Baertschi MW

Die offiziellen NHL-Statistiken weisen für den Schweizer Sven Bärtschi insgesamt 291 NHL-Spiele auf, in denen er 66 Tore und 72 Assists für den Erfolg seiner Mannschaften beisteuern konnte. Der 28-Jährige, der am 5. Oktober 1992 in Bern geboren wurde, kann sich in diesen Tagen jedoch nicht sicher sein, ob noch weitere NHL-Einsätze hinzukommen werden.

In der Vorsaison kam der Erstrundenpick (Nummer 13) der Calgary Flames beim NHL Draft 2011 lediglich auf sechs Einsätze für die Vancouver Canucks, verzichtete im vergangenen Sommer aufgrund von Bedenken bezüglich des Corona-Virus aus eigenem Antrieb auf die Teilnahme an der Postseason und befindet sich vor der in Kürze beginnenden Spielzeit 2020/21 in einem Kampf um einen Platz im Kader der Kanadier. Der Ausgang dieser Bemühungen ist derzeit völlig offen. Bärtschis NHL-Zukunft wird sich, wie es jetzt aussieht, erst im Anfang Januar beginnenden Trainingslager der Canucks entscheiden.
Sein Optimismus ist diesbezüglich ungebrochen, wie der Leftwing kürzlich in einem Interview mit der Tageszeitung 'The Province' aus Vancouver kundtat. "Ich werde kämpfen wie verrückt", sagte er dort den Kollegen. "Ich bin immer noch sehr zuversichtlich, was meine Fähigkeiten angeht, und ich weiß, dass man sich im Alltag auf mich verlassen kann. Ich fühle mich in vielerlei Hinsicht gut mit meinem Spiel und ich muss ins Camp kommen und ein Statement abgeben."

OTT@VAN: Bärtschi vollendet Vorlage von Gaudette

Nachdem er in der Vorsaison große Teile des Jahres in der AHL bei den Utica Comets verbracht hatte, richtet der Schweizer den Blick unverändert nach oben. Er will in der kommenden Spielzeit den Weg zurück zu einem Stammspieler in Vancouver finden: "Ich habe immer daran geglaubt und werde dabeibleiben. Ich trainiere wie ein NHL-Spieler und denke wie ein NHL-Spieler. Aber ich würde lügen, wenn ich nicht darüber nachdenken würde, wo ich mich einfügen kann und was meine Rolle sein könnte. Jeder würde das tun - es ist ein Teil der Vorbereitung", sagte er.
"Ich muss mich immer und immer wieder beweisen, und wenn ich in dieses Camp komme, muss ich das wieder tun. Die Jungs werden wild entschlossen um die Plätze im Kader der Canucks kämpfen."
Nach allgemeiner Einschätzung stehen Bärtschis Chancen auf einen der verbliebenen Plätze im Roster dabei nicht schlecht, trotz seiner zuletzt unbefriedigenden Zeit.

VAN@EDM: Horvat, Baertschi im Zusammenspiel zum Tor

Die Ansprüche seitens Trainer Travis Green sind dabei eindeutig, wie Bärtschi sagte. "Seine Erwartungen ändern sich nie wirklich. Es geht immer um die gleichen Dinge - ein schnelles Spiel, ein möglichst unbequemer Gegner zu sein, als Team zuverlässig in der Defensive zu arbeiten und möglichst gelungene Offensivaktionen zu kreieren."
Auch Green hat den Schweizer Stürmer für die kommende Spielzeit längst nicht abgeschrieben, wie die aktuelle Aussagen des 28-Jährigen zu zeigen scheinen: "Das Wichtigste, was er mir sagt, ist, dass man mit Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten spielen und die Spielzüge machen muss, wenn die Gelegenheit dazu ist", sagte Bärtschi Mitte Dezember.
Bärtschi kann zudem auf beachtliche Erfolge in der Vergangenheit verweisen. Er absolvierte Spielzeiten, in denen ihm 15 (2015/16), 18 (2016/17) und 14 Tore (2017/18) gelangen, bevor eine Gehirnerschütterung ihn auf neun Tore in 26 Spielen in der Saison 2018/19 beschränkte.
Was im vergangenen Sommer für einiges Stirnrunzeln im Umfeld der Canucks sorgte, war der freiwillige Verzicht des Flügelstürmers auf die Teilnahme an der Postseason.
Es gab durchaus Stimmen, die ihm das übelnahmen, die sich wunderten, warum Bärtschi diese Gelegenheit aus eigenen Stücken verstreichen ließ.
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Bärtschi hat hierfür einige ganz klare Antworten parat.
Er betonte wiederholt, dass es ihm damals in der Tat viel mehr um die vielen Unsicherheiten rund um das Thema COVID-19 ging als darum, womöglich in den Kader aufgenommen zu werden, zu trainieren, wahrscheinlich dann aber nicht zu spielen und isoliert zu sein.
Bärtschi nahm seinerzeit noch am Training der 'Phase 2' in der Rogers Arena vor dem Camp im Juli teil. Die zweiwöchige Quarantäne gab ihm nach eigener Aussage damals einen Eindruck davon, wie das Leben in der Bubble von Edmonton sein würde. Sein Sohn Callan war gerade einmal 13 Monate alt gewesen und der Profisportler sah sich vor diesem Hintergrund gezwungen, zusammen mit seiner Frau Laura, eine schwierige Entscheidung zu treffen.
"Ich habe ziemlich viel an die Wand gestarrt und jeden Tag sehr intensiv darüber nachgedacht, was ich tun soll. Was ist das Richtige für mich persönlich und für die Familie, um sie in Sicherheit zu bringen? Zu der Zeit gab es so viele unbekannte Dinge und wir wissen jetzt so viel mehr", erinnert sich Bärtschi an diese schwierigen Tage im vergangenen Sommer.

Top-Spielzüge aus 2018/19: Sven Bärtschi

Von dem, was er dann in der Postseason zu sehen bekam, war er durchaus beeindruckt. "Ich war erstaunt, wie gut die NHL die ganze Sache gehandhabt hat. Es gab keine Corona-Fälle in den Bubbles. Das war riesig. Und die Mannschaft hat großartig gespielt und es hat Spaß gemacht, ihr zuzusehen."
Ob er im Januar noch einmal die Chance bekommen wird in der NHL auf dem Eis zu stehen oder ob er wieder in der AHL auflaufen wird, das kann Bärtschi in wenigen Tagen aktiv beeinflussen.