Trainingscamps zurück. "Wenn Ben gesund ist, gehört er zu den besten drei bis fünf Keepern in der NHL", sagte Nill. Bishop sei einer, der den Unterschied machen könne in den Playoffs und beim Versuch, den Stanley Cup zu gewinnen. "Ich denke, es ist wichtig für ihn, dass er wieder zu uns zurückkommt. Er ist ein wichtiger Teil unseres Teams, ein wichtiger Teil unserer Gruppe von Anführern."
Bishops Vertreter Khudobin zeigte ordentliche Leistungen. Bei 32 Einsätzen kam er auf zwölf Siege, elf Niederlagen und drei Shutouts. Oettinger ist mit 22 Jahren der Jüngste des Quartetts. In der vergangenen Saison fungierte er als Backup von Khudobin und verbuchte bei 29 Einsätzen elf Siege und acht Niederlagen. Einmal hielt er seinen Kasten sauber.
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Oettinger sollte also der Mann für die Zukunft sein. Doch in der Gegenwart wollten die Verantwortlichen kein Risiko eingehen. Unabhängig davon, wie der Heilungsprozess bei Bishop verläuft, haben die Stars ein schlagkräftiges Torhütergespann. Holtby will sicherlich beweisen, dass die Zeit in Vancouver ein Ausrutscher war. Und Khudobin wird den Posten als Nummer eins nicht freiwillig aufgeben.
Doch das Gedränge im Tor der Stars eröffnet noch eine weitere Dimension für das Franchise. Einer der Keeper bietet sich als Tauschobjekt an, wenn in einem anderen Mannschaftsteil nachgebessert werden muss. Zum Beispiel im Sturm. Auch da hatten die Stars in der vergangenen Spielzeit Verletzungssorgen bei Schlüsselspielern, namentlich Tyler Seguin und Alexander Radulov. Die Verpflichtungen von Michael Raffl und Luke Glendening sind als Ergänzungen für die dritte und vierte Angriffsreihe zu sehen. Für einen der Keeper könnte man im Tausch einen guten Angreifer für die ersten beiden Sturmreihen bekommen.
Denn das Ziel in Dallas ist klar: Die Stars, im Finale 2020 2:4 den Tampa Bay Lightning unterlegen, verpassten in der abgelaufenen Spielzeit die Endrunde und wollen nun wieder dahin zurück. Ihr Ansinnen ist es diesmal mit dem wichtigsten Pokal im Eishockey die Arena zu verlassen. Dass das möglich ist, daran glauben sie in Dallas jetzt schon. "Man muss sich ein Team aussuchen, das eine Chance hat, den Stanley Cup zu gewinnen. Die Stars haben sehr gute Trainer, und ich werde spielen, wo auch immer sie mich brauchen, damit wir die beste Chance haben, zu gewinnen." Diese Aussage kommt von Verteidiger Suter, der von den Minnesota Wild aus seinem Vertrag herausgekauft wurde und sich in der Offseason den Stars anschloss. Das zeigt: Die Protagonisten in Dallas glauben an sich und wollen den Betriebsunfall der vergangenen Saison vergessen machen. Zumindest im Tor und in der Abwehr stimmen die Voraussetzungen dafür.