Thomas Vanek: „Outdoor-Spiele sind ein Erlebnis“

Das Discover NHL Winter Classic zwischen den Minnesota Wild und den St. Louis Blues am 1. Januar (7 p.m. ET; NHL.tv; 2. Januar, 1:00 a.m.) zählt zu den Highlights der Saison. Der österreichische Ex-Profi Thomas Vanek berichtet im Interview mit NHL.com/de über seine Erfahrungen mit Eishockey unter freiem Himmel.

Thomas Vanek, welche Erinnerungen verbindest Du persönlich mit dem Winter Classic?
Meine größte Erinnerung ist das erste Winter Classic, das ich mit den Buffalo Sabres gespielt habe. Das war ein großes Event. Es war das erste überhaupt in der NHL. Die Fans in Buffalo sind total verrückt. Ich kann mich noch erinnern, wie wir vier Stunden vor Spielbeginn in das Stadion fuhren. Die Leute haben draußen Party gemacht, teilweise ohne T-Shirt. Das damalige Spiel gegen die Pittsburgh Penguins war ein gutes Spiel. Am Ende fiel sogar Schnee. Der Tag war rundherum einfach super. Das Einzige, was nicht perfekt war, war, dass wir im Penaltyschießen das Spiel verloren haben.
Bei dem Winter Classic 2008, welches Du gerade angesprochen hast, befanden sich 71.217 Zuschauer im Ralph Wilson Stadium. Das war damals ein Rekord. Fühlt sich ein Spiel unter freiem Himmel anders an als ein Spiel in der Halle?
Ja, auf alle Fälle. Die Atmosphäre ist anders, alles ist viel größer. Das Spiel fand damals in einem Football-Stadion statt. Die Fans waren dadurch etwas weiter von einem entfernt. Man hört nicht unbedingt immer alles. Aber wenn etwas passiert, ein Tor oder ein Check, dann hört man richtig die Kulisse, vor allem wenn über 70.000 Fans im Stadion sind. Outdoor-Spiele sind ein besonderes Erlebnis.

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Buffalo ist ohnehin eine eishockeybegeisterte Stadt. Hat dieses Highlight trotzdem noch einmal für einen zusätzlichen Hype gesorgt?
Auf alle Fälle. Und das ist heute in Minnesota genauso wie damals für mich in Buffalo. In Minnesota ist Eishockey sehr beliebt. Die Leute reden bereits seit dem Sommer über dieses Spiel. Jetzt rückt das Spiel näher. Das ist ein großer Hype. Ich erwarte ein super Spiel. Hoffentlich schneit es ein bisschen. Kalt wird es in Minnesota auf alle Fälle sein.
Das damalige Spiel zwischen den Buffalo Sabres und den Pittsburgh Penguins war nicht Ihr einziges Spiel unter freiem Himmel…
Das stimmt. Ich habe mit den New York Islanders im Yankee-Stadium gespielt. Ich habe mit den Detroit Red Wings in einem etwas kleineren Fußball-Stadion gespielt. Und ich habe wie gesagt mit Buffalo in einem Football-Stadion gespielt. All diese Spiele waren super. Aber weil Buffalo mein erstes Winter Classic gewesen ist, werde ich mich daran immer besonders gerne erinnern.
Dein Ex-Team Minnesota Wild und die St. Louis Blues stehen sich beim Winter Classic gegenüber. Der Schauplatz des Spiels wird das Target Field sein. Dies ist normalerweise die Heimstätte des Baseball-Teams der Minnesota Twins. Kennst Du das Stadion?
Ja, meine drei Burschen spielen selber alle Baseball. Wir gehen öfter in das Stadion und schauen uns die Spiele der Twins an. Ich kenne das Stadion sehr gut. Jetzt habe ich auch ein Bild davon gesehen, wie das Stadion mit der Eisfläche aussieht. Das schaut sehr gut aus.
Minnesota spielt derzeit eine überragende Saison. Traust Du Ihnen den Gewinn des Stanley Cups zu?
Ja, auf alle Fälle. Sie gehören zu den zehn Mannschaften, die momentan sehr gut spielen. Am Ende der Saison geht es darum, gut zu spielen, aber auch gesund zu bleiben. Und der Torhüter muss dein bester Spieler sein. Der Cam Talbot und der Kaapo Kahkonen haben bislang immer gut gespielt.
Du giltst als der beste österreichische Eishockey-Spieler aller Zeiten. In Michael Raffl gibt es derzeit lediglich einen aktiven Österreicher in der NHL. Hinzu kommt Marco Rossi, der beim NHL Draft 2020 an Position 9 von Minnesota gepickt wurde und nach seinen gesundheitlichen Problemen nun in der AHL Spielpraxis sammelt. Wie beurteilst Du die beiden Österreicher?
Der Michael spielt in der NHL seit Jahren sehr gut. Er macht seinen Job wunderbar und hat sicherlich noch einige Jahre in der NHL vor sich. Ich verfolge auch die Spiele vom Marco in der AHL. Er spielt dort sehr brav. Ich glaube, es ist gut, dass er dort viel Eiszeit bekommt und Erfahrungen als Profi sammelt. Ich bin mir sicher, dass er in den nächsten Monaten oder im nächsten Jahr in einer guten Form ist und gut in der NHL spielen wird.

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Du hast Deine Karriere im Jahre 2019 beendet. Wie sieht heute Dein Alltag aus?
Ich habe drei Burschen zu Hause. Der Große ist 14 Jahre alt, die Zwillinge sind elf. Ich bin auch deren Trainer. Ich entwickle Trainingspläne und arbeite daran, die beiden Mannschaften besser zu machen. Das macht mir sehr viel Spaß.
Du hast nach Deinem Karriereende einmal angedeutet, Du könntest Dir eine Zukunft als General Manager in der NHL vorstellen. Wie genau sieht Dein Plan aus?
Mein großer Traum ist es, weiter in dem Spiel zu bleiben. Eishockey ist mein Leben. Jetzt ist es mir wichtig, für meine Kinder da zu sein und sie zu trainieren. Aber es ist mein Traum, irgendwann ein General Manager in der NHL zu sein. Der nächste Schritt wäre es, mit einer NHL-Mannschaft zu arbeiten, ob nun im Players Development, als Scout oder was auch immer. Ich hoffe, in den nächsten Jahren passiert etwas.