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Er ist der Routinier in einer ansonsten jungen Mannschaft. Thomas Greiss geht mit seinen 35 Jahren als ältester Spieler der Detroit Red Wings in die Saison 2021/22. Der Torwart blickt auf 316 Spiele in der NHL zurück und bestritt 17 Partien in den Stanley Cup Playoffs. Im Jahre 2020 gelangte er mit den New York Islanders sogar bis in das Eastern Conference Finale. Von solchen Erfolgen konnten die Red Wings zuletzt nur träumen.

Die letzte Playoff-Teilnahme datiert aus dem Jahre 2016. Schlimmer noch: Seit 2013 konnte Detroit keine Playoff-Runde mehr für sich entscheiden. Doch der Neuaufbau schreitet voran. Mit vielen jungen Spielern, zu denen unter anderem der deutsche Verteidiger Moritz Seider zählt, möchte der 11-malige Stanley-Cup-Sieger an den erfolgreichen Zeiten von früher anknüpfen. Greiss wechselte bereits im vergangenen Jahr nach Detroit und geht nun in sein letztes Vertragsjahr.

Top-Stopps in 2021 von Thomas Greiss

Dylan Larkin, der Kapitän der Red Wings, lobt den Einfluss des Deutschen: "Er bleibt immer ruhig, hat das Geschehen vor ihm im Griff und hält wirklich viel. Wenn er zwischen den Pfosten steht, strahlt er viel Sicherheit auf die gesamte Mannschaft aus. Er macht die wichtigsten Saves und hält uns im Spiel."
Die vergangene Saison verlief für Greiss durchwachsen. In elf der ersten 16 Saisonspiele stand er von Anfang an auf dem Eis, parierte ordentliche 90,4 Prozent der Schüsse und kassierte durchschnittlich 2,90 Tore pro Spiel. Das Problem war nur: Die Red Wings konnten keines der ersten sechs Spiele, in denen Greiss begann, für sich entscheiden. Sein Goalie-Kollege Jonathan Bernier erwischte einen besseren Start: Die ersten drei Spiele mit ihm im Tor endeten siegreich.
Doch Greiss ist erfahren genug, um solche Phasen richtig einzuordnen. Nicht zuletzt aufgrund des zwischenzeitlichen Verletzungsausfalls von Bernier war Greiss öfter gefordert als vor der Saison anzunehmen war. Zum Saisonende hin erreichte er seine Bestform: Ihm gelang jeweils ein Shutout am 27. April gegen die Columbus Blue Jackets und am 1. Mai gegen den Stanley Cup-Sieger Tampa Bay Lightning. Über fast 150 Minuten ließ er keinen Gegentreffer zu. Die Belohnung: Greiss wurde zum NHL First Star of the Week ernannt.

TBL@DET: Greiss verbucht Shutout gegen Lightning

"In dieser Phase agierte er sehr stabil, genauso wie unsere Defensive vor ihm", sagt Red Wings-Trainer Jeff Blashill. "Diese beiden Dinge gehen mitteinander Hand in Hand. Wenn du eine gute Verteidigung spielst, gibst du deinem Torwart die Chance, Saves zu machen. Und dann macht er die Saves, die er machen muss, und zusätzlich noch ein paar Big-Saves. Genau das hat er getan."
In 34 Spielen verbuchte Greiss eine Save-Quote von 91,2 Prozent. Dieser Wert liegt nur minimal unter seinem Karriere-Durchschnitt von 91,4 Prozent. Genau diese Quote erlangte vergangene Saison sein Torwart-Kollege Bernier. Im Gegensatz zu Greiss blieb dieser allerdings in keinem Spiel ohne Gegentor.
Nun starten die Red Wings mit einer völlig anderen Torwart-Situation in die Spielzeit 2021/22. Hatte Greiss mit dem 33-jährigen Bernier vergangene Saison einen fast gleichaltrigen Goalie-Kollegen an seiner Seite, kam nun mit Alex Nedeljkovic ein Schlussmann der aufstrebenden Generation hinzu.
Der US-Amerikaner überragte vergangene Saison im Dienst der Carolina Hurricanes bei 23 Einsätzen mit einer Save-Quote von 93,2 Prozent, drei Shutouts und einem Gegentorschnitt von lediglich 1,90. Zudem stand der 25-Jährige in neun Playoff-Spielen auf dem Eis. Dass er selbst bei diesen entscheidenden Spielen 92 Prozent aller Schüsse parierte, spricht für Nervenstärke und Abgeklärtheit zugleich. "Wir haben große Hoffnung, dass er auf seine Leistungen in der letzten Saison aufbauen wird", sagt Steve Yzerman, der General Manager von Detroit.

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Auch Larkin glaubt, dass Greiss und Nedeljkovic ein gutes Duo bilden. "Ich denke, sie können sich gegenseitig helfen und ergänzen. Greiss ist ein großartiger Profi, der jeden Tag auf dem Eis steht und hart arbeitet", sagt der Center und fügt hinzu: "Ich hoffe, Greisser kann Ned noch etwas Weisheit vermitteln, damit er der Torwart unserer Zukunft sein wird."
Gleichwohl muss Nedeljkovic den Beweis erbringen, dass die Leistungen aus der vergangenen Spielzeit keine Ausnahme waren. Vor der zurückliegenden Saison hatte er innerhalb von drei Spielzeiten erst sechs Spiele in der NHL absolviert. Zu wenig, um sein dauerhaftes Leistungsvermögen verlässlich einschätzen zu können. Sein Vertrag gilt für die kommenden beiden Jahre. In dieser Zeit kann sich Nedeljkovic für einen längerfristigen und hochdotierten Kontrakt empfehlen.
Greiss hingegen, der Ende Januar 36 Jahre alt wird, mag sich bereits im Spätherbst seiner Karriere befinden. Nach seinem Zerwürfnis mit dem Deutschen Eishockey Bund und dem Ende seiner Nationalmannschafts-Laufbahn ist allerdings klar, dass sein voller Fokus der NHL gelten wird. Gut möglich, dass er sich mit guten Leistungen noch einmal für einen neuen Vertrag in Detroit empfiehlt.
Ein Routinier könnte schließlich auch zukünftig gebraucht werden