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Die Boston Bruins wollen es auch dieses Jahr wieder einmal wissen. Seit der Jahrtausendwende qualifizierte sich der Traditionsklub 14 Mal für die Stanley Cup Playoffs, dreimal drang er bis in das Stanley Cup Finale vor, zuletzt im Anschluss der Saison 2018/19, und 2011 holte er den Cup nach Massachusetts. Seit einem knappen Jahrzehnt zählen die Bruins vor jeder Spielzeit zum erweiterten Kreis jener Mannschaften, die für einen Titelgewinn hochgehandelt werden, doch eine Wiederholung ihres Erfolgs ist ihnen nicht mehr gelungen, obwohl sie zweimal die Eastern Conference als zweitbestes Team und zweimal sogar als punktbestes Team abgeschlossen hatten.

Nach einem starken Start in die Saison 2020/21 ließen es die Mannen von Trainer Bruce Cassidy in den vergangenen Wochen an Konstanz vermissen. Eine Bilanz von 5-4-1 aus den jüngsten zehn Auftritten, war nicht das, was sich die Klubführung vorgestellt hatte. Von Platz zwei Ende Februar in der hart umkämpften MassMutual East Division rutschten sie auf Platz vier zurück. Ihr Vorsprung gegenüber den hinter ihnen rangierenden New York Rangers und Philadelphia Flyers ist auf vier Punkte geschrumpft, so dass eine erneute Qualifikation für die Stanley Cup Playoffs in Gefahr gerät.
Playoffs ohne Bruins? Für viele NHL-Fans ist das unvorstellbar.
"Wir mussten ganz genau überlegen, welche Spieler uns helfen können", erklärte Bostons General Manager Don Sweeney. "Die Entscheidung wer, fällen wir jedoch nicht alleine, denn bei einem Trade handelt es sich immer um eine Übereinkunft."
In Boston sah man Handlungsbedarf, denn dem Zufall will man hier nichts überlassen. Einer der für einen Wechsel hochgehandelten Spieler war Taylor Hall von den Buffalo Sabres. Der 29-jährige Stürmer hatte am 11. Oktober 2020 einen Einjahresvertrag über US$ 8 Millionen bei den Sabres unterschrieben und könnte nach Saisonende ein Unrestricted Free Agent werden. Die in ihn gesetzten hohen Erwartungen konnte Hall in Buffalo nicht gerecht werden. Bei den Sabres wurde der Flügelstürmer nie heimisch. In 37 Saisonspielen für die Sabres brachte er es auf 19 Punkte (zwei Tore, 17 Assists).
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"Es lief alles andere als perfekt in Buffalo nach einem relativ guten Saisonstart. Auch für mich persönlich war es enttäuschend. Das hatte ich mir anders vorgestellt. Jetzt bin ich sehr glücklich zu den Bruins zu gehören. Ich kann es gar nicht erwarten wieder zu spielen", so Hall.
Seit dem 3. April hatte er für Buffalo aus 'Vorsichtsmaßnahme' keine Partie mehr bestritten. Die Zeichen standen auf Wechsel und das Management der Bruins schlug zu.
"Bereits im Sommer gab es Gespräche, doch der Deal kam aus verschiedenen Gründen nicht zustande. Ich liebe diese Stadt und die Fanbase. Boston ist eine Sportstadt, die ich sehr schätze. Ich habe es immer genossen, wenn wir hier waren", freute sich Hall.
Im Tausch gegen Stürmer Anders Bjork und einem Zweitrunden-Pick beim NHL Draft 2021 eisten die Bruins Hall und Stürmer Curtis Lazar von den Sabres los.
"Wir haben eine hochmotivierte Gruppe, jedoch auch das Gefühl, dass uns etwas Hilfe nicht schaden würde, dass wir noch jemand brauchen. Diese Mannschaft will wettbewerbsfähig sein", so Sweeney.

BUF@NYI: Hall lässt Sorokin keine Chance

Hall zählt zu jenen Spielern, die den Erfolg suchen, die unbedingt Stanley Cup Playoffs spielen möchten. Bei den abgeschlagen auf dem letzten Platz liegenden Sabres wäre ihm die Teilnahme an der Postseason verwehrt gewesen. Gesucht, gefunden! Durch den eingefädelten Trade könnten sich gleich zwei Wünsche erfüllen, der der Bruins, die sich mehr Tiefe im Sturm erhoffen und der von Hall, der zum ersten Mal in seiner zwölfjährigen NHL-Karriere, die reelle Chance hat, ein Wörtchen um die Titelvergabe mitzureden.
"Wir haben mit ihm gesprochen. Er wird versuchen, sich in der Gruppe zu integrieren. Er will gewinnen, und bei uns bekommt er die Chance dazu. Hoffentlich kann er seinen Speed ausspielen, hinter die Verteidiger kommen und für uns Chancen kreieren. Zudem hat er große Ambitionen, die er mitbringt", ließ Sweeney wissen.
Der als exzentrisch geltende Linksaußen hat nichts von seinem Können eingebüßt, wie er im vergangenen Sommer nach seinem Wechsel von den New Jersey Devils zu den Arizona Coyotes bewiesen hat. Er verhalf mit 27 Punkten (zehn Tore, 17 Assists) in 35 Spielen dem Franchise aus Glendale zum Einzug in die Stanley Cup Qualifikation und nach 3:1-Siegen gegen die Nashville Predators zum Erreichen der ersten Playoffrunde, in der die Coyotes den Colorado Avalanche in fünf Spielen unterlagen.
Mit im Schnitt 2,72 Toren pro Spiel stehen die Bruins weit hinter ihren Ansprüchen nur auf Platz 20 in der NHL. Es fehlt ihnen an Secondary Scoring. Allzusehr sind sie auf die Torgefahr eines Brad Marchand (16 Tore), eines Patrice Bergeron (16 Tore) und eines David Pastrnak (16 Tore) angewiesen. Hinter diesen drei Stürmern klafft eine Lücke, die Hall durchaus ausfüllen kann, vermutlich in einer Reihe mit David Krejci, den Hall sehr schätzt.
"Er ist ein klasse Spieler, der auf höchstem Niveau spielt. Er führt großartig den Puck und er kann das Spiel lesen. Es gibt aber viele tolle Spieler in der Mannschaft", lobte Hall seine neuen Teamkollegen.

WSH@BUF: Hall und Olofsson Zusammenspiel im Powerplay

Er ist heiß auf eine Reputation und würde gerne allen Kritikern beweisen, dass er immer noch zu den Top-Stürmern in der NHL zählt, wie 2017/18 als er mit 93 Punkten (39 Tore, 54 Assists) eine Karriere-Bestmarke aufgestellt hatte und mit der Hart Trophy als wertvollster Spieler der Liga ausgezeichnet wurde.
"Mein größtes Ziel ist es, hier Spiele zu gewinnen. Ich werde mein Bestes geben, damit es gelingt. Ich stelle keine Vergleiche mit [2017/18] auf. Damals spielte ich in einer Reihe mit Kyle Palmieri und Nico Hischier zusammen, und die hatte gepasst. Ich hatte auch viele Punkte im Powerplay erzielt", verriet Hall.
Den Traum vom Gewinn des wichtigsten Pokals im Leben eines Eishockeyspielers, könnte er sich in Boston erfüllen. Die Bruins hätten definitiv nichts dagegen.
Nach eigenem Bekunden wäre Hall bereits am Dienstag bereit, sein erstes Spiel für die Bruins zu bestreiten, wenn sein ex-Team, die Sabres, im TD Garden von Boston erwartet werden (7 p.m. ET; NESN, MSG-B, NHL.TV; Mi. 1 Uhr MESZ).