Toni Soderholm

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In dieser Ausgabe: Der Wechsel von Bundestrainer Söderholm zum SC Bern

Zum zweiten Mal in vier Jahren müssen sich die Verantwortlichen des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) nach dem Deutschland Cup auf die Suche nach einem neuen Bundestrainer begeben. Im Anschluss an das Turnier von 2018 verabschiedete sich Marco Sturm als Co-Trainer zu den Los Angeles Kings und diese Woche, wenige Tage nach dem Sieg bei der Ausgabe 2022, wechselte Toni Söderholm mit sofortiger Wirkung zum SC Bern in die Schweizer National League. Dabei hatte er erst im März seine Zusammenarbeit mit dem Verband bis 2026 verlängert.

Jessica Campbell Coach

"Ich wollte gerne wieder Vereinstrainer werden. Entsprechend hatte ich auch den letzten Vertrag mit dem DEB gestaltet. Er sah vor, dass ich gehen kann, wenn sich eine Möglichkeit auftut. Nun kam diese Gelegenheit früher als erwartet", äußerte sich Söderholm in einem auf der Webseite des SCB veröffentlichten Videointerview. Er habe vergangene Woche erstmals vom Interesse des 16-maligen Schweizer Meisters gehört.
"Das klang sehr interessant. Gleichzeitig hatten wir noch ein Turnier zu spielen. Danach ging alles relativ schnell. Ich bedanke mich beim Deutschen Eishockey-Bund, dass man mir diesen Schritt ermöglicht hat."
Söderholm hatte das Amt als Bundestrainer im Januar 2019 angetreten. Zuvor war er bereits als Co-Trainer der U20-Nationalmannschaft tätig. Während seiner Zeit als Chefcoach bestritt er drei IIHF-Weltmeisterschaften mit der DEB-Auswahl. Dabei führte er das Team zweimal ins Viertelfinale (2019, 2022) und einmal ins Halbfinale (2021). Zudem betreute der 44 Jahre alte Übungsleiter die Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen in Peking 2022 und holte mit ihr zwei Titel beim Deutschland Cup (2021, 2022).
SCB-Sportchef Andrew Ebbett freut sich über den geglückten Coup mit Söderholm. "Toni war als Spieler ein Leader, jetzt ist er es auch als Trainer. Er kann gleichermaßen mit erfahrenen und mit jungen Spielern arbeiten und sie entwickeln. Mit seiner Philosophie passt er hervorragend zu unserer Strategie. Ich bin sehr zufrieden und dankbar, dass wir mit Toni und dem Deutschen Eishockey-Bund eine Lösung finden konnten", ließ er in den klubeigenen Medien verlauten.
Söderholm tritt in Bern die Nachfolge des Anfang November entlassenen Johan Lundskog an. Für ihn ist das Umfeld des Traditionsklubs kein unbekanntes Terrain. Von 2005 bis 2007 lief er in seiner aktiven Zeit als Verteidiger bei der Vertretung aus der Bundesstadt auf. "Der SC Bern war meine erste Auslandsstation. In Erinnerung geblieben sind mir vor allem die leidenschaftlichen Fans und wie bedeutend Eishockey generell in Bern ist. Das alles verleiht Spielern und Trainern einen unglaublichen Push", sagte der neue Mann an der Bande.
Am Mittwoch leitete Söderholm seine erste Trainingseinheit beim SCB. "Das erste Treffen ist immer aufregend für beide Seiten. Die Spieler schauen, wer kommt und was jetzt passiert. Der Trainer hofft, dass alle fit sind und sich auf ein neues Gesicht freuen. Es lief gut. In zwei Wochen werden sich aber bestimmt nicht mehr viele daran erinnern, was da im Vorfeld alles geredet wurde", meinte er.
Sein Pflichtspieldebüt auf der SCB-Trainerbank der Berner gibt Söderholm am Samstag in der heimischen PostFinance Arena. Dabei kommt es gleich zum reizvollen Zähringer-Derby gegen den HC Fribourg-Gottéron. "Derbys sind etwas Besonderes. Die hat man im Kalender immer rot angestrichen. Das Spiel bietet die gute Chance, die Emotionen nach dem Trainerwechsel hoch zu halten. Ich würde mich freuen, wenn die Jungs drei Punkte holen", betonte der Coach im Hinblick auf das bevorstehende Duell.
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Beim DEB bedauerte man den Wunsch des Bundestrainers, den Kontrakt vorzeitig aufzulösen. "Die vergangenen vier Jahre mit Toni Söderholm waren erfolgreich für den DEB und die Nationalmannschaft. Sehr gerne wären wir den eingeschlagenen Weg mit ihm weitergegangen. Wir wünschen Toni für seine Zukunft alles Gute und natürlich sportlichen Erfolg", gab DEB-Präsident Dr. Peter Merten zu Protokoll.
Laut DEB-Sportdirektor Christian Künast war die Zusammenarbeit mit Söderholm vertrauensvoll und zielführend. "Sportlich hat sich die Mannschaft unter ihm stetig weiterentwickelt und es ist gelungen, immer wieder junge Spieler zu integrieren. Das hat jüngst auch der Erfolg beim Deutschland Cup 2022 gezeigt", sagte er.

Toni Söderholm

Ab sofort beginnt beim Verband die intensive Suche nach einem neuen Bundestrainer. Dabei werde man mit aller Sorgfalt vorgehen und keine überstürzten Entscheidungen treffen, kündigte DEB-Vizepräsident Andreas Niederberger an. Bis zu einem Lehrgang mit U-25-Spielern im kommenden Februar soll die Nachfolge idealerweise geregelt sein. Im April beginnt dann die Vorbereitung auf die WM 2023 im Mai in Finnland und Lettland.