Was war das für eine Nervenschlacht in der PNC Arena in Raleigh am Donnerstag! Am Ende siegten die Florida Panthers in der vierten Verlängerung gegen die Carolina Hurricanes im ersten Spiel der Best-of-7-Serie im Eastern Conference Finale der Stanley Cup Playoffs 2023 mit 3:2. "Das ist jetzt ein schwieriger Moment für uns", meinte Carolinas Trainer Rod Brimd'Amour hinterher. "Aber es war eben erst ein Spiel. Wir hatten die Chancen zum Sieg. So läuft das manchmal. Wir müssen uns jetzt sammeln und es im nächsten Spiel direkt wieder versuchen."

Beide Teams lieferten sich eine Begegnung in Rekordlänge für beide Organisationen (und das sechstlängste Spiel in der Geschichte der NHL) auf absolutem Top-Niveau, speziell auch in der Defensive. Am Ende der regulären 60 Minuten hatte es 2:2 gestanden. Es folgte ein sportliches Drama, wie man es nur ganz selten sieht.

Letztendlich war es Matthew Tkachuk, der den Sieg für die Gäste mit seinem sechsten Tor der Postseason besiegelte. Er traf 13 Sekunden vor dem Ende der siebten Periode des Spiels zum Endstand. Es war zudem sein zweiter siegbringender Treffer in einer Verlängerung in den diesjährigen Playoffs. Sam Bennett nahm den Puck in dieser Szene an der Bande auf, nachdem Jaccob Slavins Klärungsversuch den Schiedsrichter getroffen hatte, und passte zu Tkachuk im rechten Anspielkreis, der von dort den umjubelten Siegtreffer erzielte.

Bei den glücklichen Siegern überzeugten in diesem Marathon-Match zudem Aleksander Barkov und Carter Verhaeghe, die jeweils einen Treffer und eine Torvorlage gutgeschrieben bekamen. Anthony Duclair steuerte zwei Assists bei. Im Mittelpunkt stand aber über weite Phasen des Spiels Floridas Torhüter Sergei Bobrovsky, der es am Ende des Abends auf 63 Paraden für die Panthers brachte.

Auf der Gegenseite überzeugte Seth Jarvis mit einem Tor und einer Vorlage. Den anderen Treffer der Hurricanes erzielte Stefan Noesen. Goalie Frederik Andersen, der im Tor der Hausherren den Vorzug erhielt, parierte 57 Mal für Carolina, war am Ende beim Gegentreffer durch Tkachuk aber machtlos.

Kurzzeitig fühlten sich die Panthers in diesem Duell auch schon früher als Sieger. Ryan Lomberg, der die letzten acht Spiele wegen einer Oberkörperverletzung verpasst hatte, glaubte das Spiel für seine Farben gewonnen zu haben, als er Jalen Chatfield in der dritten Minute der ersten Verlängerung den Puck im Slot abnahm, sich drehte und die Scheibe in die Maschen des Tores beförderte. Eine Videokontrolle ergab jedoch, dass Colin White zuvor Torhüter Andersen behindert hatte, so dass der Treffer keine Anerkennung fand. "Das hat richtig Spaß gemacht heute, um ehrlich zu sein", sagte Lomberg trotz des aberkannten Tores. "Natürlich war es anstrengend, aber es war insgesamt ein toller Auftritt von uns. Wir stehen als Gruppe eng zusammen. So muss das sein." Jarvis hätte in der Folgezeit ebenfalls fast den Siegtreffer erzielt, als sein Schuss in der 13. Minute der ersten Extraschicht nur an die Latte ging.

Der Abend war nicht immer so torarm, wie in der von den beiden Defensiven geprägten Endphase. Carolina ging bereits zwölf Sekunden vor Ende des ersten Drittels durch ein Powerplay-Tor mit 1:0 in Führung. Sebastian Aho hielt den Puck in der Nähe des rechten Pfostens, bevor er zu Jarvis passte, der vier Sekunden nach dem Ende eines 5-gegen-3-Spiels zur Führung der Hausherren einschoss.

Barkov glich für Florida in der 36. Minute zum 1:1 aus, indem er nach einem Pass von Duclair vom linken Kreis aus traf. "Das war ein extremer Abend. Man muss viel trinken, damit man halbwegs frisch bleibt", sagte er. "Am Ende einer solchen Anstrengung ist es natürlich wichtig, das Eis als Sieger zu verlassen. Das ist uns zum Glück gelungen."

Verhaeghe erzielte das 2:1 (38.) für das Team aus Sunrise, als er den Puck an der Torlinie abfing, in den rechten Kreis eindrang und mit einem Handgelenkschuss an den linken Innenpfosten traf, von wo aus die Scheibe in die Maschen flog.

Doch die Hurricanes kamen im dritten Spielabschnitt noch einmal mit Macht zurück ins Spiel. Noesen erzielte den 2:2-Ausgleich (44.) bei einem Powerplay. Jarvis nahm eine Rückhandvorlage von Martin Necas auf und spielte einen Pass zu Noesen, der vom rechten Kreis aus traf. Trotz einer Dominanz von 14:2 Torschüssen in diesem Drittel gelang es Carolina in dieser Phase nicht, das Spiel zu seinen Gunsten zu entscheiden, so dass es aus dem Spiel ein episches NHL-Drama wurde, das die Panthers letztlich glücklich gewannen. "Wir haben einfach zu viele Fehler gemacht heute. Am Ende sind wir dafür bitter bestraft worden", ließ ein enttäuschter Jordan Staal verlauten.

FLA@CAR, Sp1: Noesen gleicht in Überzahl zum 2:2 aus

Viel Zeit zur Erholung bleibt beiden Mannschaften nach diesem kräfteraubenden Auftritt nicht. Spiel 2 des Eastern Conference Finales 2023 steigt am Samstag (8 p.m. ET; NHL.tv; So. 2 Uhr MESZ) an gleicher Stelle.