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Vorentscheidung oder Aufholjagd?

Die Minnesota Wild brauchen in St. Louis einen Sieg, wenn sie die Vorentscheidung verhindern wollen

von Alexander Gammel / NHL.com/de Autor

Spiel zwei der ersten Playoffrunde zwischen den Minnesota Wild und den St. Louis Blues ist beendet und die Blues haben sich in zwei engen Spielen eine komfortable Führung erspielt. Auch die zweite Partie endete, wie schon die erste Begegnung, mit einem 2-1 Sieg für St. Louis nach Verlängerung. Der Spielverlauf gestaltete sich dieses Mal ausgeglichener, als in Spiel eins, in dem die Wild mit einem Schussverhältnis von 52-26 sehr dominant auftraten, doch das Ergebnis war das gleiche.

Die Wild hatten wieder in den meisten Statistiken die Nase vorn, auch wenn sie dieses Mal nur auf ein Torschussverhältnis von 24-22 kamen. Besonders beeindruckend war dabei die Siegquote am Bullypunkt von 63%. Trotzdem bleibt es eine Serie, der es an Toren mangelt, obwohl die Wild in der regulären Saison die zweitmeisten Treffer verbuchen konnten. Doch in den letzten beiden Spielen kamen sie nur auf eine Ausbeute von zwei Treffern aus 76 Schüssen, eine Quote von 2,77%, verglichen mit 10,4% in der regulären Saison. In einer Sportart, in der für gewöhnlich fünf bis sechs Tore pro Spiel fallen, hat man damit natürlich nur selten Erfolg.

"Natürlich müssen wir Tore schießen", weiß auch Wild Verteidiger Ryan Suter. "Es ist schwer Spiele zu gewinnen, wenn man Schwierigkeiten hat Tore zu schießen. Wir müssen uns einfach auf das nächste Siel konzentrieren und ein Weg finden, den Puck hinter die Linie zu bringen."

Video: STL@MIN, Sp1: Edmundson schießt das Siegtor in OT

Für die Wild war bisher nur Zach Parise erfolgreich, der in beiden Spielen traf. Aber auch bei den Blues hat die Offensivabteilung noch Luft nach oben. Für die Blues trafen bisher Vladimir Sobotka und Jaden Schwartz ein Mal und überraschenderweise ausgerechnet Joel Edmundson zwei Mal. Der 23-jährige Verteidiger traf in der regulären Saison in 69 Spielen drei Mal, in den Playoffs dafür in beiden Spielen. Der Kanadier wurde nach dem Spiel gefragt, ob er sich an das letzte Mal erinnert, als er in zwei Spielen in Folge traf.

"Vielleicht als kleines Kind, als ich Stürmer war...", war seine Antwort. "Aber als Profi ist mir das noch nie passiert."

Doch auch das braucht man in den Playoffs, Spieler, die unter dem besonderen Druck auf ein neues Level kommen und mehr Verantwortung übernehmen. Das tut Edmundson. Auch Parise, der gegen Ende der Saison, teilweise auch verletzungsbedingt, Probleme hatte die Scheibe im Netz unterzubringen.

Ein weiterer Spieler, der in den Playoffs über sich hinaus wächst und ein Grund für die wenigen Tore, steht zwischen den Pfosten der Blues. Bei Jake Allen kann, der eine durchschnittliche Saison spielte, kann man sich in den letzten beiden Spielen Fragen, ob er Superkräfte bekommen hat. Mit übermenschlichen Reaktionen stoppt er alle Bemühungen der Wild. Ihm gegenüber steht Devan Dubnyk, der ohnehin schon während der regulären Saison einer der besten Torhüter der Liga war.

Auch die Vorderleute der beiden Schlussmänner machen den Stürmern das Leben schwer. Beide Teams stehen vor dem eigenen Tor sehr eng und kämpfen mit allen Mitteln um jeden Millimeter. Jeder Check wird zu Ende gefahren, keine Position aufgegeben, in jedem Zweikampf setzen die Spieler immer wieder nach und nach dem Abpfiff kommt es rund um Allen und Dubnyk immer wieder zu kleineren Scharmützeln, bei denen auch kleinere Spieler, die nicht als Kämpfer bekannt sind ordentlich zupacken.

Doch für die Wild gilt es jetzt besonders, sich in diesen Kämpfen durchzusetzen und das Defensivbollwerk der Blues zu knacken. Sie brauchen ein Spiel, in dem mehr als drei Tore fallen um etwas Schwung zu gewinnen, denn bei diesen knappen Ergebnissen haben die Blues mit ihrer höheren Chancenverwertung die Nase vorne.

Das nächste Spiel ist immens wichtig, nachdem die Blues nun eine 2-0 Führung in der Serie haben, denn ein 3-0 Rückstand wird nur in den seltensten Fällen gedreht und bedeutet somit eine Vorentscheidung. Spiel drei wird am Sonntag in St. Louis stattfinden. Möglicherweise kann der Ortswechsel ja einen Neustart einleiten. Eine Führung von zwei Spielen wird öfter aufgeholt und dessen sind sich beide Teams und die Trainer bewusst.

"Wir hatten einen guten Start, aber die Arbeit ist noch nicht getan", bestätigt auch Blues Stürmer Jaden Schwartz. "Wir wissen, die letzten beiden Siege sind die härtesten und das beginnt in Spiel drei. Sie werden uns alles entgegenwerfen, aber wir freuen uns auf die Heimspiele. Wir haben bisher einen guten Job gemacht, aber wir wissen, es wird noch viel härter werden."

Video: STL@MIN, Sp2: Schwartz vom Slot zur späten Führung

Keine Illusionen, keine vorzeitige Euphorie also bei den Blues und daran tun sie gut, denn wer die Konzentration verliert und seinen Gegner unterschätzt, kommt in der NHL nicht weit. Auch bei den Wild blickt man voll konzentriert auf das nächste Spiel und bemüht sich, den Kopf frei zu halten.

"Beide Spiele endeten 2-1. Wäre es 6-0 ausgegangen, würde ich sagen es wird schwer, sich da wieder herauszuarbeiten", erklärte Wild Trainer Bruce Boudreau. "Nicht, dass es einfach wird, aber seien wir ehrlich, beide Spiele hätten anders ausgehen können. Ich sehe nicht, warum wir nicht aufs Eis gehen können und das mit ihnen machen, was sie uns gezeigt haben. Es ist sicher nicht unmöglich."

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