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Sobald die Saison vorbei ist, dreht sich das Trainerkarussell. Sechs Trainerwechsel sind bislang in der NHL vollzogen worden. Unter den neuen Übungsleitern sind alte Bekannte, aber auch ein paar interessante neue Gesichter, die vor allem in den Minor Leagues von sich reden gemacht haben. Gespannt darf man darauf sein, wie das Comeback von Mike Babcock verläuft. Er hat in Ohio bei den Columbus Blue Jackets angeheuert. NHL.com/de gibt einen Überblick über die bislang bekannten Personalien.

Anaheim Ducks: Greg Cronin ersetzt Dallas Eakins (Note: 1-)

23-47-12 lautete die Bilanz der Anaheim Ducks in der abgelaufenen Saison unter Trainer Dallas Eakins. Das war die schlechteste Ausbeute aller NHL-Teams. Damit war nach vier Jahren Schluss als Coach der Ducks (100-147-44). Hinzu kam, dass die Mannschaft damit zum fünften Mal in Folge nur zuschauen durften, während sich andere Teams um den Stanley Cup duellierten.

Doch die Zukunft verspricht für den Champion von 2007 wieder rosiger auszusehen. Mit dem zweiten Pick bim diesjährigen NHL Draft zogen die Ducks den Center Leo Carlsson. Im Team befinden sich bereits Talente wie Jamie Drysdale und Mason McTavish, dazu kommen die All-Stars Trevor Zegras und Troy Terry. In der Defensive sieht es ebenfalls sehr gut aus in Anaheim. Als erster NHL-Organisation gelang es den Ducks in der abgelaufenen Spielzeit, in den Nachwuchsligen OHL, WHL und QMJHL jeweils den Verteidiger des Jahres zu stellen.

ANA@SEA: Zegras per Kunstschuss erfolgreich

Da passt es, dass sich die Verantwortlichen des Klubs als Ersatz für Eakins für Greg Cronin entschieden haben. Für den US-Amerikaner ist es die erste Station als Coach in der NHL. Allerdings hat er schon reichlich Erfahrung als Hauptverantwortlicher in der American Hockey League (AHL) gesammelt. Fünf Spielzeiten lang coachte er zuletzt die Colorado Eagles, das AHL-Team der Colorado Avalanche. Dort zeichnete er unter anderem für die Entwicklung von Spielern wie Alex Newhook, Logan O'Connor und Pavel Francouz verantwortlich. Auch in der Organisation der New York Islanders stand er als Trainer des AHL-Teams Bridgeport Sound Tigers hinter der Bande.

Im College-Bereich hat er ebenfalls schon als Coach Erfahrungen gesammelt, zum Beispiel bei der Northeastern University und der University of Maine. Cronin ist außerdem Mitbegründer des nationalen Entwicklungsprogramms für Eishockeyspieler in den USA. Die NHL ist allerdings kein komplettes Neuland für Cronin, selbst wenn es für ihn die Premiere als Hauptverantwortlicher sein wird. Sowohl bei den Islanders als auch bei den Toronto Maple Leafs fungierte er als Assistenztrainer. Jetzt ist er der elfte Coach in der Geschichte der Ducks.

Bei Pat Verbeek, dem neuen General Manager, wird vor allem Cronins Fähigkeit, junge Spieler weiterzuentwickeln, den Hauptausschlag gegeben haben, dem AHL-Veteranen zum ersten Mal ein NHL-Team anzuvertrauen. Das kann ein geschickter Schachzug sein.

Calgary Flames: Ryan Huska ersetzt Darryl Sutter (Note: 2+)

Es gibt wenige Pressekonferenzen in der NHL, die unterhaltsamer sind als die mit Darryl Sutter. Der Kanadier ist am besten mit knorrig umschrieben. Und sein trockener Humor toppt fast alles. Der ehemalige Linksaußen der Chicago Blackhawks hat sich mittlerweile auch als Coach in der NHL einen guten Namen gemacht. Seit 1992 ist er in der Liga als Trainer unterwegs, 2012 und 2014 gewann er jeweils mit den Los Angeles Kings den Stanley Cup. Er kennt also die Mechanismen und Automatismen des Geschäfts. Mit dieser Erfahrung dürfte er es mit Fassung getragen haben, dass er von den Calgary Flames nicht mehr weiterbeschäftigt wurde. Sutter hatte während der Saison 2020/2021 für den ehemaligen Mannheimer Meistercoach Geoff Ward bei den Flames übernommen. Der Trainerveteran ist der Beweis dafür, dass Verdienste aus der Vergangenheit keine Rolle spielen. Im vergangenen Jahr wurde er noch mit dem Jack Adams Award als bester Trainer ausgezeichnet. Am 1. Mai entschieden sich die Flames, einen neuen Weg einzuschlagen. Das ist nachvollziehbar. In der Spielzeit 2021/2022 hatten die Flames noch die Pacific Division gewonnen, jetzt verpassten sie die Playoffs.

Das soll mit Ryan Huska wieder anders werden. Ryan wer? Gut möglich, dass der Name Huska erst mal nur ganz eingefleischten Flames-Fans etwas sagt. Und doch wird der eine oder andere auf dem Bildschirm schon mal sein Gesicht gesehen haben. Huska war unter Sutter bereits Assistent. In den vergangenen fünf Spielzeiten hatte er die Rolle inne. Er war bei den Flames zuständig für die Verteidigung und das Unterzahlspiel. Und tatsächlich waren das die beiden Statistiken, in denen Calgary in der vergangenen Saison überzeugte. 27,3 zugelassene Schüsse pro Partie waren die drittwenigsten in der Liga. Und eine Quote von 82,6 Prozent im Verteidigen von Unterzahlsituationen reichte immerhin für Platz vier, gemeinsam mit den New Jersey Devils.

Kein Wunder also, dass sich der neue General Manager Craig Conroy für den Co-Trainer mit Stallgeruch entschied, als er sich für den ersten Coach unter seiner Ägide entschied. Genau darin können Risiko und Chance bestehen. Die Flames können es in der kommenden Saison im Prinzip nur besser machen. Verteidigung und Penalty Killing sollten stimmen. Jetzt muss der neue Mann an der Bande nur noch dafür sorgen, dass in der Offensive die Produktion passt. Dabei wird sich dann zeigen, ob er bei seiner ersten Station als Verantwortlicher hinter der Bande bestehen kann und ob der erste Schuss von Conroy gleich ein Volltreffer ist.

Ryan Huska 7-8

Columbus Blue Jackets: Mike Babcock ersetzt Brad Larsen (Note: 3+)

Es sind wirklich beeindruckende Zahlen, die Mike Babcock während seiner Zeit als Coach in der NHL angesammelt hat. 1301-mal stand er bereits als Verantwortlicher hinter der Bande in der NHL - für die Mighty Ducks of Anaheim, Detroit Red Wings und Toronto Maple Leafs. 700 Siege hat er angesammelt - damit rangiert er an 13. Stelle in der Liga. Die Red Wings führte er 2008 zum Stanley Cup-Sieg. Dreimal gewann er mit seinen Teams die Conference. Und zweimal holte er mit Team Kanada olympisches Gold.

Keine Frage: Mike Babcock weiß, wie Coaching in der NHL funktioniert. Und man muss kein Prophet sein, um zu erahnen, dass sich unter der Ägide des Trainerfuchses die Blue Jackets signifikant verbessern werden. Denn viel schlechter als in der vergangenen Spielzeit geht es nicht mehr. 25-48-9 - das reichte gerade mal für den vorletzten Platz in der NHL. Trotz Spieler wie Johnny Gaudreau wurde Columbus Letzter in der Eastern Conference unter Babcocks Vorgänger Brad Larsen, der zwei Jahre lang das Sagen in Ohio hatte.

Die fachliche Kompetenz von Babcock steht ob seiner bisherigen Erfolge außer Frage. Er ist der einzige Eishockeytrainer, der den Stanley Cup, den World Cup, die Weltmeisterschaft, olympisches Gold und die Juniorenweltmeisterschaft gewonnen hat. Allerdings hatten sich nach seiner letzten Station in Toronto mehrere Spieler darüber beklagt, dass der Coach seine Schützlinge mental unter Druck setzen würde. Babcock hatte in der kanadischen Metropole einen Vertrag über acht Jahre unterzeichnet. Nach fünf Spielzeiten war sein Engagement in Ontario jedoch beendet. Leafs-Präsident Brendan Shanahan bezeichnete das Verhalten des Übungsleiters damals als "nicht angemessen oder akzeptabel".

Es könnte also die letzte Chance für Babcock sein als Coach eines NHL-Teams. Er wird clever genug sein, diese zu nutzen. Neben Gaudreau hat er mit Adam Fantilli, dem Pick Nummer drei beim diesjährigen NHL Draft, eines der hoffnungsvollsten Talente in seinem Kader. Gleichwohl ist General Manager Jarmo Kekalainen mit der Verpflichtung von Babcock ein gewisses Risiko eingegangen. "Wir sind davon überzeugt, dass wir den besten Mann für den Job bekommen haben", meinte Kekalainen bei der Vorstellung des Trainers. "Was er erreicht hat, spricht für sich selbst. Aber ich bin davon überzeugt, dass er die richtige Person, der richtige Mann für den Job ist. Und das ist wirklich wichtig."

Mike Babcock 7-8

Nashville Predators: Andrew Brunette ersetzt John Hynes (Note: 1)

In den vergangenen Jahren wurde immer wieder der Name John Hynes genannt, wenn es darum ging, Trainer zu benennen, deren Job in Gefahr war. Zwar erreichte Hynes in vier Jahren dreimal mit den Nashville Predators die Playoffs. Allerdings gelang es der Mannschaft um den Schweizer Mannschaftskapitän Roman Josi nicht, eine Serie in der K.o.-Runde zu gewinnen. In der abgelaufenen Spielzeit verpasste das Team die Endrunde.

Also schritt der neue General Manager Barry Trotz zur Tat. Seine erste Amtshandlung war, Hynes, dessen Bilanz mit 134-96-18 durchaus achtbar ist, zu feuern. Sein Nachfolger ist in Nashville kein Unbekannter. Andrew Brunette trug in der Saison 1998/99 insgesamt 77-mal das Trikot der Predators und kam dabei auf eine Bilanz von elf Toren und 20 Vorlagen. Sein Trainer hieß damals Trotz. Mit 1100 Spielen (268 Tore, 465 Assists) hat Brunette in der NHL als Linksaußen bereits als Aktiver deutliche Spuren hinterlassen.

Als Coach ist er in der besten Eishockeyliga der Welt ebenso kein unbeschriebenes Blatt mehr. In der Saison 2021/2022 hatte er von Joel Quenneville den Job hinter der Bande bei den Florida Panthers übernommen und führte sie zum Gewinn der Presidents' Trophy. Die Panthers entschieden sich danach jedoch für Paul Maurice als Trainer. Schon da hatte man eigentlich damit rechnen können, dass Brunette bei einem Team als hauptverantwortlicher Coach unterkommt. Stattdessen wurde er "nur" gleichberechtigter Trainer mit Lindy Ruff bei den New Jersey Devils. Und auch dort war er erfolgreich. Die Devils beendeten die abgelaufene Saison auf Platz zwei der Metropolitan Division und Platz drei der Eastern Conference. In den Playoffs war allerdings in der zweiten Runde Endstation.

Die Devils machten in der Offensive richtig Dampf. 289 Tore erzielten sie - der viertbeste Wert in der Liga und die beste Ausbeute des Teams seit der Saison 2000/2001. Brunette hatte daran großen Anteil. Und diesen Offensivzauber soll er jetzt genauso in Nashville verbreiten. Das jedenfalls betonte Trotz bei der Vorstellung des neuen Übungsleiters: "Wir wollen ein offensiveres Team werden. Und Andrew ist auf dieser Seite des Eises ein Spezialist. Er hat das als Spieler gelebt und bringt es jetzt als Trainer bei." Trotz lobte den Neuen hinter der Bande als einen der besten Offensiv- und Überzahlcoaches in der Liga. Schon die Panthers hatten unter Brunettes Regie mit 337 Toren den besten Sturm der NHL.

New York Rangers: Peter Laviolette ersetzt Gerard Gallant (Note: 2-)

In New York laufen die Uhren bekanntermaßen etwas anders. Keine Siegerparade auf dem Broadway? Dann gilt das in der Regel als verlorene Saison bei den New York Rangers, auch wenn man im Madison Square Garden selbstverständlich weiß, dass sich der Gewinn des Stanley Cup nicht so einfach auf dem Reißbrett planen lässt. Ein bisschen Glück gehört immer dazu. Entsprechend ist der Trainerjob bei den Rangers noch einmal eine Nummer härter.

Gerard Gallant wusste das, als er sich auf das Engagement im Mediendschungel New York einließ. Und in der Spielzeit 2021/2022 war er mit den Rangers dicht dran. Doch sein Team verspielte eine 2:0-Führung im Finale der Eastern Conference gegen die Tampa Bay Lightning. In der abgelaufenen Saison war gar nach der ersten Playoffrunde schon die Saison vorbei. Und das ausgerechnet nach einer Pleite gegen den Lokalrivalen New Jersey Devils. Obwohl General Manager Chris Drury zur Trade Deadline mit Vladimir Tarasenko und Patrick Kane noch mal ordentlich nachgelegt hatte.

Also musste Gallant gehen und bestätigte damit eine für ihn nicht gerade schmeichelhafte Serie. Denn noch nie schaffte es der Gewinner des Jack Adams Awards und Weltmeistertrainer mit Kanada 2021 bei seinen Trainerstationen in der NHL (Columbus Blue Jackets, Florida Panthers, Vegas Golden Knights und New York Rangers), die dritte Saison zu komplettieren.

Die Rangers wollen mit dem aktuellen Team den Stanley Cup gewinnen. Und Peter Laviolette weiß, wie das funktioniert. Er hat 2006 die Caroline Hurricanes zum Cup-Sieg gecoacht. Und nachdem sein nach dieser Saison auslaufender Vertrag bei den Washington Capitals nicht verlängert wurde, war er so etwas wie die logische Wahl der Rangers für den Trainerjob.

Laviolette stand bei 1430 Spielen in der NHL als verantwortlicher Trainer hinter der Bande, 752 davon hat er gewonnen. Das bedeutet immerhin Platz acht in der Rangliste der Trainer mit den meisten Siegen und sogar Platz eins in dieser Liste bei Coaches, die in den USA geboren wurden. Platz elf belegt er in der Rangliste der Spiele, die gecoacht wurden. An Erfahrung mangelt es ihm nach Engagements bei den New York Islanders, Carolina Hurricanes, Philadelphia Flyers, Nashville Predators und Washington Capitals also nicht.

Allerdings vermochten die Capitals unter seiner Führung nicht zu überzeugen. In den ersten beiden Spielzeiten qualifizierte man sich zwar für die Playoffs, kam aber über die erste Runde nicht hinaus. In der abgelaufenen Saison verpassten die Capitals die Postseason. Das sollte Laviolette mit den Rangers nicht passieren. Sonst könnte es sein, dass der 37. Coach in der Geschichte der Rangers, der sogar als Spieler zwölfmal deren Trikot in der NHL getragen hat, gleich wieder Platz machen muss für Trainer Nummer 38.

Washington Capitals: Spencer Carbery ersetzt Peter Laviolette (Note: 2+)

Keine Playoffs, kein neuer Vertrag - auf diese einfache Formel ist der Abschied von Peter Laviolette herunterzubrechen. Nachdem die Washington Capitals in der vergangenen Saison die Endrunde verpasst hatten, wurde der auslaufende Vertrag mit dem Trainerveteranen in der US-Hauptstadt nicht verlängert. 115-78-27 lautet Laviolettes Bilanz über drei Spielzeiten in Washington. Zweimal qualifizierte sich das Team für die Playoffs, doch jeweils kam das Aus in Runde eins. Zu wenig für ein Team um Toptorjäger Alex Ovechkin.

Jetzt soll Spencer Carbery als 20. Coach in der Franchisegeschichte die Capitals wieder in die Erfolgsspur bringen. Der Kanadier gilt als einer der begabtesten Trainer der nächsten Generation. Eine Wahl, die General Manager Brian MacLellan mit Bedacht getroffen hat. Denn Carbery kennt die Organisation bereits. Von 2018 bis 2021 war er Coach der Hershey Bears, des AHL-Teams der Capitals. In seiner finalen Spielzeit dort wurde er Trainer des Jahres in der AHL. Etliche Spieler, die er ausbildete, hatten in der vergangenen Saison Einsätze auf NHL-Level, zum Beispiel Martin Fehervary, Aliaksei Protas, Connor McMichael, Alex Alexeyev, Beck Malenstyn, Lucas Johansen und Joe Snively. Das wird ihm die Eingewöhnungszeit deutlich verkürzen.

Der Erfolg in der AHL war gewissermaßen sein Sprungbrett in die NHL. Die Toronto Maple Leafs sicherten sich seine Dienste. Dort zeichnete er in den vergangenen beiden Saisons für die Offensive und das Überzahlspiel verantwortlich. Und das mit großem Erfolg. Während dieser beiden Spielzeiten brachten es die Maple Leafs auf eine Überzahlquote von 26,6 Prozent - die zweitbeste Quote in diesem Zeitraum. Hinzu kommt, dass die Stürmer der Leafs in der Saison 2022/2023 Platz vier bei den Toren (251) und den Punkten (589) belegten. Eine Spielzeit zuvor schnitten sie sogar noch besser ab mit Platz zwei bei den Toren (277) und Rang drei bei den Punkten (652).

In der Offensive darf man also erwarten, dass die Capitals einen Sprung nach vorne machen, was nach 253 Toren und Platz 20 in der Liga bitter notwendig ist. Aber auch in der Abwehr muss der neue Übungsleiter den Hebel ansetzen. 261 Gegentore bedeuteten in der vergangenen Saison lediglich Platz 18 in der NHL. Und da eine gute Defensive bekanntlich ein entscheidender Faktor für den Gewinn einer Meisterschaft ist, war es nicht verwunderlich, dass es damit nichts wurde.

Der Titelgewinn ist nach wie vor das Ziel in der US-Hauptstadt. Zumindest, solange Ovechkin noch das Trikot mit der Nummer acht in Washington trägt. Der Kapitän hat deutlich gemacht, dass er kein Interesse daran habe, Teil eines Neuaufbaus in Washington zu sein. Klar, der Gewinn des Stanley Cups 2018 hat Lust auf mehr gemacht. Drei Jahre läuft sein Vertrag noch. Genügend Druck also, dem Carbery, der Novize als hauptverantwortlicher Coach auf NHL-Niveau, standhalten muss.