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Schöne Geschichten schreibt der Sport

Diesen Montagabend werden Tyler Ennis und Jujhar Khaira nicht mehr vergessen

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

Manchmal schreibt der Sport so schöne Geschichten, die sich der beteiligte Protagonist in seinen kühnsten Träumen nicht hätte vorstellen können. Heute Nacht wurden Tyler Ennis von den Buffalo Sabres und Jujhar Khaira von den Edmonton Oilers aus ihrem Traum geweckt und stellten fest, dass er Realität geworden war.

Seit fast zwei Jahren kämpft Tyler Ennis mit seiner Gesundheit. Die sportlichen Jahre des Stürmers von den Buffalo Sabres waren geprägt von Verletzungssorgen. Zu Beginn der Saison 2015/16 verpasste er zunächst zwei Partien wegen einer Verletzung im unteren Körperbereich, kaum zurück auf dem Eis zog er sich Ende November eine Gehirnerschütterung zu, die ihn letztendlich dazu zwang die letzten 45 Saisonpartien zu pausieren. Ende September war der 27-Jährige voller Zuversicht und erzählte damals der Buffalo News: "Das war fürchterlich frustrierend, ich bin voll motiviert und lasse das alles hinter mir. Ich bin bereit für einen Neustart und werde auf die Erfahrungen aufbauen, die ich in dieser Zeit gemacht habe."

Die ersten zwölf Saisonspielen blieb Ennis vom Verletzungspech verschont, sportlich lief es aber nicht so gut. Ein Tor und einen Assist konnte er in diesen Partien erzielen. Am 7. November hatte er gegen die Boston Bruins seinen bis dato letzten Auftritt. Vier Tage darauf musste er sich einer Leistenoperation unterziehen. Es wurde von den behandelnden Ärzten prognostiziert, dass die Rehabilitation des Stürmers gut zwei Monate dauern wird. Vor einer guten Woche nahm Ennis wieder voll am Mannschaftstraining teil und sprach davon, dass er nur noch ein paar Einheiten benötige, um besser zu werden und dann die Herausforderung annehmen zu können.

Und wie er sie annahm! 19 Sekunden waren beim Besuch der Dallas Stars im KeyBank Center gerade einmal absolviert, Ennis stand in der Startformation zusammen mit Kyle Okposo und Ryan O'Reilly auf dem Eis, als der Wiedergenesene vom Fehlpass von Dallas Verteidger John Klingberg profitierte. Ennis las perfekt das Spiel, lief in den Freiraum, genau dorthin, wo Klingberg die Scheibe hin spielte, nahm sie mit und versenkte sie aus Höhe des rechten Bullykreises, hinter Stars Schlussmann Kari Lehtonen oben links im oberen Toreck. "Ich habe mich großartige gefühlt. Ehrlich gesagt war ich noch etwas rostig. Beim Warm-up musste ich mich erst an alles gewöhnen", beschrieb der überaus glückliche Linksaußen die ersten Minuten auf dem Eis und seinen zweiten Saisontreffer, mit dem er früh den Grundstein für Buffalos 4-1 Erfolg legen konnte.

Sagt ihnen der Name Khaira etwas? Es handelt sich um keinen Schreibfehler und es ist auch nicht die Rede von einem deutschen Fußballnationalspieler, dessen Nachname zum Verwechseln ähnlich klingt, nein, es geht um Jujhar Khaira, den 22-jährigen Linksaußen, den die Edmonton Oilers beim NHL Draft 2012 in der dritten Runde an 63. Position ausgewählt haben. Khaira hatte schon in der vergangenen Saison 2015/16 15 Partien für die Franchise aus dem Norden Albertas bestritten und war dabei zu zwei Assists gekommen. Ende Februar 2016 wurde er wieder zu Bakerfield in die American Hockey League geschickt, wo er sich stetig weiterentwickelt hat.

Es ist noch keine Woche her, als Khaira erfuhr, dass er zu den Oilers berufen wurde. Am vergangenen Donnerstag durfte er in der Heimpartie gegen die New Jersey Devils sein Saisondebüt geben, bekam 8:14 Minuten Eiszeit, schoss zweimal aufs Tor und setzte einen Check. Beim Derby gegen die Calgary Flames musste Khaira aus gesundheitlichen Gründen passen, doch zwei Tage später sollte es der schönste Tag in seiner bisherigen Eishockeykarriere werden.

Die Arizona Coyotes gaben sich die Ehre im Rogers Place der Oilers und nach einer guten halben Stunde war es soweit. Der Stürmer mit der Nummer 54 auf den Rücken, setzte im Drittel der Coyotes hinter dem Kasten nach, Arizonas Verteidiger Connor Murphy fiel hin, verlor den Puck an Zack Kassian, der zu Mark Letestu passte und der hatte ein Auge für den mittlerweile vor das Tor gelaufenen und besser positionierten Khaira.

"Welch eine Erleichterung. Du denkst laufend darüber nach und jetzt möchte ich darauf aufbauen. Schon als Kind hat man immer dieses Bild vor Augen (in der NHL zu treffen) und nun ist es Wirklichkeit geworden. Das fühlt sich sehr gut an", schilderte nach der Partie der Schütze zum 2-0 seinen Gefühlszustand. Die Begegnung endete 3-1.

Drücken wir Tyler Ennis die Daumen, dass er den Verletzungsfluch überstanden hat und in den noch verbleibenden 39 Partien der regulären Saison seinem Team zur Verfügung stehen kann. Wünschen wir Jujhar Khaira, das Allerbeste, damit er sich einen Stammplatz bei den Oilers erarbeiten und sich noch viele Male über ein NHL-Tor freuen kann.

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