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Sie schleppen die größten Taschen, haben die schwerste Ausrüstung am Leib zu tragen und stehen immer im Mittelpunkt des Spielgeschehens. Eine gewisse Verrücktheit gehört schon dazu, wenn man sich in den frühen Jahren seines Sportlerlebens dazu entscheidet, sich in das 1,22 Meter hohe und 1,83 Meter breite Metallgehäuse zu stellen, um sich den anfliegenden Pucks in die Quere zu stellen.

Nicht von ungefähr genießen Eishockeyschlussleute den Ruf immer etwas schrullig, sonderbar oder eigenartig zu sein. Ob dieses Image tatsächlich stimmt, sei einmal dahin gestellt, keinerlei Zweifel gibt es aber daran, dass die Position des Torhüters die wichtigste beim Eishockey ist. Auf hohem spielerischem Niveau werden Fehler des Torwarts postwendend bestraft. Selbst wenn ihm keinerlei Schuld bei Gegentreffern trifft, sind es mehr als vier Tore, die er kassiert, ist er der Gelackmeierte.
Selten ist die Rede davon, dass ein Torwart eine Führungsrolle innerhalb der Mannschaft einnimmt. Sind Goalies tatsächlich nur vereinzelt Leader ihres Teams?
Washington Capitals Cheftrainer Barry Trotz sieht das gänzlich anders, wie er NHL.com/de verriet: "Selbstverständlich sind sie das. Vor 30 Jahren gab es vielleicht ein oder zwei Stars unter ihnen, doch heutzutage ist bei jedem Team -- oder bei zwei Drittel von ihnen -- einer der Topstars ein Torwart. Ich weiß, dass (NY) Rangers (Henrik) Lundqvist eine Führungspersönlichkeit ist. Ich weiß es von (Braden) Holtby bei uns."
Trotz erklärte auch, wie solche Ausnahmetorhüter ihre Rolle als Leitwolf ausüben: "Sie sagen zwar nicht viel, da sie immer im eigenen Drittel stehen, doch sie führen durch ihre Arbeitseinstellung, durch ihre Spielweise und indem sie als gutes Exempel vorangehen."
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In eine ähnliche Kerbe schlug auch Peter Laviolette, Headcoach der Nashville Predators: "Ich würde voller Hochachtung vor den Goalies sagen, dass sie sich um viele wichtigen Dingen sorgen. Ein Teamleader zu sein, ist nicht ihre oberste Prämisse. Pekka (Rinne) hat einen großen Stellenwert in unserer Kabine. Es wird nicht vorkommen, dass er aufsteht und eine feurige Rede hält, doch wenn er etwas sagt oder er gefragt wird, dann hat das Hand und Fuß. Er ist einer unserer Leader in der Kabine."
Und wie sehen die Torhüter selbst ihre Stellung innerhalb der Mannschaft?
Rinne stimmt zu, dass Torhüter durchaus eine führende Position einnehmen können, es jedoch vom Temperament des Einzelnen abhängt, wie sie sich äußert. "Ich war noch nie der Lauteste und ich fühle mich wohl mit der Rolle, die ich innehabe. Ich spiele hier schon so lange. Wenn ich etwas zu sagen habe, dann mache ich den Mund auf und ich habe auch den Eindruck, dass die anderen mir zuhören."

Calgary Flames Schlussmann Mike Smith, 35, beschreibt seinen Wandel: "Ich war schon ein ziemlich emotionaler Kerl, doch ich habe gelernt mich besser zu beherrschen. Zu Beginn meiner Karriere habe ich einige Sachen gesagt, die ich lieber nicht gesagt hätte. Umso länger du in dieser Liga spielst, umso mehr Erfahrung du hast, desto mehr respektieren dich die Mitspieler. Wenn es einen Grund gibt das Wort zu ergreifen dann mache ich das. Ich erwarte nicht, dass ich die Nummer 1 in der Kabine bin, doch wenn ich unsere Führungsspieler unterstützen kann, dann mache ich das auch. Im Laufe der Jahre habe ich gelernt, dass es mein Job ist alles zu halten, was auf mein Tor kommt, ob es nun 40 oder 20 Torschüsse sind."
Henrik Lundqvist von den New York Rangers, mit seinen 35 Jahren ein ebenfalls erfahrener Schlussmann, der in seiner Karriere schon einiges mitbekommen hat, erwähnte, dass er ein eher ernster Torwart ist im Vergleich zu manchem anderen Torwartkollegen, mit dem er schon zusammen gespielt hat. "Ich konzentriere mich immer nur darauf, was ich im Spiel zu leisten habe. Ob Torwart oder nicht, ich bin seit 13 Jahren in New York. Ich möchte immer nur das Beste für das Team und die Organisation geben. In meinen ersten Jahren habe ich mich häufig auch mich alleine fokussiert, doch umso länger du zu einer Mannschaft gehörst, umso verantwortungsvoller fühlst du dich."

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Im Vergleich zu Lundqvist mit seinen 788 NHL-Einsätzen ist der 24-jährige Connor Hellebuyck von den Winnipeg Jets, für die er 126 Mal das Tor hütete, noch ein Neuling. Doch worauf es ankommt, ist ihm durchaus bewusst: "Du musst die Ruhe bewahren. Es macht einen Unterschied aus, ob du aufgeregt wirkst oder relaxed bist, wenn die Jungs in die Kabine kommen. Sie müssen ihr Spiel durchziehen mit der Gewissheit, dass hinten einer steht, über den sie sich keine Sorgen machen müssen."
Darauf kommt es an, unabhängig davon, ob es als Führungsqualität ausgelegt wird oder nicht!