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An Thomas Greiss haben sich schon viele Geister geschieden. Im Fokus stand der heute 37-jährige Torhüter aus Füssen in der Vergangenheit, als er Schlagzeilen mit zumindest fragwürdigen Posts/Likes in den Sozialen Medien auf sich aufmerksam machte, was den DEB sogar dazu bewog, ihn nicht mehr in das Nationalteam einzuberufen. Doch es gibt eben auch die andere Seite des Thomas Greiss, der mit seiner Frau sozial engagiert ist und sich charitativen Initiativen widmet, sowie ein beständiger sportlicher Leistungsträger ist. Doch bei allen Diskussionen um seine Person ist sich Greiss treu geblieben. Er ist ein ruhiger und sachlicher Typ, der lieber seiner Arbeit nachgeht, als große Reden zu schwingen.

So ist es nicht verwunderlich, dass es zuletzt sehr ruhig um Greiss geworden ist. Bereits im vergangenen Jahr stellte sich die Frage, wie lange er noch die Arbeit eines NHL-Torhüters ausführen möchte bzw. kann. Damals war er im letzten Jahr seines im Oktober 2020 abgeschlossenen Zwei-Jahres-Vertrages bei den Detroit Red Wings, der ihm jährlich 3,6 Millionen Dollar, so viel wie nie zuvor in seiner Karriere, einbrachte. Doch Greiss wurde nicht die erhoffte Nummer 1 in Detroit, sondern in seinem zweiten Jahr von Alex Nedeljkovic, der von den Carolina Hurricanes kam, abgelöst.

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Dadurch war frühzeitig klar, dass der Weg in Detroit für Greiss im Sommer 2022 zu Ende sein würde und im Alter von 36 Jahren stellt sich zwangsläufig die Frage nach einem möglichen Karriereende. Diese beantwortete er jedoch bereits am ersten Tag der Free Agency Periode, dem 13. Juli, indem er einen über 1,25 Millionen Dollar dotierten Ein-Jahres-Vertrag mit den St. Louis Blues abschloss. Eine Zusatzklausel würde Greiss weitere 250.000 Dollar einbringen, falls er 20 Spiele bei den Blues starten würde.
Ob diese Zusatzeinnahme zum Tragen kommt, ist im März 2023 fraglich, nachdem Greiss bei 14 gestarteten Spielen steht (insgesamt 17, 6-8-0, 90 Prozent Fangquote, 3,51 Gegentorschnitt). Die Nummer 1 Jordan Binnington (49 Spiele; 21-23-5; 89,3 %; 3,34 GAA) trägt die Hauptlast zwischen den Pfosten, obwohl seine Werte kaum besser sind.

STL@MIN: Greiss gelingen 35 Saves im Shutout gg. Wild

"Ich durfte nicht so viel spielen, hatte ein paar gute Spiele, aber auch schlechte Spiele", verdeutlicht Greiss im exklusiven Gespräch mit NHL.com/de und gönnt sich nebenbei in der Kabine ein Stück der für das Team bereitgestellten Salami-Pizza. "Im Großen und Ganzen ist es für mich aber ganz in Ordnung."
Die Blues liegen mit 27-31-5 (59 Punkten) in 63 Spielen 16 Punkte hinter dem zweiten Wildcard-Platz in der Western Conference. Zur Trade Deadline hat das Management frühzeitig die Reißleine gezogen und als "Seller" wichtige Spieler wie Kapitän Ryan O'Reilly (zu Toronto Maple Leafs) und Torjäger Vladimir Tarasenko (zu den New York Rangers) abgegeben.

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Aufgrund der Umstände mit der höchstwahrscheinlich verpassten Teilnahme an den Stanley Cup Playoffs und die weniger Einsätzen, stellt sich die Frage, ob es sich für ihn rentiert hat, ein weiteres Jahr dranzuhängen.
"Ja sicher, was hätte ich denn sonst machen sollen?", fragt Greiss in seiner eigenen Art lachend. "Für den Ruhestand war es noch eindeutig zu früh."
Trotzdem hatte sich Greiss wie die anderen Spieler im Kader von St. Louis sicher vor der Saison mehr erwartet. "Die ganze Mannschaft spielt unter den Erwartungen, was sehr schade ist, aber manchmal läuft es einfach nicht so", stellt er nüchtern fest.
Auch die Tatsache, dass das Management den Kampf um den Einzug in die Playoffs aufgegeben hat, für manche Spieler laut deren Aussagen zu frühzeitig, ist für den unaufgeregten Greiss kein Thema.
"Es ist die Entscheidung vom GM und der war der Meinung, dass die Ergebnisse nicht passen", erzählt Greiss. "Es wäre schön gewesen, wenn die Spieler noch dageblieben wären und wir noch einmal hätten angreifen können, aber so ist eben das Geschäft."
Hatte er Befürchtungen, dass auch er an der Trade Deadline abgegeben werden wird? Schließlich ist seine komplette Familie mit nach St. Louis gezogen, was wieder eine Trennung auf Zeit bedeutet hätte. "Weniger, die Chance ist zwar immer da, aber es waren einige Torhüter verfügbar und wenige Teams, die einen gebraucht haben, so dass ich nicht damit gerechnet habe."

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Stellt sich erneut die Frage, ob es eine Fortsetzung der Laufbahn von Greiss nach 13 Spielzeiten NHL gibt? "Ich lasse das alles mal auf mich zukommen", erklärt er. "Jetzt spiele ich die Saison zu Ende und dann werde ich das alles mal mit der Familie besprechen. Wegen den Kindern, die in der Schule sind, wird ein Ortswechsel aber immer schwieriger und gewisse Ziele wie Kanada oder Kalifornien schließe ich aus. Von daher bleibt es abzuwarten, ob und welche Angebote überhaupt noch kommen."